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„Kondome waren mir peinlich“

Achimer Hauptschüler absolvieren dance4life-Workshop / Sebastians HIV-Bericht macht betroffen

„Kondome waren mir peinlich“

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Achim - ACHIM (mar) · „Ich heiße Sebastian, bin 30 Jahre alt und seit elf Jahren HIV-positiv.“ Für einen Moment war es mucksmäuschenstill in der Sporthalle der Achimer Hauptschule – die rund 200 Schülerinnen und Schüler der achten, neunten und zehnten Klassen waren merklich betroffen. Im Rahmen des Workshops „dance4life“ wurden die Jugendlichen gestern unmittelbar mit dem Thema HIV/Aids konfrontiert.

Die Hauptschüler proben den dance4life-Tanz.

Die Hauptschüler proben den dance4life-Tanz.

Das Projekt dance4life war 2003 in den Niederlanden von zwei Geschäftsmännern gegründet worden, die der schnellen HIV-Ausbreitung nicht länger tatenlos zusehen wollten. Sie begannen, gegen die Immunschwächekrankheit zu kämpfen. Mit seinem Motto „Start dancing, stop Aids“ hat sich dance4life zu einer internationalen Jugendbewegung entwickelt, die am 27. November bei einem „Mega-Event“ ihren vorläufigen Höhepunkt finden wird: An diesem Tag sollen weltweit Tausende Menschen gleichzeitig den dance4life-Tanz tanzen.

Tanz und Gesang nutzte auch das fünfköpfige Team, um den Achimer Jugendlichen die Inhalte der gesundheitlichen Aufklärung näherzubringen. Die hatte Sebastian als Heranwachsender komplett außer Acht gelassen: „Ich habe ein unverantwortliches Leben mit vielen wechselnden Partnerschaften geführt“, erzählte der Bremer. „Ich habe nicht verhütet, weil es mir peinlich war, ein Kondom zu benutzen.“ Als 19-Jähriger infizierte er sich mit dem Virus, hatte ständig Entzündungen. Sein Arzt machte einen HIV-Test. Am Telefon erfuhr Sebastian das Ergebnis: positiv. „Ich dachte: Mein Leben ist vorbei.“ Er „schmiss“ die Schule und verbrachte die meiste Zeit im Krankenhaus. Irgendwann begann er zu kämpfen und fasste neuen Mut. Inzwischen hat er wieder eine Freundin. „Aber wie erklärt man dem Menschen, den man liebt, dass man HIV-positiv ist?“, fragte er. Sebastian schaffte es. Jetzt fällt es ihm am schwersten, zuzusehen, wie sich Freunde und Familie Sorgen um ihn machen. „Das einzig Positive an der Krankheit ist, dass ich sie mit euch teilen und euch raten kann, Kondome zu benutzen.“

Sebastians Bericht hatte die Schüler „ganz schön betroffen gemacht“, fand Schulleiterin Susanne Nakip. Doch viel Zeit zum Grübeln blieb ihren Schützlingen nicht, denn das dance4life-Team animierte die Schüler zum Rappen: „HIV and Aids – we can beat it!“, lautete die Botschaft. „Das Schöne ist, dass die Leute selbst aktiv werden und sich emotional und körperlich integrieren können“, erläutert Tänzerin Jenni (28).

Es folgte ein Quiz, bei dem die Schüler lernten, was die Abkürzungen Aids und HIV bedeuten, wie die Krankheit übertragen wird und wie sie sich vor ihr schützen können. Anschließend überlegten sich die Jugendlichen Aktionen, mit denen sie  dance4life bekannter machen können: Breakdance-Battle, Flyer verteilen und Videos ins Internet stellen, lauteten einige Vorschläge.

„Es ist immer schwierig, Schüler in dem Alter dazu zu bringen, körperlich aus sich herauszugehen. Aber ich denke, das ist ganz gut gelungen“, bilanzierte Susanne Nakip.

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