228.10.09|Rethem|Rethem|
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Rethem - RETHEM · Dass die technische Aufrüstung in den Kinderzimmern in vollem Gange sei und die Eltern deswegen unbedingt über die damit verbundenen Gefahren informiert sein müssten, ist die Grundüberzeugung von Joachim Kruse, Leiter des Kreismedienzentrums Verden.

62 Prozent der Jugendlichen nutzen Online-Communities wie das „SchülerVZ“.
Als Referent der Landesmedienanstalt in Hannover klärte er auf Einladung der Elternvertretungen kürzlich in der Haupt- und Realschule Rethem über die Gefahren des Web 2.0 auf. 18 Elternvertreter folgten der aufrüttelnden Veranstaltung.
Obwohl keineswegs geneigt, das Internet zu verteufeln, wies der Realschullehrer aus der Domstadt anhand statistischer Aussagen darauf hin, dass der Fernseher als „Droge“ in der Gunst der Jugendlichen völlig ins Hintertreffen geraten sei. Vor allem Handys, Computer und Laptops, die das Bedürfnis Jugendlicher, in ständigem Kontakt zu sein, zufrieden stellten, seien angesagt.
Da 95 Prozent aller Jugendlichen ein Handy besitzen, einen Computer beziehungsweise ein Laptop etwa 72 Prozent, davon die Hälfte mit Internetzugang, ist die Totalvernetzung für die meisten kein Problem mehr. Da die kommende Generation der Handys fast alle internetfähig sein werden, werde damit zu rechnen sein, dass die Quote auf fast 100 Prozent ansteigen wird. „Eigentlich kein Problem“, meint Kruse, „wenn die Jugendlichen nicht nur traumwandlerisch im Internet jonglieren, sondern über die Gefahren einer so totalen Vernetzung auch reflektieren würden. Das tun die meisten aber nicht. Das können eigentlich nur die Eltern.“
Und Gefahren drohen von allen Seiten. Mit nur wenigen Clicks geraten Jugendliche auf unsaubere, zum Teil verbotene Seiten. Schutzmechanismen, denen sich die Anbieter freiwillig unterwerfen würden, seien meistens lachhafte Kosmetik. Besonders das Web 2.0., schon jetzt statistisch gesehen von 62 Prozent aller Jugendlichen genutzt – Spitzenreiter sind hier die Online-Communities „SchülerVZ“ und Studi-VZ“ – berge Gefahren, obwohl es für die Nutzer harmlos erscheint, ja sogar viele Vorteile bietet. Allzu nah ist der Schritt dann zur Strafbarkeit, etwa wenn gegen das Recht zum eigenen Bild verstoßen werde. Auch der Hang junger Menschen, in Foren viel von sich bildlich preis zu geben und damit persönliche Spuren im Netz zu legen, die sich nie wieder vollständig tilgen lassen, bedeutet eine Gefahr. Mit Sorge verwies Kruse auf illegale Tauschbörsen, die genutzt würden, um schnell und billig an neue Hits oder Filme zu kommen. Da das Tauschbörsensystem den Computer mit in die Verbreitung unerlaubter Inhalte einbezieht, drohen finanzielle und strafrechtliche Konsequenzen.
„Man kann nicht verhindern, dass die Kinder und Jugendlichen das Web nutzen und dabei auch moralisch Verwerfliches zu Gesicht bekommen“, so Kruse. Aber Eltern können selbst aktiv werden und ihre Kinder vor dem Ärgsten bewahren: durch technische Maßnahmen, wie das Installieren von Filtersystemen, obwohl diese auch keinen perfekten Schutz gewährleisten, oder durch das Sperren von Seiten. Auch kann die Grundeinstellungen des PC so verändert werden, dass keine Speichermöglichkeiten bestehen. Eltern sollten sich technischen Rat holen und, so unbequem dies auch oft sei, das Surfen ihrer Kinder im Netz kontrollieren. „Stößt man da auf etwas Verdächtiges, hilft nur das Gespräch.“ Und das sei immer noch der wirkungsvollste Schutz.

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