Rotenburg - Von Wieland BonathROTENBURG. · Ein missionierender Eiferer ist Peter Paulitsch (66), Rotenburg, ehemaliger Leiter der Kreismusikschule, nicht, aber der Pianist, Dirigent und Komponist bekennt sich zum Ökostrom, den ihm die Rotenburger Stadtwerke anbieten. Auch wenn er dafür monatlich zwei, drei Euro mehr bezahlen muss – aber es ist „sauberer Strom“. Energie, die dazu beiträgt, der von Menschen drangsalierten Erde eine Chance zu geben. Der Künstler, der in vielen Teilen Deutschlands und in zahlreichen Ländern Konzerte gibt: Je weniger Atomkraftwerke, desto größer die Chance, keinen GAU zu erleben.

© Foto: Bonath
Peter Paulitsch mit seiner handbetriebenen Hausklingel: Wenn wir uns vernünftig verhalten, dann machen die alternativen Energien den Atomstrom bald überflüssig. ·
Herr Paulitsch, sogar die Hausklingel ist bei Ihnen handbetrieben ... Sie stemmen sich offenbar konsequent auch gegen kleinste Segnungen der Technik?!
Peter Paulitsch:Ich sträube mich nicht gegen alle technischen Möglichkeiten, die wir in unserer Zeit nutzen können. Aber es gibt Techniken, die ich äußerst kritisch beobachte und aufgrund ihrer Gefahren ablehne.
Was meinen Sie konkret?
Paulitsch:Hierzu gehört vor allem die kommerzielle Nutzung der Atomenergie. Auch einige Errungenschaften, die uns das Internet ermöglicht, halte ich für problematisch.
Warum?
Paulitsch:Die Atomenergie birgt Gefahren, die von Menschen nicht mehr beherrschbar sind und in ihrem Ausmaß alle bisherigen Technik-Unfallfolgen bei weitem übertrifft.
Wir sind auf dem Wege, die Atomkraftanlagen abzuschaffen. Hat das aber einen Sinn, wenn unsere Nachbarn, zum Beispiel Frankreich, gar nicht daran denken?
Sind wir in der Lage, die Atomkraft durch erneuerbare Energien zu ersetzen?
Paulitsch:Eindeutig ja! Der Anteil des Atomstroms am Gesamtverbrauch beträgt lediglich 20 Prozent. Und wenn sich noch mehr Menschen nach dem Motto richten würden: Nicht reden, sondern handeln, würden die alternativen Energien bald Atomenergie überflüssig machen. Damit meine ich, bescheidener und bewusster zu leben.
Wie soll das beispielsweise aussehen?
Paulitsch:Ich fahre ein sehr kleines Auto und benutze für längere Fahrten die Eisenbahn. Unsere Familie achtet auf geringen Strom- und Gasverbrauch. Beim Einkauf von Lebensmitteln bevorzugen wir Produkte aus der Region, um die irrsinnigen Transporte von Nahrungsmitteln nicht zu fördern.
Herr Paulitsch, ist der Zug nicht längst abgefahren? Kommen diejenigen, die die Welt verbessern wollen, nicht zu spät?
Paulitsch:Das glaube ich nicht, denn es gibt bereits viele Organisationen und Prominente, die sich für neue Wege einsetzen. Denken Sie nur an Greenpeace, Unicef, Amnesty International und internationale Künstler, die sich für eine Erneuerung unseres Denkens engagieren. Außerdem erkennen immer mehr Menschen, dass der Abbau von Uran nicht nur die Lebensgrundlagen von Hunderttausenden Menschen dort zerstört, sondern auch uns selbst Tausende von Jahren gefährdet. Die Halbwertzeit von Plutonium beträgt meines Wissens zehntausend Jahre.
Womit sollte Ihrer Meinung morgen begonnen werden, um der Welt einen positiven Ruck zu geben?
Paulitsch:Wir müssen stärker als bisher Rücksicht nehmen auf Menschen, die in anderen Ländern leben und unser Verhalten so verändern, dass es diesen besser geht. Ich war als Pianist und Dirigent unter anderem in Guatemala, Nicaragua und Honduras, aber auch in Ägypten und Nigeria. Dort habe ich gesehen, unter welch schrecklichen Bedingungen der größte Teil der Bevölkerung leben muss. Und wir leben im Luxus – zum Teil auf Kosten dieser Menschen!
Ihr persönlicher Beitrag, um die Welt zu retten?
Paulitsch:Ich allein kann bestimmt nicht die Welt retten. Ich versuche, einen Teil zur Verbesserung beizusteuern, indem ich als Musiker bei Konzerten mitwirke, deren Erlös wohltätigen Zwecken dient. Zum Beispiel habe ich Konzerte gegeben für Amnesty International, Unicef, Terre des hommes. Außerdem habe ich Patenkinder in Indien, Mosambik und Nicaragua.
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