Superbanner

„Schulstruktur ist in Frage zu stellen“

Interview mit dem scheidenden Rektor der Langwedeler Schule am Goldbach Wolfgang May zur Zukunft der Hauptschule

„Schulstruktur ist in Frage zu stellen“

    • recommendbutton_count100
    • 0
    • 0

Langwedel - (pma) · Wolfgang May wird in diesen Tagen als langjähriger Leiter der Schule am Goldbach Langwedel, einer Haupt- und Realschule verabschiedet. Heiß wird seit einiger Zeit über das bestehende Schulsystem und die Zukunft der Hauptschule diskutiert. Zeit für ein paar Fragen an jemanden, der sich mit der Sache auskennt – und kein Blatt mehr vor den Mund nehmen muss.

Die Schüler haben ihr Ziel mit dem Schulabschluss erreicht – aber wie geht es mit der Schule selbst weiter?

Die Schüler haben ihr Ziel mit dem Schulabschluss erreicht – aber wie geht es mit der Schule selbst weiter?

?Wo sehen Sie die Stärken, wo die Schwächen des dreigliedrigen Schulsystems?

!Die Ansprüche an die Lehrkräfte und Schulleitungen, in allen Schulformen auf aktuelle, gesellschaftlich relevante Problemlagen einzugehen und entsprechende Handlungskonzepte zu entwickeln und umzusetzen werden immer vehementer vertreten. Dies führt neben der Erfüllung der unterrichtlichen Verpflichtungen zu weiteren enormen Arbeitsbelastungen in den Schulen. Sie lassen immer weniger Raum und Zeit, sich mit jedem einzelnen Schüler bzw. mit jeder einzelnen Schülerin intensiver, persönlicher zu beschäftigen.

In den letzten Jahrzehnten ist ein Trend zur höheren Allgemeinbildung und damit auch zu höheren Schulabschlüssen zu beobachten. Das Gymnasium wurde so mittlerweile zur begehrtesten Schulart.

Wer keine Gymnasialempfehlung erhält, versucht oftmals über die Realschule auf indirektem Weg das Abitur zu erlangen. Dies führt dazu, dass sich Hauptschülerinnen und -schüler als Verlierer stigmatisiert fühlen und das Ansehen der Hauptschule weiter sinkt. Die viel gepriesene Durchlässigkeit zwischen den einzelnen Schulformen besteht zudem nur auf dem Papier und bleibt die Ausnahme.

?Ist die Hauptschule tatsächlich tot, wie es erst kürzlich in einer Diskussionsrunde festgestellt wurde?

!Trotz des beachtlichen Engagements der Hauptschulkollegien und der schon seit Jahren von Politikern verkündeten Bemühungen um eine Stärkung der Hauptschule ist bundesweit festzustellen, dass das derzeitige vier- bzw. dreigliedrige, als begabungsgerecht deklarierte Bildungssystem nicht mal mehr seinen selbst gestellten Aufgaben und Zielen gerecht werden kann. Der Ruf nach Stärkung der Hauptschule verhallt gegenüber den wirklich existierenden beruflichen und gesellschaftlichen Chancen für die Gruppe der Hauptschüler.

Auch weitere Förderprogramme, die die Attraktivität und Erfolge anheben sollen, können an dieser Situation nichts grundlegend ändern. Und je nachdrücklicher gefordert wird, gerade die Hauptschule müsse effektiver als bisher ihre Schüler auf die Arbeitswelt vorbereiten, also Unterricht und Sozialisation auf Wege in die unteren Berufspositionen konzentrieren, desto deutlicher wird auch, dass die Bildungskonzeption einer solchen Hauptschule damit tendenziell aus der Verpflichtung auf eine allgemeine und grundlegende Menschenbildung wegführt.

?Was muss Ihrer Meinung nach von Seiten der Politik getan werden, was kann durch die Lehrkräfte und pädagogische Fachleute unternommen werden, um das System zu stabilisieren?

!Wenn die „Hauptschule“ politisch als Schulform-Etikett in der Bildungslandschaft bestehen bliebe, würde sie praktisch immer mehr einen Lernort darstellen, an dem sich sozial und leistungsmäßig benachteiligte Schüler sammeln und weiter aussieben. Und wie Studien bestätigen, motivieren sich diese Schüler untereinander eher nicht nach oben, sondern nach unten.

Angesichts der problematischen Auswirkungen unseres stark aufgegliederten und frühzeitig selektierenden Schulsystems ist auch die niedersächsische Schulstruktur gänzlich in Frage zu stellen.

Die Forderung nach längerem gemeinsamem Lernen aller Kinder und Jugendlichen halte ich für unbedingt gerechtfertigt. Es gibt keine überzeugenden pädagogischen und erziehungswissenschaftlichen Argumente, die dagegen sprechen. In fast allen europäischen Ländern lernen Kinder sechs oder mehr Jahre zusammen, in der Hälfte der Länder lernen sie gemeinsam bis zum Ende der Pflichtschulzeit.

Hier in Niedersachsen sollte daher die Möglichkeit zur Einrichtung von integrierten Gesamtschulen, wo es vor Ort gewünscht wird, einfacher gestaltet und nicht durch hohe schulgesetzliche Genehmigungsvorgaben (mindestens Fünfzügigkeit) praktisch verhindert werden.

Dies würde einen Umstrukturierungsprozess fördern können, der im nächsten Schritt als bildungspolitischen Kompromiss ein anderes Säulen-Modell entstehen ließe: Neben dem traditionellen Gymnasium und der Gesamtschule würde durch Integration von Hauptschule und Realschule eine neue Schulform geschaffen, die z.B. als „Mittelschule“, „Gemeinschaftsschule“ oder „Sekundarschule“ mit zehnjähriger Schulbesuchspflicht bezeichnet werden könnte.

