Rotenburg - Von Wieland BonathSein Ziel sei es, so Privatdozent Dr. Oleg Heizmann (41), neuer Chefarzt der I. Chirurgischen Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Thoraxchirurgie des Diakoniekrankenhauses, in einem Gespräch mit dieser Zeitung, patientenorientierte Chirurgie zu machen. Der Arzt, der zuvor am Universitätsspital Basel tätig war, tritt die Nachfolge des in den Ruhestand wechselnden Prof. Dr. Hans-Fred Weiser an. Heizmann, den seine Familie begleitete, wurde am Mittwoch in sein Amt eingeführt.

© Foto: Bonath
Die drei Chefs: Prof. Dr. Weiser (von links), PD Dr. Heizmann und Prof. Dr. Oertli. ·
Der bescheidene und sympathische neue Chefarzt studierte an der renommierten Medizinischen Hochschule Hannover Medizin. Dabei waren für ihn zwei Namen besonders wichtig: Prof. Dr. Reinhard Pabst, sein Doktor-Vater, und der inzwischen verstorbene Prof. Dr. Rudolf Pichmayr, eine medizinische Koryphäe.
Nach dem Staatsexamen begann Heizmann seine chirurgische und wissenschaftliche Ausbildung am Klinikum Großhadern der Ludwig-Maximilians-Universität München. Von dort aus ging er nach Basel an das Universitätsspital. Dort nutzte er die Gelegenheit – im Rahmen einer einjährigen Rotationsmöglichkeit – jeweils am Frimley Park Hospital in Großbritannien und am Kantonspital Baden zu arbeiten. Aufgrund dieser Ausbildung in Deutschland, der Schweiz und Großbritannien ist PD Dr. Heizmann in der Lage, das Gebiet der Allgemein- und Viszeralchirurgie umfassend abzudecken.
In seiner klinischen und wissenschaftlichen Arbeit beschäftigt sich Dr. Heizmann mit der gesamten Bauchchirurgie, und hier speziell mit der Chirurgie der Leber, der Gallenwege, des Darms und der endokrinen Organe (Schilddrüse, Nebenschilddrüsen, Nebennieren und Bauchspeicheldrüse) sowie der Minimal-invasiven Chirurgie (Schlüssellochchirurgie). In Rotenburg ist Dr. Heizmann neben seiner Tätigkeit als Chefarzt außerdem zum Sprecher des zertifizierten Darmzentrums berufen worden.
Eingeleitet wurde die Einführung mit einem Gottesdienst in der Kirche „Zum Guten Hirten“. Dabei hielt der neue Sprecher der Geschäftsführung, Pastor Dr. Christian Frühwald, die Einführungsansprache. Nach der Segnung überreichte er dem neuen Chefarzt, einer älteren Tradition folgend, Bibel und Kreuz.
Dr. Heizmann, der sich anschließend vorstellte und betonte, er sei ein „leidenschaftlicher und begeisterter Chirurg“, zeigte im Rahmen eines Vortrages den Sinn und Unsinn teilweise festgefahrener Regeln auf. Beispielsweise die fast bis zum Exzess betriebene chirurgische Händedesinfektion, letzten Endes zum Nachteil von Patient und Operateur. Wesentlich kürzere Desinfektion wie heute genüge auch.
Oder die Chefarztvisite. Hat sie ihren Sinn, soll sie beibehalten werden? Sie spare, wollte Dr. Heizmann wissen, letzten Endes Geld. Also auch künftig Ja zu diesem „Rattenschwanz“ von Medizinern in den Krankenzimmern ...
Ein anderes Thema: Frauen in der Chirurgie, ein Reizthema nannte es Dr. Heizmann. Diejenigen, die das weibliche Geschlecht nicht mit dem Skalpell sehen möchten, argumentierten, so Heizmann, die Frauen seien hier überfordert. Erfahrungen hätten das Gegenteil bewiesen. Blanke Zahlen, nämlich 70 Prozent der Medizinstudenten, sind Frauen, würden uns schon die Richtung weisen: „Wenn wir es nicht schaffen, Frauen für die Chirurgie zu begeistern, fehlen Operateure.“
Dr. Oleg Heizmann nutzte die Gelegenheit, um seiner Familie für die Unterstützung zu danken. Einen Dank, den er ebenfalls an Prof. Dr. Daniel Oertli, seinen Lehrer und Chef aus Basel, richtete. Oertli war eigens aus der Schweiz nach Rotenburg gekommen.
Die musikalische Begleitung hatten Meike, Wolfgang und Kerstin Pesch sowie Julina Schwindt übernommen.
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