Ottersberg - · Was haben Hammer und Internet gemeinsam? fragte Referent Moritz Becker. Antwort: Beides seien Werkzeuge, mit denen man auch Dinge zerstören kann. Aber selbst wenn wir uns schon einmal mit dem Hammer auf den Daumen geschlagen haben, benutzen wir ihn weiter.
Einen Hammer hatte Becker zum Elternabend der besonderen Art gleich in die Mensa des Gymnasiums Ottersberg mitgebracht. Sein Thema waren das Internet und insbesondere die Chatrooms. Die Konzeptgruppe Medienbildung sowie der Elternrat hatten eingeladen.
Becker arbeitet für „smiley“, einen „Verein zur Förderung der Medienkompetenz“ aus Hannover. Wenn wir die Risiken des Internets kennen, sei dessen Nutzung nicht nur möglich, sondern für Jugendliche unabdingbar, betonte er.
Überzeugend seine Schilderung die Befindlichkeit des 13-jährigen „Max“: Neugier, Freiheit, Anerkennung, Suche nach Identität, die in Rollenspielen ausprobiert wird, und Verantwortungsübernahme steuern das Verhalten in der Pubertät. Das seien Bedürfnisse, die die Eltern früher auch hatten. Becker: „Wer ging nicht gern zum Abenteuerspielplatz, um seine Neugierde zu stillen und Freiheitsgefühle zu haben? Aber - ehrlich gesagt- , würden Sie heute als Jugendlicher auf einen TÜV-geprüften Abenteuerspielplatz mit Aufsichtspersonal gehen?“
Daher suchten jetzt Kids Selbstbestätigung durch Hochladen privater Videos. Der Umgang mit dem Internet sei noch dazu eines der wenigen Gebiete, aus denen die Elterngeneration keine Erfahrungen mitbringt. Oft sei es umgekehrt: Kinder zeigen ihnen, wie das Internet funktioniert.
Moritz Becker arbeitet vormittags überwiegend mit Schülern in Workshops. Aus deren Erzählungen lernt er und gibt das abends Eltern weiter. So berichtete er davon, wie eine Mutter ihre Tochter bat, beim Facebook-Chatten zuzugucken. Es passierte aber nichts – nicht eine Nachricht ging ein. Die Mutter fragte ihre Tochter, was denn das zuletzt geschriebene „MOS“ wohl bedeute. Antwort: Ja, nun, „mum over shoulder“.
Großes Gelächter im Raum – ob sich da einige ertappt fühlten?
Zum Cyber-Mobbing meinte Becker: Es sei zwar viel einfacher, jemanden im Net zu mobben, als es ihm persönlich zu sagen. Dennoch: „Menschen beleidigen – das Internet beleidigt nicht“. Daher sei es etwa wichtig, Jugendliche zur guten Klassengemeinschaft zu motivieren, um Mobbing einzudämmen.
Zusammengefasst: Umgang mit dem Internet sollten Eltern ihren Kindern nicht verbieten oder streng reglementieren, sondern ihnen Vertrauen geben und bereden, wie Privatsphäre bewahrt werden kann.
Oder wollen Sie etwa ein MoF sein? fragte Becker. Ratlose Gesichter. „Mensch ohne Freunde“, klärte er auf. Dem Referenten war es gelungen, das „große unbekannte Facebook“ mit Leben zu füllen und Eltern auch Ängste zu nehmen. Weitere Informationen zum „smiley“-Verein gibt es unter http://www.smiley-ev.de
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