Die Vorstellung von einer im Flecken auch denkbaren integrativen Schulform könnte die begonnene Diskussion in der Schulentwicklungsplanung im Landkreis Verden durchaus bereichern und ebenfalls für den Fortbestand einer wohnortnahen, attraktiven Beschulung in dieser Gemeinde von großer Bedeutung sein.

zurück zur Übersicht: Langwedel

  • BlinkList
  • del.icio.us
  • Folkd
  • Furl
  • Google
  • Linkarena
  • Mister Wong
  • oneview
  • Yahoo MyWeb
  • YiGG
  • Webnews
Diese Seite bookmarken bei...

Kommentare

EM-TippspielMitmachen und gewinnen

Facebook 'Like Box' wird geladen... Inhalt wird geladen - Downloadanzeige

http://www.facebook.com/pages/EM.News.2012/316703771733299300truefalsefalse

Bestimmen Sie auf der Karte die Region, aus der Sie Nachrichten angezeigt bekommen möchten.

Karte VerdenOytenAchimThedinghausenVerdenlangwedelkirchlintelnDörverdegroße Karte

Lokalsport Kreis Verden

Engels Elf im siebten Himmel – 3:2

Engels Elf im siebten Himmel – 3:2

Verden - Von Ulf von der EltzDer eine musste nach 24 Minuten verletzt runter – den anderen nahm Trainer Frank Engel in der Halbzeit aus dem Team: John Winkler und Ole Käuper vom SV Werder Bremen hatten sich ihren zweiten Auftritt mit der U15-Nationalmannschaft nahe der Heimat ganz anders vorgestellt. Beim 3:2 (1:0)-Erfolg der DFB-Talente gestern in Verden gegen die Niederlande blieben sie nur Randfiguren.Mehr...

Airichs Hammer sitzt – Uphusen 3:2

Airichs Hammer sitzt – Uphusen 3:2

UPHUSEN · Sprung auf Platz zwei geglückt: Fußball-Landesligist TB Uphusen feierte im letzten Saison-Heimspiel ein 3:2 (1:1) über Teutonia Uelzen. „Es war ein Match auf hohem Niveau, beide haben auf Sieg gespielt.Mehr...

Meist gelesene Artikel

  • Heute
  • 7 Tage
  • 30 Tage
  • Themen
Die „Goldbach Invest“ mit Henning Struckmann (li.), Yvonne Beermann (3.v.li.) und Heinz-Dieter Kornau (re.) von der Kreissparkasse. ·

„Facebook? Die sind doch völlig überbewertet“

Langwedel - „Dass es in Deutschland keine Aktienkultur gibt, das ist bedauerlich“, findet Hermann Reinhold. Aber gilt das für ganz Deutschland? Nee. Im kleinen Langwedel gibt es ein kleines Pflänzchen Aktienkultur aus der Gattung „Gemeinsame Kleinanleger“. Seit 25 Jahren gibt es hier den Investmentclub „Goldbach Invest“, seit einem Vierteljahrhundert spekulieren hier ein paar Langwedeler gemeinsam mit Aktien.Mehr...

Die Musiker von „Arkadia“ genießen zurzeit die letzten Auftritte mit ihrer Frontsängerin Hannah Schilp, da sie die Band aus privaten Gründen im Herbst verlassen wird. ·

„Ich hätte mir mehr Zuschauer gewünscht“

Langwedel - HOLTEBÜTTEL · „Ich hätte mir mehr Zuschauer gewünscht. Trotzdem war die Stimmung super“, zog Robert Bogner vom Organisationsteam „Holtebüttel rockt!“ Bilanz. Nach dem Erfolg der vergangenen zwei Jahre trugen die Verantwortlichen auch dieses Mal die Veranstaltung auf dem Gelände der örtlichen Feuerwehr und des Schützenvereins aus.Mehr...

Foto: Bruns

Ein Zeichen gesetzt: "No Fracking"

Landkreis - „Kein Gift in unserer Erde“, forderten am Sonnabend 700 Teilnehmer einer großen Demonstration in Völkersen. Gefolgt waren sie einem Aufruf der Bürgerinitiative (BI) „No Fracking“, die jedoch vielmehr fordert als „nur“ ein Verbot dieser umstrittenen Methode zur Erdgasförderung. In dem Erdgasfeld Völkersen ist krebserregendes Benzol ins Erdreich gelangt.Mehr...

Kontakt

Redaktion Langwedel

Obernstraße 54
28832 Achim
Telefon 04202 / 515-0
Telefax 04202 / 515-149
redaktion.achim@kreiszeitung.de

Artikel lizenziert durch © kreiszeitung
Weitere Lizenzierungen exklusiv über http://www.kreiszeitung.de

Neues Passwort zusenden

Bitte geben Sie ihre E-Mail Adresse an, wir senden Ihnen ein neues Passwort zu.

Bitte warten

Es wird etwas gemacht.

  • recommendbutton_count100
Schließen

Druckvorschau

Artikel:

Schließen

Artikel Empfehlen

Empfehlen Sie diesen Artikel Ihren Freunden und Bekannten!

Fehleranzeige ausblenden

Es sind Fehler aufgetreten!

  • Fehlertext

Bitte berichtigen Sie oben aufgeführte Fehler und klicken danach noch einmal auf den Absenden Button.

Fehleranzeige ausblenden

Schwere Fehler sind aufgetreten!

  • Fehlertext

Bitte setzen Sie sich mit der technischen Abteilung in Verbindung.

  • Fehlertext

Achtung!

  • Fehlertext

Nicht alle Aufgaben konnten abgearbeitet werden.

SkyScraper