Sottrum - HASSENDORF/HANNOVER (r/sbo) · Wenn Elke Twesten in diesen Tagen die Zeitung aufschlägt, schüttelt sie mit dem Kopf. Die frauenpolitische Sprecherin der Grünen-Landtagsfraktion aus Scheeßel kann die Aufregung um das „Love-Mobil“ in Hassendorf nicht so recht nachvollziehen. „Der Anblick ist weder neu noch ungewöhnlich“, stellt Twesten fest.

Elke Twesten
Derartige Mobile gehörten mittlerweile an fast jedem Parkplatz in Autobahnnähe zum Straßenbild. Sie stünden, gewöhnlich unauffällig, in Dibbersen, Trelde, Rhade, an den Bundesstraßen 3 und 75 rund um Soltau und Schneverdingen – und nun eben auch in Hassendorf. Doch: Probleme gebe es in den seltensten Fällen: „Prostituierte und ihre Kunden sind polizeilich unauffällig, scheinen jedoch ein vermeintliches, wenn auch eher undefinierbares Problem oder sogar eine ,mittelschwere Katastrophe‘ zu sein“, schreibt Twesten in einer Presseerklärung und fragt: „Der Sturm der Entrüstung – wogegen richtet er sich genau?“
Prostitution falle wie jede andere auf Dauer angelegte Tätigkeit zur Schaffung und Erhaltung einer Lebensgrundlage unter die Garantie des Artikels 12 Absatz 1 des Grundgesetzes und sei damit ein Teil unserer Arbeitswelt. Demgegenüber sei unstrittig, dass Kriminalität im Umfeld von Prostitution und vor allem menschenrechtswidrige Ausformungen wie Zwangsprostitution, Menschenhandel und sexueller Missbrauch Minderjähriger mit allen Mitteln des Rechtsstaates bekämpft werden müssen.
Aber: „Für die Sicherheit der Frauen, die in ,Love-Mobilen‘ oder Bordellen arbeiten, scheint sich hingegen niemand zu interessieren“, so Twesten. Oftmals stünden die Wohnmobile an entlegenen Stellen von Bundesstraßen oder auf einsamen Parkplätzen, weil von offizieller Seite versucht werde, Prostitution der Wahrnehmung zu entziehen und gesellschaftlich zu verdrängen – wie in der ersten Jahreshälfte im Nachbarkreis Soltau-Fallingbostel zu beobachten gewesen sei: Der Kreistag hat eine Vergnügungssteuer für die „Love-Mobile“ beschlossen, weil dort „das Bedürfnis nach Zerstreuung und Entspannung befriedigt werden kann“.
Das eigentliche Problem scheine aus dem Blickwinkel zu geraten. Nach Twestens Erachten sei es Aufgabe aller gesellschaftlichen Kräfte, sich vor allem mit der Frage auseinanderzusetzen, welche nachteiligen Auswirkungen die allgegenwärtige Kommerzialisierung von Sexualität im Hinblick auf gleichberechtigte Partnerschaften hat, und Jungen und Männer für ihre diesbezügliche Verantwortung zu sensibilisieren. „Einem aktuellen Verfassungsgerichtsurteil aus Berlin zufolge kann übrigens weder beim Betrieb eines Bordells noch im Falle von Prostitution (...) von vornherein von einem Unruhefaktor ausgegangen werden“, stellt Twesten klar.
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