410.02.10|Achim|Achim|1
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ACHIM · Die anhaltende Eisglätte auf etlichen Fußwegen, Seitenstraßen und Parkplätzen in Achim und Umgebung wird für die Bürgerinnen und Bürger zunehmend zu einem massiven Problem. Von einer Verdoppelung beziehungsweise beinahe einer Verdreifachung der durch Eisglätte verursachten Stürze berichtet zum Beispiel Dr. Werner Müller-Bruns, Leitender Oberarzt der Notfallambulanz in der Aller-Weser-Klinik in Achim.

Nur mit äußerster Vorsicht lassen sich eisbedeckte Flächen sicher überqueren.
„Wir haben keine freien Betten mehr und müssen bereits Patienten auf den Fluren unterbringen“, berichtet Müller-Bruns. Es habe bereits Anfragen aus Bremen gegeben, ob in Achim Patienten aufgenommen werden könnten. Daran sei aber derzeit nicht zu denken. „Wir arbeiten wegen der derzeitigen Wetterlage bereits in Überstunden und könnten einen Stempel mit der Unfallursache ,Sturz durch Eisglätte‘ anfertigen lassen“, meint der Leitende Oberarzt weiter.
Was die Verletzungen angehe, so handele es sich in den meisten Fällen um echte „Klassiker“ wie Speichen- und Außenknöchelbrüche. Sie treten in jüngster Zeit ungewöhnlich häufig auf.
Dass besonders ältere Mitbürgerinnen und Mitbürger betroffen sind, habe er nicht beobachten können. „Das geht die Bank durch. Die Älteren sind wahrscheinlich entsprechend vorsichtiger, während die Jüngeren weniger umsichtig sind“, erklärt er sich diese Tatsache. „Selbst auf dem Krankenhausgelände hat es bereits Stürze gegeben“, berichtet Müller-Bruns.
Aufmerksam verfolgt auch Knut Pickert, Sprecher des Senioren- und Behindertenbeirates der Stadt Achim, die derzeitige Witterungslage. „Die glatten Bürgersteige oder nicht geräumten Straßenzüge fesseln viele Senioren ans Haus. Die Kraft, selber den Bürgersteig zu räumen, fehlt inzwischen und deshalb bleibt der eigene Bürgersteig schlecht geräumt. Mit Rollator oder Rollstuhl ist es sowieso unmöglich voran zu kommen“, berichtet Pickert. Auch Behindertenparkplätze seien teilweise nicht geräumt oder würden gar als Schneelagerplatz zweckentfremdet.
Regelmäßige Seniorentreffs oder Zusammenkünfte der Selbsthilfegruppen hätten bereits abgesagt werden müssen. Er appelliert daher an Hauseigentümer und Mieter, Geschäftsleute sowie Stadt und Landkreis, die Gehwege, Straßen und Parkplätze satzungsgemäß und in ausreichender Breite zu räumen.
Wichtig seien aber auch und gerade in der derzeitigen Situation die Nachbarn: „Fragt Eure mobilitätsbehinderten Mitbewohner, ob ihr etwas vom Kaufmann mitbringen könnt oder sonst in irgendeiner Form helfen könnt“, ruft Pickert auf. Allerdings sei sich der Beirat sicher, dass diese nachbarschaftlichen Hilfen bereits vielfach angeboten und angenommen werden. Noch habe ihn kein aufrüttelnder Hilferuf erreicht.
Jene Seniorinnen und Senioren, die wegen der derzeitigen Eisglätte auf Unterstützung angewiesen sind, können sich im Übrigen an den mobilen Hilfsdienst der Arbeiterwohlfahrt (AWO) wenden. Dieser ist unter der Rufnummer 04202 / 1407 erreichbar.
Relativ gut kommt derzeit noch Anneliese Ahlers aus Etelsen zurecht. „Man muss halt vorsichtig sein. Ich suche mir möglichst Parkplätze, auf denen kein Eis liegt“, meint sie. Ihrem stolzen Alter von 87 Jahren zum Trotz, lässt sie sich von Schnee und Eis wenig beeindrucken. „Zu Hause haben meine Tochter und Enkel das Eis bereits entfernt. Ich weiß, dass ich haftpflichtig bin und kümmere mich“, erklärt die Rentnerin.
Die Auswirkungen von Schnee- und Eisglätte bekommt auch Dirk Prahl, zuständig für den Vertrieb des Kreisblattes in Achim, zu spüren: „Unsere Zusteller spielen derzeit täglich mit ihrer Gesundheit. Wir haben bereits etliche verletzungsbedingte Ausfälle zu beklagen“, berichtet er. Die Gesundheit der Angestellten gehe vor, bittet er die Leserinnen und Leser um Verständnis, falls diese ihre Zeitung einmal verspätet im Postkasten finden. „Wir versuchen alles, um die pünktliche Zustellung zu gewährleisten“, versichert Prahl. In einigen Fällen habe er – mit Einverständnis der Leser – bereits auf den Versand per Post umstellen müssen, da die Lieferadresse für Zusteller mit dem Fahrrad wegen der Witterung nicht erreichbar sei.
„Laut Satzung haben Grundstückseigentümer innerhalb der Stadt Achim Winterdienst in der Form durchzuführen, dass zwischen 7 und 20 Uhr ein ein Meter breiter Streifen frei ist“, erklärt Wilfried Landwehr von der Grundstücks- und Gebäudeverwaltung Achim und Leiter des Bauhofes. Sollte dies nicht geschehen, handele es sich um einen Ordnungswidrigkeitstatbestand, der mit einem Bußgeld belegt werden könne, stellt er fest.

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