Daverden - Von Harald GerkenBis vor 200 Jahren hatte Daverden mit seinen damals zirka 600 Einwohnern stets nur eine Gaststätte gehabt, eben den Krug. Dieser wurde aber sozusagen zwangsläufig zum „Alten Krug“, nachdem sich Konkurrenz regte.

© ksy
Güterslohs Gasthof von der Weserstraße aus. So präsentierte sich das Haus mehr als 100 Jahre, nachdem es dank der Massivbauweise den Daverdener Großbrand von 1878 überstanden hatte.
Das gilt übrigens für die meisten Ortschaften mit einem Gasthof dieses Namens. Es ist dann der Hinweis darauf, dass man in das älteste Gasthaus des Dorfes einkehrt.
Die wohl älteste Brinksitzerstelle in Daverden war in der damaligen Dorfmitte auf dem Brink, wo der Kuhhirte einst morgens seine Rinderherde zusammenstellte, entstanden und wurde nun 1812 zu einem weiteren Krug „umfunktioniert“. Der Krüger hieß Hermann Dittmer Gütersloh und hatte die Haustochter Margarethe Lühmann geheiratet, bevor er seine Fähigkeiten als Gastwirt einsetzte. Er war nämlich im Hause eines Gastwirtes auf dem Langwedeler Herrenkamp aufgewachsen.
Es war nun jedoch nicht allein seine Berufung, sondern auch einige weitere Erkenntnisse, die ihn zu seinem Wagnis veranlassten. Einmal war es die zentrale Lage im alten Dorfkern, den man damals noch „Allerviertel“ und später als „Neddendörp“ bezeichnete.
Dann lag das Haus direkt am viel befahrenen „Torfweg“ vom Hellweger Moor in die Marschdörfer auf „gent siet“, wo es keinen Torf gab, man aber im Gegenzug gutes Heu und andere dort besser gedeihende Erzeugnisse der Landwirtschaft erstehen konnte.
Große Erwartungen knüpfte Gütersloh auch an den Betrieb der Ziegeleien, die entweder direkt in der Marsch angesiedelt waren, oder auch teilweise nur den Ton von dort holten, um diesen auf der Geest nahe am Torf, aber auch ohne Hochwasserunterbrechungen zu verarbeiten.
Die gut gehenden Geschäfte erlaubten ihm bereits nach zehn Jahren aus dem einfachen Fachwerkhaus mit Strohdach ein für damalige Verhältnisse recht ansehnliches Gasthaus zu machen.
Die massive Bauweise mit Pfannendach ließ es übrigens den Großbrand im alten Zentrum überstehen. Mitten zwischen 17 abgebrannten Wohn- und Wirtschaftsgebäuden war Güterslohs Gasthof 1878 als einziges Haus unbeschadet stehen geblieben, darunter auch das ebenso brandsichere Stallgebäude mit etlichen Einstellplätzen für Gastpferde und seine eigenen landwirtschaftliche Abteilung. Gütersloh gehörte nämlich immer noch der Klasse der Brinksitzer an, die stets Landwirte im Nebenerwerb waren.
Güterslohs Gasthof blieb 127 Jahre in Familienhand, wenn auch zwischenzeitlich einmal Johann Hinrichs als Interimswirt den früh verstorbenen ersten Nachfolger Friedrich Gütersloh für 25 Jahre vertrat. Der letzte Vertreter des Familiennamens in dem Haus gab 1949 seine Konzession zurück, nachdem sein einziger Sohn Hermann Gütersloh im Krieg gefallen war. Er sah sich mit 70 Jahren auch nicht mehr in der Lage, den Betrieb zu führen, zumal seine Ehefrau Christine, geborene Behling, auch bereits 35 Jahre zuvor gestorben war.
Als Friedrich als letzter Gütersloh 1953 mit 78 Jahren starb, hatte er den Ruf, auf etlichen Gebieten Pionier gewesen zu sein. So hatte er die erste eigene Hauswasserversorgung im Dorf; sein erfolgreiches Experimentieren mit Kunstdüngern öffnete einigen Landwirten die Augen für zeitgemäßen Ackerbau.
Sein Interesse an der Pferdezucht führte sogar zu einem besonderen Ereignis: Er hatte so viele Pferde, dass er davon einige an die Wehrmacht für den Kriegseinsatz abliefern musste. Als an der Front in Russland sein später dort gefallener Sohn Hermann mit Pferden zu tun bekam, scherte plötzlich eines davon aus und stellte sich (erkennbar vor Freude) laut wiehernd auf die Hinterbeine und begrüßte ihn damit 3 000 Kilometer von zuhause entfernt. Das Pferd hatte ihn eher wiedererkannt als umgekehrt.
Im Gasthaus folgten dann für jeweils kurze Perioden die Pächter Clausen, Sieling und „Jan Knoop“.
Eine mit den Anfängen vergleichbare Blütezeit kam dann nach zehn Jahren Leerstand 1965 wieder auf, nachdem das in direkter Nachbarschaft bewährte Gastwirts-Ehepaar Crisolde und Bernhard Juckel das Haus gekauft hatte und zu einer stark frequentierten Begegnungsstätte ausbaute.
Unter anderem wurde aus der ehemaligen Diele ein geräumiges Clubzimmer, und an der Stelle des alten lang gezogenen Stallgebäudes entstand eine Kegelbahn. Der TSV Daverden hatte hier sein Vereinslokal, und mancher Handballsieg wurde bei Crisolde ausgiebig gefeiert.
Man kann nun mit Fug und Recht sagen, dass die 1989 für immer geschlossene „Alte Dorfschänke“- wie das Gasthaus zuletzt hieß - bis in die letzten Tage eine allseits beliebte und gut geführte Gastwirtschaft war.
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