020.01.12|Achim|Achim|8
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Achim - Von Michael MixMit überraschenden 8,9 Prozent enterte die Piratenpartei im September das Berliner Abgeordnetenhaus und zog damit erstmals in ein Landesparlament ein. Nun will die noch voller Geheimnisse steckende frische Kraft im politischen Betrieb auch in Achim und im ganzen Landkreis Verden Fuß fassen.
Für Dienstag, 24. Januar, um 19 Uhr lädt die Piratenpartei erstmals zum „offenen Stammtisch“ im Kellerlokal „Katakomben“ am Alten Markt in Achim ein. Dazu, teilen die Initiatoren um Robert Bauer mit, sind alle Interessierten willkommen.
Bauer ist Vorsitzender des Kreisverbands Bremen-Stadt der Piratenpartei, die er zusammen mit Mitstreitern „nun auch im Umland organisatorisch verankern“ will, wie der 40-Jährige gestern auf Nachfrage verriet. Bis zur Landtagswahl in Niedersachsen in einem Jahr solle es auch einen Kreisverband Verden geben.
„In Bremen haben wir 200 Mitglieder, in Niedersachsen sind es 1 600, darunter etwa 25 im Kreis Verden“, berichtet Bauer. Von den Letzteren sei der Großteil der Aktivisten in Achim zu Hause und deshalb werde dort auch das Premierentreffen veranstaltet.
„Stammtische sind ein etabliertes Mittel der Piraten im Bemühen um Transparenz und Partizipation der Bürger“, erklärt Robert Bauer. Anspruch sei, die Einwohner „möglichst frühzeitig in Planungen von politischer Seite einzubinden“. Wer Power-Point-Präsentationen von schon fertigen Projektergebnissen anbiete, verfehle dieses Ziel.
Selbstverständlich sei die 2006 in Berlin gegründete „Partei der Informationsgesellschaft“ auch gegen Vorratsdatenspeicherung und Zensur im Internet, fügt der Bremer „Pirat“ an. „Aber natürlich sind wir für das Löschen von Kinderpornodateien und anderen rechtswidrigen Inhalten im Netz.“
Die junge Partei, die sich anschickt, nun auch in Achim und der Region den etablierten Polit-Akteuren auf die Pelle zu rücken, besteht keineswegs nur aus blutjungen Mitgliedern. Der Altersdurchschnitt der 200 Bremer „Piraten“ liege bei 34 Jahren. „Leider haben wir bisher wenig Frauen in unseren Reihen“, bedauert Bauer. „Wir müssen und werden uns in Zukunft noch mehr um soziale Themen kümmern.“
Dennoch ist der Zulauf zu der lange als „Protest-“ und „Splitterpartei“ eingestuften Gruppierung beachtlich. Bundesweit hat sie inzwischen mehr als 20 000 registrierte Anhänger. Die Linke, die FDP und die Grünen haben jeweils auch nur 60 000 bis 70 000 Mitglieder. Der Name der Piratenpartei ist übrigens abgeleitet von einer Kampagne der Musik-Industrie, die Raubkopien als Piraterie ächtete.

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