Hemslingen · Von Jens Wieters · Das Fohlen der alten Stute, die auf einer Hemslinger Pferdekoppel eingeschläfert werden musste (unsere Zeitung berichtete), ist in Sicherheit und wird entsprechend versorgt. Das ist zunächst Fakt. Allerdings scheint alles rund um die Pferdehaltung am Erlenweg etwas komplizierter zu sein.

Eines der acht Pferde aus der Hemslinger Trakehnerherde. ·
Eigentümer der acht Trakehnerpferde ist Bernd Warmbier, der sich allerdings die meiste Zeit in Frankreich aufhält. Die Tiere in Hemslingen versorgt ein Angestellter.
In den vergangenen Wochen hatten Pferdefreunde beobachtet, dass eine 26 Jahre alte Schimmelstute, die ein vier Monate altes Saugfohlen bei Fuß führt, immer mehr abmagerte. Die Tierschützer schalteten nach ihren Aussagen erneut das Kreisveterinäramt ein, das sich der Sache „nun endlich“ annahm. Letztlich setzte der Tierarzt Dr. Wilken Depke am vergangenen Wochenende die Todesspritze, weil die Stute nach seiner Aussage aus Altersgründen nicht mehr zu retten gewesen sei.
Übrig blieb das Stutfohlen, das nicht nur aufgrund der Witterung entsprechende Nahrung bekommen muss.
Am Wochenende nahm die Hemslingerin Kristin Penner Kontakt mit dem Eigentümer auf und bot ihm an, das Fohlen abzukaufen und in ihrem Stall artgerecht unterzubringen. „Es ging mir darum, dass dem Fohlen geholfen wird. Darum habe ich auch Geld geboten“, sagte Penner gegenüber unserer Zeitung. Neben Warmbier habe auch das Kreisveterinäramt das Okay gegeben.
„Das ist Diebstahl“, so Bernd Warmbier gestern Mittag am RK/VN-Telefon. „Ich habe mich mit Frau Penner geeinigt, und ihr gehört das Fohlen jetzt.“ Die meisten Menschen verstünden seine Art von Weidehaltung nicht, so der Pferdefreund, der sich nach eigenen Aussagen seit mehr als 20 Jahren mit Trakehnern beschäftigt.
„Meine Tiere haben fünf Hektar Platz, einen Wald zum Schutz. Sie bekommen soviel Heu wie sie mögen und zusätzlich Kraftfutter. Außerdem werden sie zweimal täglich getränkt“, so Warmbier.
Seine Pferde hätten im Laufe der Jahre nie einen Schnupfen gehabt und seien auch jetzt kerngesund. Nur liege es in der Natur der Dinge, dass manche Tiere im Alter nicht mehr so schön anzuschauen seien. „Aber wenn eine Stute mit 25 Jahren noch tragend wird, muss biologisch alles in Ordnung sein.“
Der Vorwurf, dass seine Tiere nie einen Schmied zu Gesicht bekommen würden, versucht Warmbier mit dem Argument zu entkräften, dass „die Pferde sich die Hufe wie in der freien Wildbahn bei der großen Fläche ablaufen.“
Kreisveterinär Dr. Joachim Wiedner bezeichnet die Situation der Pferde als „Robusthaltung“. Wichtig sei, dass die Tiere immer genügend Futter und Wasser hätten. „Und das scheint der Fall zu sein.“ Er sei im Augenblick nur heilfroh, dass das Fohlen wie von seiner Behörde angeordnet „von der Weide ist“. Die Eigentumsverhältnisse müssten andere klären.
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