Dörverden - Es herrscht eine angespannte Stimmung zwischen den Dörverdener Gastwirten und dem Ehmken Hoff. Die Gastronomen beklagen Umsatzeinbrüche, an denen der gastwirtschaftliche Betrieb im Kulturgut schuld sein soll. Der Dehoga (Deutscher Hotel- und Gaststättenverband) spricht von unlauterer Konkurrenz, der Vorstand der H.F.-Wiebe-Stiftung reagiert erstaunt: „Wir haben die örtliche Gastronomie immer mit einbezogen.“

© Foto: Raczkowski
Das Kulturgut Ehmken Hoff ist für die Bürger ohne Frage eine große Bereicherung des dörflichen Lebens. Die örtlichen Gastronomen empfinden das Haus mittlerweile aber eher als eine Bedrohung. ·
Die Gastronomen, die gemeinsam mit dem Dehoga, dem Unternehmerverband des Gastgewerbes, gegen die neue Konkurrenz aus der Ortsmitte vorgehen wollen, sind die Weserlust in Barme, das Hotel-Restaurant Pfeffermühle, das Gasthaus Waidmannsheil, Brüns Bistro, Brenners Bistro und der Besitzer des Gasthauses zur Wilden Sau.
Bei den allerersten Planungen für das Kulturgut, lange bevor der erste Stein gesetzt wurde, hat es bereits Gespräche gegeben, inwieweit dort Ausschank betrieben werden soll. Eine Konkurrenz für die örtliche Gastronomie sollte, da waren sich alle einig, nicht entstehen.
„Wir haben diverse Gespräche mit den Wirten geführt, sie ins Boot geholt“, berichtet Rainer Herbst, Stiftungsvorsitzender. Sogar in die Küchenplanung seien die Gastronomen einbezogen worden. „Schließlich waren wir davon ausgegangen, dass sie es sein würden, die die Küche hauptsächlich nutzen.“ Die Gastwirte bestätigen dies. Sie sagen aber: „Man hat uns zwar miteinbezogen, aber unsere Vorschläge wurden nicht umgesetzt.“
Sie betonen: „Wir sind nicht generell gegen das Kulturgut, im Gegenteil. Wir finden es toll, was dort geschaffen wurde und haben nicht das geringste gegen kulturelle Veranstaltungen einzuwenden.“
Das sonntägliche Kulturcafé im Koch‘s Hof wird bei den Wirten schon weniger gern gesehen. Schließlich könnten die Gäste auch bei ihnen zu Kaffee und Kuchen einkehren.
Herbst: „Wir haben den Gastronomen angeboten, das Kulturcafé bei uns zu betreiben.“ Doch die wollten nicht. Ihre Begründung: „Das rechnet sich für uns nicht. Und wir wollen auch nicht, dass unsere Läden in dieser Zeit leer stehen.“
Für das Kulturcafé gibt es mittlerweile eine Konzession, der Ehmken Hoff hat sich rechtlich abgesichert. „Das Café ist uns sehr wichtig“, so Herbst. „Wenn sonntags Fahrradgruppen zu uns kommen, um das Kulturgut zu besichtigen, dann haben die natürlich Durst, dann erwarten die ein Stück Kuchen.“
Das Kernproblem seien aber, so die Wirte, vor allem jene Veranstaltungen, wo es schwer falle, einen sozialen oder kulturellen Zweck zu sehen: Familien-, Geburtstags-, und Hochzeitsfeiern, das Kaffeetrinken im Anschluss an Trauerfeiern, Firmenfeiern, Kohlbälle und Seminare.
Stiftung beantragt
Änderung des B-Planes
Und hier kommt ein weiterer Umstand hinzu, den der Dehoga anprangert: „Dem Kulturgut wurde keine vom Bebauungsplan abweichende Erlaubnis erteilt.“
Lediglich für das sonntägliche Café gibt es eine offizielle Erlaubnis. Mittlerweile hat die Stiftung bei der Gemeinde aber eine Änderung des Bebauungsplanes beantragt, um die Gewerbeausübung auf dem Kulturgut zu ermöglichen.
Und genau das wollen die Gastronomen verhindern. „Hier erwarten wir von der Politik, dass sie sich eindeutig positioniert“, so die Wirte. „Unsere Existenzen stehen auf dem Spiel.“ Der Gemeinderat solle dem Antrag der Stiftung deshalb nicht folgen, so ihre klare Forderung.
Rainer Herbst und der Vorsitzende des Stiftungsrates, Dr. Heinz-Dieter Böcker, präsentierten gestern Zahlen: Seit seiner Eröffnung im März habe das Kulturgut mehr als 300 Veranstaltungen ausgerichtet. Das ist im Schnitt mehr als eine am Tag. Aber: „Etwa 90 Prozent der Veranstaltungen laufen völlig ohne Gastronomie ab. Der größte Teil ist öffentlich und kostenlos. Der Anteil der Veranstaltungen, bei denen wir Geld einnehmen, ist dagegen verschwindend gering.“
Und auch in Zukunft dürften die Wirte, so Herbst, gern als Gastronomen im Kulturgut tätig werden. Und wenn sie mit den Gegebenheiten nicht zufrieden seien, so sollten sie ein Konzept, eine Wunschliste vorlegen. „Aber bis jetzt ist von denen nichts gekommen.“
In den nächsten Tagen werden die Fraktionen des Gemeinderats im Ehmken Hoff vorbeischauen, um sich eine Entscheidungsgrundlage zu verschaffen. „Die Politiker sollten sich dabei im Klaren sein, dass die Unterhaltung der Gebäude auch in Zukunft Geld kosten wird“, so Herbst. „Und irgendwo muss das ja schließlich herkommen.“
Aber genau das Gleiche gelte schließlich auch für die Gaststätten, merken die Wirte an, die ihrerseits hoffen, dass die Politiker vor einer Entscheidung auch mit ihnen das Gespräch suchen werden. · rei
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