Achim - Von Manfred BrodtNachdem der Stadtrat für die Sanierung und Erweiterung der Stadtbibliothek ein Maximum von 900 000 Euro gesetzt hatte und zwei Architektenbüros nicht total befriedigende Erweiterungspläne präsentiert hatten, haben die Büros noch einmal nachgedacht und nachgebessert.

© ksy
Blick aus dem Norden von der Straße am Marktplatz auf die Bibliothek „aus einem Guss“ mit angehängtem runden Lesecafé beim Rathaus. So stellen sich Landwehr und Partner die entkernte, erneuerte und vergrößerte Stadtbibliothek vor.
Die überarbeiteten und weiter entwickelten Entwürfe wurden am Donnerstag dem Achimer Kulturausschuss präsentiert, dessen Vorsitzender Rüdiger Dürr bedauerte, dass die von der CDU schon seit sieben Jahren geforderte größere Bibliothek an der Marktpassage, am Gericht oder am jetzigen Standort immer wieder verschoben werde.
Architekt Bernd Lange vom Sulinger Büro Landwehr und Partner, das bisher einen zweigeschossigen würfelförmigen Anbau vorgeschlagen hatte, will nun wegen der hohen Sanierungskosten das Gebäude entkernen und eine weitgehend neue Bibliothek „aus einem Guss“ bauen. Das Büro hat ausgerechnet, dass pro Quadratmeter die Sanierung 1000 Euro und der Neubau 1500 Euro kosten würde. „Wenn ich all die Schwachpunkte dieses Gebäudes beheben will, komme ich zu dem Ergebnis, dass ich das ganze Gebäude auch entkernen und neu aufbauen kann“, sagt der Architekt.
So soll eine erneuerte Bücherei mit Aufzug, Treppen und großzügigen, wärmegedämmten Räumen entstehen mit einem neuen gläsernen Lesecafé Richtung Rathaus und Marktstraße in Form eines Dreiviertel--Kreises. Die jetzt 450 Quadratmeter bietende Bibliothek wird so so um 204 Quadratmeter auf 654 erweitert. Brutto liegt die Erweiterungsfläche bei 228 Quadratmetern.
Das Büro Trapez aus Hamburg, das bisher den Sanierungsbedarf des Bibliotheksgebäudes viel höher eingeschätzt hatte als der Mitbewerber und nur noch 208 000 Euro für zusätzliche 112 Quadratmeter für möglich hielt, hat in einer neuen Variante 90 000 Euro von der Sanierung in den Anbau gesteckt. Dadurch kommt man auf eine Brutto-Erweiterungsfläche von 160 Quadratmetern.
Hatte das Büro zunächst bei Fenstern und Wänden erhebliche Wärmedämmung vorgesehen, so verzichtet man nun in diesem Bereich auf Wärmedämmung, weil sie auch zu Feuchtigkeit, Schimmel und anderen Zerstörungen führen könne, und sieht die Wärmedämmung nur im Dachbereich der Bibliothek vor, die eine „warme Mütze“ bekomme.
Diesen Kurswechsel hält der von der Stadt beauftragte Gutachter Gregor Dreischoff für höchst widersprüchlich und nicht nachvollziehbar. Er machte dagegen keinen Hehl, dass er das Modell des Sulinger Architektenbüros für höchst gelungen hält.
Unsicherheiten bleiben unabhängig von möglichen Kalkulationsfehlern, denn in dem alten Fachwerkgebäude, das früher Stall und Feuerwehrhaus war, können noch böse, bauliche Überraschungen stecken. Auch das Büro Trapez räumt ein, dass es nicht weiß, wie viel Wärmedämmung im Dachbereich das Gebäude verträgt. Peter Bartram weiß, dass an Holzgebälk schon feststellbare Schäden auch dramatisch ausfallen können. Sei man erste einmal im Gebäude, gebe es kein Zurück.
Die von den Grünen favorisierte Alternative, die gesamte Bibliothek später in zwei Etagen des Rathaus-Ostflügels einziehen zu lassen, wurde im Ausschuss nur beiläufig angesprochen. Grüne Gabriele Sommer hatte unterstrichen, dass man im Rathaus für gut eine halbe Million Euro eine Bibliothek mit 850 Quadratmetern und weitaus weniger Folgekosten bekommen könne. Nach Angaben der Bibliotheksleiterin Heike Pflugner wäre die Bibliothekserweiterung mit einer zusätzlichen halben Stelle und einer Erhöhung des jährlichen Zuschusses von 443 000 Euro um bis zu 75 000 Euro verbunden.
Während Karlheinz Gerhold (SPD) die Rathausalternative gleich vom Tisch haben wollte, hält sie Vize-Verwaltungschef Wolfgang Ritzenhoff für sinnvoll. „Soll man in den Bibliotheks-Altbau so viel Geld stecken?“, fragte er. Achim hätte dann in der Bauzeit acht Monate überhaupt keine Bibliothek.
„Jede Menge Platz
im Rathaus“
Im Rathaus sei jede Menge Platz. Jeder Arbeitsraum sei für zwei Mitarbeiter konzipiert. „Dann sitzt halt der ein oder andere nicht mehr allein im Büro“, sagte der zweite Verwaltungschef zur Verblüffung mancher im Ausschuss.
Am 28. Februar will der sich endgültig in Sachen Bibliothek festlegen.
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