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„Was ist, wenn man keine Lust mehr hat?“

Victoria Wildhagen gewinnt die Wahl zur Kinderbürgermeisterin in Scheeßel

„Was ist, wenn man keine Lust mehr hat?“

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Scheessel - Politikverdrossenheit bei der nächsten Generation? Davon war am Montag im Scheeßeler Rathaus keine Spur zu merken. Ein Dutzend Kinder hatte sich im Rahmen des Ferienprogramms im kleinen Sitzungssaal eingefunden, um sich über Kommunalpolitik zu informieren und als „Kinderrat“ den von Bürgermeisterin Käthe Dittmer-Scheele neu ausgeschriebenen Posten des Kinderbürgermeisters zu besetzen.

Max Hoffmann (l.) und Sören Hesse wählen „wie die Großen“ in der Kabine und an der Urne.

Max Hoffmann (l.) und Sören Hesse wählen „wie die Großen“ in der Kabine und an der Urne.

Ratssitzungen und Eröffnungen von Kindergärten – Käthe Dittmer-Scheele berichtete den Kindern ganz genau von den unterschiedlichsten Aufgaben eines Bürgermeisters. Dass sie selbst ausgerechnet vor diesem Termin „ein bisschen Herzklopfen“ gehabt hatte, wie sie der RK/VN im Vorfeld verriet, merkte man nicht. Die Schüler zwischen sechs und 13 Jahren erfuhren von ihr unter anderem, was ein Rat ist, wie man dort das Wort erteilt und wie ein Haushaltsplan beschlossen wird. „Damit nicht nur einer bestimmt“, brachte die zehnjährige Christine Ostermann es auf den Punkt. Dabei plauderte die oberste Verwaltungsangestellte auch mal aus dem Nähkästchen: „Wenn es im Rat so laut ist wie jetzt, hole ich die große Glocke!“

Erstaunlich viel und genau wollten es die Kinder wissen, etwa: „Was macht ein Landrat?“, „Was sind Kommunalwahlen?“ oder „Wie gründet man eine Partei?“ und erörterten anhand von konkreten Beispielen aus ihrem Alltag durchaus komplexe Themen wie knappe Kassen, Vandalismus oder Energieeinsparungen.

Auch brisante Fragen wurden ohne Berührungsängste gestellt. So wollte Melissa Meyer wissen: „Was ist, wenn man nach einigen Jahren keine Lust mehr hat, Bürgermeister zu sein?“, Christine Ostermann interessierte, wie die Dörfer im Rat vertreten seien.

So gerüstet ging es an die praktische Erprobung der Ratsarbeit. Bei der Kandidatenvorstellung zur Kinderbürgermeisterwahl hatten einige Aspiranten bereits konkrete Vorstellungen, wie Ausdehnung der Spielstraßen, mehr Geschwindigkeitskontrollen oder mehr Geld für Spielgeräte. Bei der Wahl –  stilecht mit Kabine, Urne sowie Neuwahl aufgrund eines Verfahrensfehlers – unter den strengen Augen von Leiterin Melissa Meyer und Stimmzählerin Anna Schwarz – setzte sich die zehnjährige Victoria Wildhagen mit ihrem Programm für den Tierschutz mit drei Stimmen vor der in einer Stichwahl ermittelten Annabel Dittmer durch.

Wildhagen erwies sich bei den anschließenden Abschlussworten ganz als Politprofi: „Ich danke meinen Wählern und werde versuchen, alle meine Versprechen einzulösen!“ Da brauchte sich Käthe Dittmer-Scheele, die den Kindern eingangs klargemacht hatte: „Ihr seid die Zukunft!“, um die Kommunalpolitik der nächsten Jahre keine Sorgen mehr zu machen. · uhe

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