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Interview: Musiker Bobby Meyer über das Phänomen Kohlball / „Man ist ohne Verschnaufpause gefordert“

Interview: Musiker Bobby Meyer über das Phänomen Kohlball

„Man ist ohne Verschnaufpause gefordert“

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Wittkopsbostel - Von Ulla Heyne - In früheren Zeiten wäre sie gerade volljährig geworden: Die Sunset Dance Band besteht seit 21 Jahren. Trotz Hochsaison der Kohlbälle, wie am 17. Februar im Scheeßeler Hof, fand Schlagzeuger und Conférencier Bobby Meyer aus Wittkopsbostel Zeit, unserer Zeitung Auskunft zu geben über die eigene Dynamik von Kohlbällen, Konservenmusik und Trompeter mit Tambourin.

Foto: Heyne

Kennt die Geheimnisse hinter einem gelungenen Kohlball: Bobby Meyer, Schlagzeuger der Sunset Dance Band. ·

Herr Meyer, momentan sind Sie und Ihre Kollegen jedes Wochenende in der „Kohl-Mission“ unterwegs – ein Fluch oder ein Segen?

Bobby Meyer:Auf jeden Fall ein Segen! Schließlich trifft man dann alle Leute wieder, für die man mal auf einer Hochzeit oder einem Schützenverein gespielt hat. Außerdem haben Kohlbälle eine ganz eigene Atmosphäre. Da warten die Leute nicht erst bis Elf, um sich zu amüsieren. Da geht es gleich zur Sache, wie beim Karneval in Brasilien, und man ist die ganze Zeit ohne Verschnaufpause gefordert.

Welche Stücke werden am meisten gewünscht?

Meyer:Das sind derzeit „Schatzi, schenk mir ein Foto“, „So ein schöner Tag“ und „Highway to hell“. Das Publikum ist meist eine bunte Mischung. Die einen wollen AC/DC hören, die anderen Andrea Berg. Das macht es nicht eben leicht, alle unter einen Hut zu kriegen.

Wie schaffen Sie das?

Meyer:Am wichtigsten ist, alles im Fluss zu halten. Ich versuche zu erreichen, dass das Publikum so feiert, wie ich es als Gast auch gerne würde. Mindestens drei Mal ausflippen ist das Minimum. Damit nerve ich vielleicht einige, aber am Ende des Abends sind auch die dankbar. Wenn ein bisschen von diesem Feeling über den Abend hinaus anhält und der Bankangestellte am Montagmorgen ein etwas lockerer auf seinen Kunden zugeht, dann habe ich mein Ziel erreicht. Wichtig ist die immer richtige Mischung. Gottseidank herrscht heute aber viel weniger Schubladendenken. Letztlich geht es darum, zusammen zu feiern und sich auch von den anderen mitreißen zu lassen.

Wie haben Sie sich so lange gehalten?

Meyer:Ich denke, die Menschen merken, dass wir anders sind, zum Anfassen. Wir versuchen, eins mit dem Publikum zu werden. Klar gibt es immer mal ein Auf und Ab. Wenn man eine Zeitlang in einem Gebiet gespielt hat, ist es erst mal verbrannt. Das ist ganz normal, schließlich wollen die Partygäste auch mal andere Bands sehen. Was uns freut, ist, dass die Leute zu uns zurückkehren – weil sie im Nachhinein merken, dass wir echte Livemusik machen.

Ist das bei anderen Kombos etwa nicht der Fall?

Meyer:Viele spielen heute alles auf Keyboard ein und müssen dann nur noch auf eine Taste drücken. Wenn ich sehe, dass der Trompeter bei seinem Solo die Hände am Tambourin hat… (lacht). Wir gehören wohl zu den wenigen, die alles live spielen. Andererseits sagen wir auch ganz klar, wenn wir Stücke mit unserer Besetzung eben nicht spielen können, wie Lady Gaga. Bei einem Repertoire von 250 Songs ist das aber auch kein Problem. Und wenn wir mitkriegen, dass wir mit bestimmten Ideen als Coverband von anderen gecovert werden, ist das schon kurios und zeigt uns, dass wir scheinbar einiges richtig machen. Generell finde ich den Trend zur „Konservenmusik“ aber traurig. Bei dem ganzen Playbackkram können zum Beispiel viele Keyboarder nicht mal mehr selbst „Amore“ spielen. Wenn unser Keyboarder mal ausfallen würde, hätten wir Mühe, einen Ersatz zu finden.

Früher haben Sie Politrock gemacht, Ihre Vorbilder sind die Beatles und Bob Dylan. Wie verträgt sich das mit „Trompetenecho“ und Ballermann-Charthits?

Meyer:Eigentlich wollte ich nie Partymusik machen. Irgendwann habe ich gemerkt, dass es einfach Spaß macht, wenn die Leute abgehen, und dass meine Entertainerqualitäten ankommen. Wir versuchen aber immer auch, Sachen zu spielen, die wir selbst gut finden. Die meisten Zuhörer haben die musikalische Vielfalt in sich, man muss sie nur noch wecken. Andererseits ist unser einziger eigener Song, „Ausflippen“, den wir gerade auch professionell abgemischt haben und vermarkten, auch so ein Partyknaller.

Auf welchen Gig freuen Sie sich dieses Jahr besonders?

Meyer:Ein Highlight wird die Hochzeitsrevivalparty in Mulmshorn, nicht nur vom Datum her: 10.11.12! Die gab es vor fünf Jahren zum letzten Mal. Sie ist aufgezogen wie eine Hochzeit. Die Frauen kommen in Weiß, wenn´s Kleid noch passt. Da trifft man dann auch viele alte Bekannte wieder.

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