Sottrum - HELLWEGE (sbo) · Dass die marode Schleuse V in Hellwege abgerissen werden muss und durch eine Sohlgleite ersetzt werden soll, ist unstrittig. Einzig das Wie sorgte im Gemeinderat für Diskussionsstoff. Am Montagabend stellte Werner Kochta, Leiter der Betriebsstelle Verden des Niedersächsischen Landesbetriebes für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz, der im Auftrag des Unterhaltungsverbandes (UHV) Mittlere Wümme ein Konzept erstellt, drei Lösungsansätze vor.

Die marode Schleuse V soll abgerissen und durch eine Sohlgleite ersetzt werden.
„Seit 2000 gibt es die EU-Wasserrahmenrichtlinie“, erklärte Kochta. Ziel der Richtlinie sei es, die Gewässerqualität zu verbessern und die Durchgängigkeit für die Lebewesen zu erhöhen. Die jetzigen Stauanlagen in der Wümme seien für viele Tiere aber ein Hindernis, und bei der Schleuse V herrsche ohnehin „absoluter Handlungsbedarf“. Die 15 Meter breite Stauanlage mit drei Wehrfeldern aus dem Jahr 1930 „ist aus meiner Sicht abbruchreif“.
Abhilfe soll eine 118 Meter lange sowie acht bis 14 Meter breite Sohlgleite auf dem Grund der Wümme nach dem Vorbild der Schleuse II in Ahausen schaffen. Für die Stabilität dieser künstlichen Fischtreppe sorgen als Gerüst Findlinge mit einem Durchmesser von 20 bis 70 Zentimetern. Die Zwischenräume sollen mit kleinen Steinen aufgefüllt werden. Integriert sind eine Niedrigwasserrinne für geringe Pegelstände sowie Übergänge ober- und unterhalb der Gleite. Ebenso soll der Uferbereich neu gestaltet werden. Um den Fluss künftig queren zu können, sind ferner seitens der Gemeinde eine neue Brücke sowie ein Fuß- und Radweg angedacht.
Eine Alternative wäre laut Kochta, die Gleite in die Trasse des Umfluters zu legen und die Wümme an der Stelle zu verschieben. Doch dafür müssten Flächen von den Anliegern angekauft und viele Gehölze entfernt werden.
Während bei den ersten zwei Varianten die Wümme-Altarme unberührt blieben, wäre von der dritten Alternative ein Altarm betroffen, der über ein Rohrsystem wieder angeschlossen werden könnte. Bei dem Vorschlag greift das gleiche Prinzip wie bei der zweiten Variante, nur dass die Gleite 150 Meter oberhalb der Schleuse auf der Nordseite entstehen würde. Die Fläche gehört dem Landkreis. Vorteil: Es wäre keine Gewässerbettauffüllung nötig und die jetzige Wümme sowie die Ufergehölze blieben als Altarm erhalten.
„Das ist für Hellwege ein großes Projekt“, betonte Bürgermeister Wolfgang Harling. Grundsätzlich stehe die Gemeindeverwaltung dem Projekt positiv gegenüber. Allerdings sei dem Tenor des Rates zufolge darauf zu achten, dass die Belange der Gemeinde, Anlieger und Landwirtschaft berücksichtigt werden.
Sorge bereiteten einigen Ratsmitgliedern und Zuhörern der Einfluss der Sohlgleite auf die Pegelstände, insbesondere bei Niedrigwasser, und die Natur. Diese Belange stünden laut Kochta allerdings hintenan. Oberste Priorität habe nach der EU-Richtlinie, die Durchgängigkeit des Gewässers zu gewährleisten.
Obwohl die Gemeinde für den Bau nicht zuständig ist, signalisierte Kochta, in engem Kontakt mit der Kommune zu bleiben. Ende Januar sei ein Treffen mit Gerd Lohmann, Verbandsvorsteher des UHV Mittlere Wümme geplant, bei dem die Varianten genau durchgeplant werden sollen. Bis Ostern soll die endgültige Entscheidung fallen. Baubeginn könnte dann Ende Juli 2010 sein. Kostenträger ist das Land.
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