Sottrum - Von Stefanie Bommert„Träume sind keine Schäume, sondern wie Kerosin. Sie bringen dich vorwärts, befeuern dein Herz, machen süchtig, wie Heroin“, schreibt Benjamin Faber im Booklet. Und der Sottrumer weiß genau, von welchem Gefühl er spricht. Nicht nur, dass er seine größte Leidenschaft, die Musik, zu seinem Beruf gemacht hat. Mit „Widerlieder“ hat sich der 33-Jährige noch einen weiteren Traum erfüllt: Nach dem Album „Clear and Cloudy“ mit seinem Ensemble „Widerklang“, ist nun seine erste Solo-CD auf dem Markt. Und die elf Titel gehen mit eingängigen, auf die Gitarre reduzierten Klängen sowie den oft provokanten und mitunter bissigen Texten direkt ins Ohr.

© Foto: Bommert
Benjamin Faber hat seine erste Solo-CD herausgebracht – und der Titel „Widerklang“ ist textlich Programm. ·
Die namentliche Nähe des Albumtitels zu seinem Ensemble „Widerklang“ ist dabei durchaus gewollt – und verrät gleichzeitig, auf was sich der Hörer beim Abspielen der Songs freuen kann: im wahrsten Sinne des Wortes Widerlieder, die sich mit aktuellen gesellschaftlichen Problemen und Entwicklungen auseinandersetzen. Sei es der Materialismus in „Shoppen“, der fast schon perverse Drang des Menschen nach perfekten Lebensmitteln in „Tomaten“, der Nachwuchs nach Maß in „Wunschkind“ oder die Geiz-ist-geil-Mentalität um jeden Preis in „Fleisch“. „Da sind schon allerhand Protestlieder dabei“, räumt Benjamin Faber mit einem Schmunzeln ein und fügt hinzu: „Da hat sich offensichtlich eine ganze Menge angestaut. Das ist schon eine große Überraschung, was da rausgekommen ist, weil das so anders ist.“
Die Lieder seien lustigerweise parallel zur CD mit „Widerklang“ entstanden. „Das war nicht geplant oder konzipiert als klare Abgrenzung dazu“, betont der 33-Jährige. Zwar ist der Profimusiker leidenschaftlicher Komponist – was ihm immer schon sehr leicht gefallen sei. Doch getextet habe er schon seit seiner Jugend nicht mehr. Und auch zu jener Zeit seien die Lyrics lediglich ein Vehikel für seine Musik gewesen. „Das ich deutsche Texte mache, war klar. Das ist schließlich meine Sprache“, erklärt Faber, der bei seiner Musik besonderen Wert auf Authentizität legt. „Das ist mir ganz wichtig.“ Der Rest entwickelte sich beim Schreiben.
Dann sei alles erstaunlich schnell gegangen. Die Stücke seien eines nach dem anderen entstanden. Das erste Lied habe er Ende Juli vergangenen Jahres geschrieben, bereits ein paar Wochen später waren die Songs für das Album komplett. „Jedes Lied fängt mit einer Zeile an. Wenn die da ist, fängt die Arbeit an. Dann versuche ich, was damit funktioniert und Strophen darauf zu machen“, beschreibt Faber seine Herangehensweise.
Besonders großen Spaß habe ihm auch das Foto shooting fürs Booklet mit Mira Höcke gemacht. Neben einem Bild seiner Eltern, denen das Album gewidmet ist, und einem Porträt mit nachdenklichem, fast sehnsüchtig anmutenden Blick und Gitarre auf dem Cover finden sich darin unter anderem drei humorige Aufnahmen des Musikers – passend zu den Liedern: das gerahmte Konterfei eines Königs mit Tomatenkrone und -zepter, Faber sich selbst als Erwachsener mit Schnuller im Mund auf einem Bildschirm betrachtend sowie der Künstler am Tisch mit Besteck in der Hand und blutverschmierter Serviette um den Hals vor einem Teller mit Stofftier darauf.
Und welcher Titel ist sein Favorit? „Mein liebster Song ist ,Erinnerung‘“, sprudelt es spontan aus Benjamin Faber. Die CD ist in einer Auflage von 1 000 Stück erschienen und kostet 18 Euro. Erhältlich ist das Album in den Buchhandlungen van der Pütten in Sottrum, Amtshof in Ottersberg und Müller in Rotenburg.
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