304.09.10|Visselhövede|Visselhövede|1
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Visselhoevede - VISSELHÖVEDE (men) · Knapp 800 Gäste im Saal und dazu äußerst prominente Redner am Mikrofon: Anja Köhler (27), Sprecherin des Visselhöveder Ortsverbandes der FDP, war schwer beeindruckt von dem, was sie da im Congress Centrum in Hannover bei einer Veranstaltung der Friedrich-Naumann-Stiftung zum Thema „Einheit in Freiheit – 20 Jahre gesamtdeutsche liberale Politik“ erleben durfte. „Das war gigantisch – Gänsehaut pur“, sagte die junge Politikerin in einem Gespräch mit unserer Zeitung.

Nicht nur die Rede von FDP-Chef Guido Westerwelle, sondern auch das Zusammentreffen mit ihm hat Anja Köhler aus Visselhövede tief beeindruckt.
Zur Begrüßung sprach Dr. Wolfgang Gerhardt MdB, Vorsitzender des Vorstandes der Friedrich-Naumann-Stiftung, anschließend kamen Dr. Philipp Rösler, Bundesminister für Gesundheit, Dr. Sabine Bergmann-Pohl, Präsidentin der einzigen frei gewählten Volkskammer der DDR, sowie natürlich auch Dr. Guido Westerwelle, Bundesaußenminister und Vorsitzender der FDP, zu Wort.
Die erste gesamtdeutsche Partei war von den Liberalen aus Ost und West am 11. und 12. August 1990 gegründet worden – sechs Wochen also vor der staatlichen Einigung. Und genau daran sollte diese Stiftungsveranstaltung erinnern. Für Anja Köhler etwas Besonderes, schließlich stammt sie gebürtig aus Rostock und ist dort an der Ostseeküste, am Rande der Großstadt aufgewachsen. „Ich war zwar noch jung, aber ich erinnere mich sehr genau an die DDR-Zeit, an die Westpakete und auch daran, wie wir einen Tag nach Öffnung der Grenzen mit dem Auto über Lübeck nach Hamburg fahren wollten. Wir standen 20 Stunden im Stau, die Menschen klopften auf unser Auto, reichten uns Schokolade herein – es war sehr bewegend.“ Wenn heute noch Menschen sagen, sie wünschten sich die Mauer zurück, kann sie sauer werden. Denn sie selbst sei nicht nur von der damaligen Wende fasziniert. „Wer sich die Mauer zurückwünscht, hat nichts gelernt“, sagt die Mutter zweier Kinder, „sie haben nicht begriffen, was Freiheit und Einheit bedeuten.“ Anja Köhler selbst ging 2001 in den Westen, begann in Ratzeburg eine Krankenpflege-Ausbildung, die sie allerdings noch im gleichen Jahr in Rotenburg fortsetzte. Inzwischen lebt sie in Visselhövede und engagiert sich politisch in der FDP.
20 Jahre Einheit seien ein Grund zu feiern, meint die junge Frau. Zwar habe es möglicherweise im Zuge der Einheit Dinge gegeben, die auf der Strecke geblieben seien, aber unterm Strich und angesichts der wenigen Zeit sei die Einheit gut gelaufen. Und einiges von dem, was viele Menschen gerne auch im vereinten Deutschland gesehen hätten, werde ja jetzt aufgegriffen – zum Beispiel die Kinderbetreuung für Jungen und Mädchen unter drei Jahren.
Die Grenzen in den Köpfen der Menschen spüre sie im Alltag nicht mehr. Und selbst, wenn von den „neuen Bundesländern“ die Rede sei, stört sich Anja Köhler nicht mehr daran, doch wenn sie als „Ossi“ bezeichnet wird, „ärgert mich das schon“. Das allerdings komme nicht mehr sehr oft vor.
Anja Köhler zitiert aus den Reden Bergmann-Pohls und Westerwelles – und bekommt Tränen in den Augen, ist gerührt von den Ereignissen, die dadurch wieder in Erinnerung gerufen werden. Die Wende ergreift sie. „Das ist doch klar, wenn die eigenen Eltern damals mit auf die Straße gegangen sind und sich an den friedlichen Demos beteiligt haben – da bleibt das nicht aus.“
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