Scheessel - Von Lars Warnecke - Wer kennt sie nicht die Textzeile „Und kost’s Benzin auch drei Mark zehn, scheißegal, es wird schon gehen“ aus dem Nummer-Eins-Hit „Ich will Spaß“ von Markus?

© Foto: lw
Für den Verbraucher sind sie ärgerlich. Für Unternehmen haben die hohen Spritkosten oft existenzielle Bedeutung.
Wer hätte damals gedacht, dass exakt 30 Jahre später diese Worte ernste Realität werden. Der Liter Super-Benzin kostete gestern an den Scheeßeler Tankstellen im Schnitt 1,67 Euro. Ein Preisniveau, bei dem viele örtliche Unternehmen, die ständig mit Fahrzeugen unterwegs sind, schwarz für die Zukunft sehen.
„Heutzutage noch Geld verdienen? Das ich nicht lache.“ Klare Worte von Rudolf Eberle. Der Chef der auf die Auslieferung von Milch- und Molkereiprodukten spezialisierte Spedition STH packt die blanke Wut, wenn er an die hohen Spritpreise denkt. „Für einen Liter Lkw-Diesel muss ich derzeit 1,52 Euro zahlen, kalkuliert habe ich jedoch mit einem Euro“ rechnet der Unternehmer vor. Mehr als 60 Prozent seiner Gesamtkosten würden inzwischen allein für Kraftstoff aufgebracht. „Sollen sich die Leute doch selbst ihre Milch von den Bauernhöfen holen, ich mache das nicht mehr länger mit“, zeigt sich der Scheeßeler entzürnt. „Den Zuständigen da oben scheint es völlig egal zu sein, wie es uns Unternehmern ergeht.“
Um den Benzinverbrauch so niedrig wie möglich zu halten, seien die Fahrer des Taxiunternehmens in diesen Tagen mehr denn je angehalten, möglichst sparsam zu fahren. Von einer Erhöhung der Tarife hält Dreyer dagegen nichts. „Dann würden wir ja auch Umsatzeinbußen machen, da einige Gäste nicht mehr bereit sind, zu höheren Konditionen mitzufahren.“
Bei der Gemeinde sieht man den Preiserhöhungen ebenfalls wenig gelassen entgegen. „Die Spritpreise treffen uns insofern, dass auch die Verwaltung diverse Fahrzeuge, beispielsweise für den Bauhof und für die Feuerwehr, unterhält“, erzählt der stellvertretene Bürgermeister Stefan Behrens. „Wir werden die Mehrkosten leider schultern müssen und darauf hoffen, dass die Preise wieder sinken.“
Schwer zu schaffen machen die Spritpreise auch Hubertus Steinke von der Fahrschule „Rogge-Steinke“in Scheeßel. Gerne erinnert sich der Fahrlehrer an vergangene Zeiten zurück. „2001 lagen bei gleichen Fahrschülerzahlen die monatlichen Ausgaben für Sprit noch bei rund 1500 Mark, heute sind es mit durchschnittlich 2200 Euro mehr als das Dreifache“, rechnet er vor.
Die Preise für eine Fahrstunde hätten daher logischer Weise auch mehrmals erhöht werden müssen. „Seit vier Jahren halten wir unsere Preise stabil, das wird aber wohl nicht mehr lange so weiter gehen können“, so Steinke.



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