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Neuer Hundeführerschein: Gespräch mit Profi Elke Bremer über noch offene Fragen / „Das Tier verstehen lernen“

,,Nicht mit dem Stachelwürger“

004.08.10|Walsrode|Walsrode|
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Artikel: ,,Nicht mit dem Stachelwürger“

Walsrode - Von Fred RaczkowskiWALSRODE/LANDKREIS · Nun scheint es sicher: Der „kleine“ Hundeführerschein kommt auch in Niedersachsen. Voraussichtlich Ende August wird sich das Kabinett mit einer Modifizierung des Hundegesetzes befassen. Die Initiative von Agrarministerin Astrid Grotelüschen (CDU) sieht unter anderem eine Chip- und Versicherungspflicht, aber auch einen Sachkunde-Nachweis für Neu-Hundehalter und auffällig gewordene Halter vor.

Auf dem Walsroder Bahnhof werden die Hunde-Schüler an die Einfahrt von Zügen gewöhnt.

Auf dem Walsroder Bahnhof werden die Hunde-Schüler an die Einfahrt von Zügen gewöhnt.

In die Unterweisung der Hundehalter sollen private Hundeschulen mit einbezogen werden. „Die vorgesehenen Änderungen sind im Prinzip begrüßenswert, aber es gibt auch noch einige offene Fragen“, sagte die Walsroder Hundeschul-Chefin Elke Bremer der VAZ.

Die Inhaberin der Hundeschule „Danny“ sieht Probleme zum Beispiel darin, dass für diese Arbeit noch keine allgemein gültigen Qualitätsmerkmale gelten: „Für Hundetrainer gibt es auch immer noch kein Berufsbild“. Dies führe dazu, dass sich in der Szene viele selbst ernannte Hunde-Experten tummelten, die ihre „Ausbildung“ mit Hilfsmitteln durchführten, die dem Hund Schmerz verursachten und zum Beispiel mit dem Stachelwürger oder ähnlichen Zwangsmaßnahmen arbeiteten. Bremer: „Ich persönlich möchte keinem Hund begegnen, der mit dem Stachelwürger zum Gehorsam gezwungen wurde. Angst ist niemals ein guter Lehrmeister.“ Übrigens waren Stachelhalsbänder ursprünglich für Herdenschutzhunde gedacht. Die Stacheln lagen außen, um vor Angriffen von Wölfen zu schützen.

Seit zehn Jahren arbeitet Elke Bremer in der Walsroder Region mit Menschen und Hunden. Vor allem mit Menschen. Denn „Otto Normalhund“ werde fast nie auffällig, meint sie. Fast immer stehe eine Geschichte dahinter, die mit falscher Behandlung durch Menschen zu tun habe. „In zehn Jahren habe ich nur einen Hund erlebt, bei dem es genetische Ursachen für die Probleme gab.“ So sollte nach Meinung der 49-jährigen Expertin in einer seriösen Hundeschule stets auf die individuelle Mensch-Hund-Beziehung eingegangen werden. „Der Halter lernt seinen Hund zu verstehen, und über dieses Verstehen kann er dann seinen Hund ausbilden“, erläutert die Hundeschul-Inhaberin, die ihre Kenntnisse unter anderem durch einen Besuch der Akademie für Tiernaturheilkunde in der Schweiz erworben hat.

Die Ausbildung sollte nach Meinung von Elke Bremer auf positiver Motivation basieren, ohne antiautoritär zu sein: „Uns wird ja manchmal vorgeworfen, wir würden mit Wattebällchen werfen, aber das ist falsch. Wenn es notwendig ist, wird der Hund bei mir diszipliniert, aber so, dass er es auch versteht. Sind Strafen notwendig, werden diese für den Hund verständlich angewendet und dem Hundehalter Grund und Ausführung erklärt.“

Strafdressur über Elektroschockgeräte (deren Anwendung verboten ist) oder Würgehalsbänder sollten, so Bremer, der Vergangenheit angehören: „Sie haben in der heutigen Hundeausbildung nichts mehr zu suchen.“ Drill-Methoden alter Art führten häufig zu unberechenbaren Hunden, deren Unsicherheit sich schnell auf Schwächere, Kinder und Alte, entladen könne. Auch das minutenlange Abverlangen von Gehorsam habe in der modernen Hundeausbildung nichts verloren.

„Wir arbeiten schon seit 30 Jahren so“, sei zuweilen von Hundetrainer-Kollegen zu hören. Bremer: „Da sollte man sich fragen, ob man sein Kind auch in eine Schule schicken würde, die noch so arbeitet wie vor 30 Jahren.“ In vielen Hundeverbänden, die in die Vermittlung von Kenntnissen für den Hundeführerschein mit einbezogen werden sollen, geht es in der Ausbildung nach Meinung von Elke Bremer allzu oft primär um den sportlichen Erfolg. „Die wenigsten dort haben den Alltagshund im Auge“. Aber der müsse das Ziel sein: der umwelt- und sozial sichere Hund.

Unter dem Strich sei die Modifizierung des Hundegesetzes in Niedersachsen aber sehr zu begrüßen, meint die Hundetrainerin, die den Sitz ihrer Schule von Walsrode nach Eilte verlegt hat. Ihre Kenntnisse erwarb sie unter anderem in Seminaren bei Günther Bloch, zurzeit wohl unbestritten die Nummer eins in der Szene seriöser Hunde-Experten in Deutschland. Trainer und Buchautor Bloch („Auge in Auge mit dem Wolf“) konnte von ihr für ein Seminar im Oktober in Walsrode gewonnen werden. Bloch in einem Vortrag zum Thema Hundegesetze: „Gegen einen Sachkundenachweis ist grundsätzlich nichts einzuwenden, jedoch sollte jeder Politiker, der Sachkunde von Hundehaltern verlangt, zumindest selber welche haben.“

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