Vahlde / Riepe · Von Lars Warnecke · Wer treibt nachts im Rieper Jagdrevier sein Unwesen? Diese Frage stellt sich derzeit die Polizei, nachdem ein Jäger vor einigen Tagen Zeuge einer versuchten Wilderei wurde und den Vorfall zur Anzeige brachte.

© Mediengruppe Kreiszeitung / Ujen
Treiben im Rieper Jagdrevier Wilderer ihr Unwesen? Die Polizei ermittelt zur Zeit in alle Richtungen.
Diesen – gänzlich unwaidmännischen – Vorfall wird Henry Hormann wohl nicht so schnell vergessen: In der Nacht von Montag auf Dienstag vergangener Woche sitzt der Jäger aus dem schleswig-holsteinischen Wedel mutterseelenallein auf einem Hochsitz, kurz vor der Ortseinfahrt zu Riepe. Plötzlich, gegen 1 Uhr, durchbricht ein Schuss die nächtliche Stille – abgefeuert aus einem kleinkalibrigem Gewehr oder einer Pistole, da ist sich der 55-Jährige ganz sicher. Aufgeschreckt durch den Knall, ergreift eine Gruppe Rehe, welche eben noch auf einem Feld graste, ins schützende Unterholz die Flucht.
Von seinem Posten aus beobachtet Hormann, wie kurz darauf ein Kleinwagen auf der K222 vorbeifährt – in auffällig gemächlichem Tempo. „Erst dachte ich, man habe aus dem Auto geschossen“, so Hormann. Doch als dieses schon gar nicht mehr zu sehen war, fallen weitere Schüsse, gefolgt von Stimmen, die an sein Ohr dringen. „Hast du getroffen?“, fragt jemand im Schutze der Dunkelheit. „Weiß nicht“, antwortet ein anderer. Dann herrscht wieder Stille. „Wahrscheinlich“, vermutet Hormann, „waren die Personen mit dem Fahrrad unterwegs, denn kurz darauf wurde – ohne dass ich irgendwelche Motorengeräusche vernommen habe – nochmals geschossen, dieses Mal aber ein ganzes Stück weiter vom Standort des ersten Schusses entfernt.“
Wer sind die Personen, die nächtens mit Schusswaffen herumfuchteln und offenbar Jagd auf Wild machen? Für Henry Hormann ist der Fall klar: „Den Stimmen nach müssen es männliche Jugendliche gewesen sein, womöglich sogar aus Riepe“, sagt er.
Ob es tatsächlich Teenager sind, die nächtens einer höchst fragwürdigen Freizeitbeschäftigung nachgehen, oder aber professionelle Wilddiebe, das lässt Polizeisprecher Detlev Kaldinski offen. „Wir haben die Ermittlungen in dieser Angelegenheit aufgenommen.“ Sicher ist: Weder wurden im Revier bisher Munitionshülsen gefunden, noch Überreste von erlegten Tieren.
Dem Jäger aus Wedel indes ist sehr daran gelegen, die Täter so schnell wie möglich dingfest zu machen. „Es handelt sich ja nicht nur um Wilderei, sondern um eine echte Gefährdung der Anwohner oder für Leute, die im Jagdrevier unterwegs sind“, sagt er.
Jagdwilderei ist übrigens – sollte sich der Verdacht bestätigen – kein Kavaliersdelikt: In einfachen Fällen drohen bis zu drei Jahre Freiheitsstrafe, in besonders schweren Fällen – zum Beispiel wenn die Tat nachts begangen wird – bis zu fünf Jahren.
Die Polizei bittet um Hinweise aus der Bevölkerung unter der Rufnummer 04265/1700 bei der Dienststelle in Fintel oder in Rotenburg unter 04261/9470.



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