Seedorf - Von Stefanie Bommert · Eine beklemmende Ruhe liegt seit Karfreitag über der Fallschirmjäger-Kaserne in Seedorf.

Der Pressesprecher der Luftlandebrigade 31, Hauptmann Björn Gornik.
Die schreckliche Nachricht aus Afghanistan, dass bei dem mehrstündigen Gefecht mit gut 200 Taliban aus dem Hinterhalt in Chahar Dara südwestlich von Kundus-Stadt drei ihrer Kameraden getötet, vier weitere schwer und vier leicht verletzt worden sind, hat die Luftlandebrigade 31 schwer erschüttert. Unter den Soldaten herrsche tiefe Trauer, Fassungslosigkeit und große Wut, beschreibt Hauptmann Björn Gornik, Pressesprecher des Verbandes, die Stimmung.
Viele der Fallschirmjäger hatten im Osterurlaub von den Ereignissen erfahren. „Das ist hier relativ heftig aufgenommen worden. Es sind unsere Jungs und Mädchen da unten, daraus ergibt sich ein Gemeinschaftsgefühl“, betont Gornik und ergänzt: „Man kennt ja die Leute.“ Seit Ende 2006/2007 seien die Soldaten in Seedorf. Anfang vergangenen Jahres hätten die jetzt in Afghanistan stationierten 1 100 Kameraden mit der Vorbereitung für ihren Einsatz begonnen. Besonders groß ist die Bestürzung der Soldaten in der Heimat auch vor dem Hintergrund, dass ihre Kameraden gerade erst vor wenigen Wochen an den Hindukusch geflogen sind. „Die Soldaten sind erst am 24. Februar überhaupt in den Einsatz gegangen. Der offizielle Einsatz hat sogar erst am 1. April begonnen. Da haben sie die Verantwortung übernommen“, ist der Hauptmann geschockt. Zwar seien sich alle der Gefahr eines solchen Auftrages sehr wohl bewusst gewesen, doch sei man an die Sache beim Verabschiedungsappell am 18. Februar ruhig und besonnen herangegangen. „Mit so etwas hätte niemand gerechnet“, so Gornik. Entsprechend groß sei die Wut über den Verlust, diesen perfiden Anschlag, das Leiden der Angehörigen der Verstorbenen und die Ohnmacht über den nicht fassbaren Feind.
Der Krisenstab vor Ort in der Kaserne kümmert sich nun um die Formalitäten. „Wir organisieren die Trauerfeier“, betont Gornik. Geklärt werden müsse nun mit den Familien, ob es eine zentrale Feier in Berlin, eine Zeremonie in der Kaserne oder eine Abschiedsfeier im Familienkreis in der Heimat der Getöteten geben soll.
Für die Kameraden in der Seedorfer Kaserne hat die Militärseelsorge einen zusätzlichen Truppenpsychologen abgestellt. Zudem sei als Unterstützung für den Krisenstab ein Soldat der Luftlandebrigade 26 vor Ort, aus dessen Verband in den vergangenen eineinhalb Jahren sieben Soldaten in Afghanistan getötet seien. Und: „Es gibt viel Raum für Gespräche“, so Gornik. So spende etwa auch das kameradschaftliche Gespräch unter den Soldaten Trost. Ferner sei zum Ausdruck der Trauer und als Unterstützung für die Familien eine Kondolenzstelle eingerichtet worden.
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