Daverden (mm) · „Würde die Bevölkerung in die Ställe gucken können, würde sie wahrscheinlich die Knüppel zücken“, sprach Wolfgang Apel in drastischer Formulierung ins Mikrofon.

Diskutierten lebhaft bis kontrovers am Podium: (von links) Wolfgang Apel, Petra Krüler, Stefan Pulß, Dr. Friedrich-Wilhelm Graefe zu Bahringsdorf und Heinrich Dierkes. Hans-Michael Goldmann wurde aus Bremerhaven zugeschaltet.
Der Präsident des Deutschen Tierschutzbundes war gestern ein streitbarer Gast bei der Live-Sendung von „Nordwestradio unterwegs“ aus dem Daverdener „Waldschlößchen“ zum Thema „Verdrängt die industrielle Tiermast die bäuerliche Landwirtschaft? Brauchen wir eine Wende in der Agrarpolitik?“
Fragen, die Zündstoff für die von Stefan Pulß souverän moderierte Diskussionsrunde mit ganz unterschiedlichen Interessenvertretern boten. Rund 100 Menschen verfolgten den verbalen Schlagabtausch im Saal.
Dr. Friedrich-Wilhelm Graefe zu Bahringsdorf, Ökobauer, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft, warf sich immer wieder in die Redeschlacht. „Könnte eine bäuerliche Landwirtschaft die Bevölkerung überhaupt versorgen?“, wollte Pulß von ihm wissen.
Sein Nachbar am Podium des Nordwestradios im „Waldschlößchen“ schüttelte den Kopf. Gäbe es nur noch bäuerliche Betriebe, „würde die Bevölkerung vor Hunger nicht in den Schlaf kommen“, prophezeite Heinrich Dierkes, Schweinemäster aus Goldenstedt und Bundesvorsitzender der Interessensgemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands. Um dem zu entgehen, würden dann viele eben auf Fleisch aus dem Ausland zurückgreifen.
Als Reizfigur für große Teile des Publikums erwies sich Hans-Michael Goldmann, Vorsitzender des Agrarausschusses im Deutschen Bundestag, der wegen Zeit- und Terminproblemen aus dem Studio Bremerhaven zugeschaltet war. Im Gegensatz zu heute hätten Kühe früher an der Kette im Stall gestanden, und dioxinverseuchtes Futter käme auch in Ökobetrieben vor, ließ der FDP-Abgeordnete für das Emsland und Tiermediziner verlauten, die jetzigen Haltungsbedingungen für die Nutztiere seien „in Ordnung“.
„Das glauben Sie doch wohl selbst nicht!“, polterte Tierschutzpräsident Apel zurück. So litten Masthähnchen unter massiven Deformationen des Skeletts. „Wir brauchen endlich artgerechte Tierhaltung“, forderte Apel unter großem Beifall.
Ja, sie esse noch Fleisch, „aber weniger als früher“, bekannte Petra Krüler, und sie achte beim Kauf darauf, wo und wie das Tier gehalten wurde. In diesem Punkt müssten die Verbraucher auf der Verpackung oder am Tresen deutlich besser informiert werden, sagte die Sprecherin der Bürgerinitiative gegen den Hähnchen-Maststall mit 100 000 Plätzen in Etelsen-Giersberg.
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