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„Alte Bilder tauchen plötzlich wieder auf“

Das Unglück der Costa Concordia erinnert Harold Farnbacher an die Havarie der Sinclair Petrolore im Jahr 1960

„Alte Bilder tauchen plötzlich wieder auf“

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Dörverden - Als Harold Farnbacher die ersten Bilder der havarierten Costa Concordia im Fernsehen sah, kamen Erinnerungen in dem 77-jährigen Dörverdener hoch, die er lange verdrängt hatte. Im Jahr 1960 arbeitete der damals 25-Jährige als Maschinist auf dem größten Frachtschiff seiner Zeit, dem Öltanker Sinclair Petrolore. Das Schiff explodierte und sank am 6. Dezember 1960 vor Brasilien, mitten im atlantischen Ozean.

Die letzten Minuten eines Ozeanriesen, bevor er für immer versinkt: Das größte Frachtschiff seiner Zeit nimmt zwei tote Besatzungsmitglieder mit auf den Meeresgrund. ·

© Foto: H. Farnbacher

Die letzten Minuten eines Ozeanriesen, bevor er für immer versinkt: Das größte Frachtschiff seiner Zeit nimmt zwei tote Besatzungsmitglieder mit auf den Meeresgrund. ·

„Ich habe da sehr lange nicht mehr dran gedacht. Aber jetzt, wo die Costa Concordia in aller Munde ist, da tauchen plötzlich die alten Bilder wieder auf.“ Für die Verdener Aller-Zeitung hat Farnbacher sein altes Fotoalbum herausgekramt.

Als junger Mann hat er bei dem Unglück ganz offensichtlich die Nerven behalten – und so gelangen ihm und seiner kleinen Kodak-Kamera atemberaubende Fotos – die einzigen, die heute von der Katastrophe existieren.

Bereits vier Jahre Erfahrung auf See hatte der junge Dörverdener, als er am 24. Juni 1960 in Port Said, Ägypten, auf der Sinclair anheuerte. Der Ozeanriese hatte die Aufgabe, Rohöl von Kuwait in die Vereinigten Staaten zu transportieren. „Die Mannschaft bestand aus elf Nationen“, erinnert sich Farnbacher.

Fast ein halbes Jahr war Farnbacher mit der Sinclair unterwegs, als ihn am Morgen des Nikolaustages, gegen 9 Uhr, eine Explosion aus dem Schlaf riss. „Die Kabinentür wurde eingedrückt, der Kleiderschrank von der Wand gerissen, das Waschbecken flog auf den Boden.“

Farnbacher rettete sich durch das Bullauge auf eine Plattform. „Es war dunkel, überall war Qualm.“ Als die Rettungsboote gelöst wurden, trug er nur seine Kamera, seine Papiere und seine Schwimmweste bei sich.

Zwei Männer kamen bei der Explosion ums Leben. Der Rest der knapp 50 Mann starken Besatzung musste sich auf zwei Rettungsboote verteilen, die anderen beiden waren defekt. „Als im ersten Boot fünf Leute saßen, ruderten sie in Panik davon.“

Aber das zweite Rettungsboot konnte das erste einholen. Die Überlebenden, inklusive einiger schwerverletzter Männer, wurden auf die Boote verteilt. Was Farnbacher noch heute lebhaft in Erinnerung ist, ist das Verhalten seines Kapitäns. An seinen Vornamen erinnert er sich nicht, der Nachname sei Gates gewesen. „Er seilte sich erst von dem sinkenden Schiff ab, als wir alle in Sicherheit waren.“ Und auch danach, als die Rettungsboote auf hoher See trieben, habe Gates „ein Gefühl von Sicherheit“ ausgestrahlt.

Treibmine war wohl

Grund für die Explosion

Das Verhalten, das man heute dem Costa-Concordia-Kapitän Francesco Schettino vorwirft, sei „ganz und gar unfassbar.“ In so einer Ausnahmesituation müsste man sich auf den wichtigsten Mann des Schiffes verlassen können, ist sich Farnbacher sicher.

Aus den Rettungsbooten heraus beobachteten die Überlebenden, wie sich die Sinclair auf die Seite legte, um dann innerhalb weniger Minuten im Ozean zu verschwinden. Der Tanker hatte etwa 60 000 Tonnen Rohöl geladen. „Wie es zu diesem Unglück kommen konnte, ist nie geklärt worden. Aber man geht davon aus, dass das Schiff auf eine Treibmine aus dem Zweiten Weltkrieg gelaufen ist.“

Die Schiffbrüchigen hatten weder ausreichend Wasser noch Nahrung zur Verfügung. Mit den kleinen Segelbooten hätten die Männer fünf Tage bis zum Festland gebraucht. „Und, was wir damals nicht wussten: Der Funker hatte in seiner Panik beim SOS-Ruf eine falsche Position angegeben, so dass die Retter aus der Luft keine Chance hatten, uns zu finden.“

Doch in der Nacht darauf entdeckte die italienische Besatzung der „Mary Ellen Conway“ die Rettungsboote. Die Seemänner holten die immer noch schockierten Schiffbrüchigen an Bord. Alle Überlebenden hatten wenige Tage später in Brasilien wieder festen Boden unter den Füßen.

Harolds Vater Fritz konnte in Dörverden ein Telegramm in Empfang nehmen, auf dem stand: „Harold Farnbacher well and safe in Brazil.“

„Ich habe viel Glück gehabt“, weiß Farnbacher heute. Er entschloss sich, Abschied von der See zu nehmen und sesshaft zu werden. Bevor er allerdings in Dörverden eine Familie gründete (er hat drei Kinder), ging es für ihn ein letztes Mal auf große Fahrt. „Ich wollte nicht, dass mich dieses Unglück dazu bringt, die See einfach aufzugeben. Ich wollte noch einmal in die Karibik.“ · rei

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