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Rathauspark: Fällaktion vorerst verschoben / Naturschutzbehörde prüft heute

Bleibt Bäumen eine Chance?

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Scheessel - Von Ulla HeyneEs schien eine beschlossene Sache, die von der Gemeinde geplante Fällaktion von sechs Bäumen im Scheeßeler Rathauspark (wir berichteten). Den Ratsmitgliedern lag eine schriftliche Vorabinformation vor. Ein Gutachten belegte, dass die Aktion trotz Anbruch der vegetationsreichen Zeit erforderlich sei, da die Verkehrssicherheit „nicht gewährleistet ist“.

Gabriela Villwock (Grüne) würde es bedauern, wenn dieser Baum weichen müsste. ·

Gabriela Villwock (Grüne) würde es bedauern, wenn dieser Baum weichen müsste. ·

Im Klartext: Bäume ab, sonst droht Gefahr. In der Ratssitzung am Donnerstag fragte der Grünen-Ratsherr Klaus Lusch nach, ob das Vorhaben tatsächlich so dringlich sei, immerhin handele es sich um einen beträchtlichen Eingriff in die Pflanzen-, aber vor allem auch Tierwelt gerade jetzt in der Nistzeit. Nun hat sich die Untere Naturschutzbehörde des Landkreises eingeschaltet. Die will von dem Vorhaben der Gemeinde bisher nichts gewusst haben: „An uns hat lediglich ein Bremer Planungsbüro einmal eine mündliche Anfrage allgemeiner Art gestellt“, erklärt der Leiter der Naturschutzbehörde Jürgen Cassier, konkret mit der Gemeinde habe er in dieser Angelegenheit noch keinerlei Kontakt gehabt. Stefan Behrens, Fachbereichsleiter Inneres, Schulen und Kultur, sagte dazu: „Das stimmt nicht.“

Ob die Behörde überhaupt hätte einbezogen werden müssen, ist fraglich: „In Fällen, wo die Verkehrssicherheit von Gemeindeeigentum gefährdet ist, kann die Gemeinde selbstständig tätig werden“, so Cassier. Dies ist in Scheeßel nicht der Fall, handelt es sich doch um ein an die Gemeinde verpachtetes Grundstück der Kirche. „Ob wir als Verpächter oder die Gemeinde als Pächter verantwortlich ist, ist noch unklar“, erklärt Kirchenvorstandsmitglied Dr. Hartwig Meyer auf Nachfrage. Gegenwärtig werde der diesbezügliche Pachtvertrag aus dem Jahre 1937 vom Kirchenkreisamt geprüft. Eingeschaltet in die Scheeßeler „Baumaffäre“ hat die Naturschutzbehörde sich auf Anruf einiger besorgter Bürger, schließlich gehe es unter anderem auch um eine Kolonie bedrohter Saatkrähen. Daher wird Jürgen Cassier heute eine Begehung vornehmen, um zu prüfen, „ob alle Artenschutzbelange berücksichtigt wurden“ und unter Umständen eine artenschutzrechtliche Ausnahmegenehmigung zu erteilen sei. Stefan Behrens beharrt darauf: „Personenschutz geht vor Artenschutz.“ Immerhin hat die Gemeinde die geplante Fällung verschoben, um alle Beteiligten, also Vertreter des Planungsbüros, der Naturschutzbehörde und der Kirche zu einem klärenden Gespräch an einen Tisch zu holen. In diesem Zusammenhang, so erhofft sich Klaus Lusch von den Grünen, werde sicherlich auch noch einmal geprüft, ob das erste Gutachten so Bestand habe und „nicht noch eine kleinere Lösung gefunden werden kann als die Abholzung aller sechs Bäume.“ Schließlich wäre es nicht das erste Gutachten des vereidigten Delmenhorster Sachverständigen Frank Evers, das wegen Unhaltbarkeit zurückgenommen werden müsste, so Lusch.

Der Fraktionsvorsitzenden der Grünen Gabriela Villwock ist aufgefallen: Die besagten Bäume wären bei der geplanten Umstrukturierung des Rathausparks nicht nur im Weg, sondern „stünden direkt drauf …“.

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