Scheessel - Wissen die Scheeßeler eigentlich, auf welch hohem Niveau sie Monat für Monat Konzerte gratis in der Kirche geboten bekommen? Einige schon, denn immerhin rund 70 ließen sich das Klavierkonzert am vergangenen Sonntagnachmittag in der St.-Lucas-Kirche nicht entgehen. Und sie taten gut daran, zumal Organist Andreas Winterhalter sich einmal mehr tatkräftige Unterstützung durch den Pianisten Mo Bessim geholt hatte.

© Foto: Heyne
Zwei, die sich auch musikalisch seit vielen Jahren gut verstehen: Mo Bessim (l.) und Andreas Winterhalter. ·
Seit über einem Jahrzehnt musizieren die beiden Profis zusammen – und das war ihren Interpretationen auch anzuhören. Bei den Stücken von Debussy bis Moszkowski suchte man große Gesten oder gar Pathos vergebens. Im Vordergrund standen eine transparente Herausarbeitung der Motive, die die Natur der Werke erfasste.
Das wurde vom Publikum honoriert. Der musikalischen Streifzug durch „Aller Herren Länder“ von Moritz Moszkowski erntete sogar spontanen Applaus. Und siehe da: In Passagen, wo absolute Synchronität der sparsam gesetzten Töne gefordert war, etwa in „Italien“, da war sie dann auch.
Kontraste setzten die zeitgenössischen Stücke von Manfred Schmitz, ein Tribut an die musikalische Vergangenheit des Barpianisten Bessim. „Die Noten hat er letztes Jahr von mir zum Geburtstag bekommen“, verriet Winterhalter.
Mit der fröhlichen Entlassung der Zuschauer mit der lebensbejahende „Karussell-Musik“ nach einer Stunde eher melancholischer und kontemplativer Töne wurde es nichts – sie forderten eine Zugabe ein. Kurzerhand reiste man noch einmal nach Spanien, „weil es Ihnen“, wie Winterhalter nicht ohne Süffisanz bemerkte, „da vorhin so gut gefallen hat.“ ·uhe



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