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Hartmut Litfin aus Vahlde restauriert alte Flipperautomaten – greift aber selbst nicht in die Tasten

Keine ruhige Kugel schieben

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Rotenburg - Von Lars WarneckeVAHLDE · Am oberen Spielfeldrand funkelt eine goldene Schallplatte, darunter blinkt der Schriftzug „Panic“. Klingelnd schallt es aus den Lautsprechern. „Das ist ein ganz besonderer Flibber“, sagt Hartmut Litfin in hamburgischem Dialekt. Recht hat er. „Lindenflipper“, so der Name des Automaten, mit dem der Vahlder Sänger Udo Lindenberg Tribut zollt. Gebaut hat der 57-Jährige das Unikat in seiner Werkstatt, in der er die alten Schätzchen restauriert.

Hat eine Leidenschaft für kultige Flipperautomaten: der Vahlder Hartmut Litfin. ·

Hat eine Leidenschaft für kultige Flipperautomaten: der Vahlder Hartmut Litfin. ·

In Reih und Glied stehen die Automaten nebeneinander, teilweise in ihre Einzelteile zerlegt. Was bleibt, ist das Gerüst. Einst waren die Geräte aus den Kneipen und Spielhallen kaum wegzudenken; doch sie verschwanden – nach und nach, still und leise. Vom Erdboden verschluckt?

„Mitte der 90er Jahre haben sich alle nur noch für Bildschirmelektronik interessiert“, erklärt Litfin das Ende der Flipperkultur. „Da hat sich kaum noch jemand für die Automaten begeistert.“ Spielkonsolen übernahmen den Part der blinkenden, klingelnden, ausgeflippten Geräte. Vorbei die Tage, an denen sich junge Menschen in Grüppchen vor den Flipper drängten – sich unter lautem Klacken der Metallkugel die Zeigefinger an den Flipperknöpfen wund drückten. Mittlerweile aber blickt der Vahlder wieder zuversichtlich in die Zukunft, hat er doch nie wirklich an der „Rückkehr“ des einst so beliebten Automaten gezweifelt. „Flipper ist Kult, es ist ein technisches Kulturgut“, sagt Litfin.

Das Prinzip des Spiels ist denkbar simpel: Eine Metallkugel wartet darauf, mittels zweier Hebel auf blinkende Ziele geschossen zu werden. Sinn und Zweck ist es dabei, möglichst viele Punkte zu ergattern. „Ich selbst daddele schon lange nicht mehr, habe in meinem ganzen Leben privat vielleicht zehn Mark dafür ausgegeben“, sagt Litfin, zieht genüsslich an seiner Zigarette und lacht herzlich. „Ich hätte immer Angst, dass ich etwas auf der Spielfläche kaputt machen könnte.“

Was ihn an den Automaten interessiert? „Dass sie so schön bunt sind, und dass da viel Mechanik im Spiel ist – mit unzähligen Kabeln und Lötstellen“, antwortet er.   „Bei 5000 unterschiedlichen Flippermodellen, die der Markt hergibt, sind immer wieder neue Fehler zu beheben.“ Wie ein kleines Kind freue er sich darüber, wenn seine im ganzen Bundesgebiet verstreute Klientel mit ihrem Spielzeug wieder spielen kann.

Heute, weiß der Flipper-Doc, lege man für ein neues Gerät nicht unter 5000 Euro auf den Tisch – je nach Modell. Litfins Favorit ist sein eigener, der „Lindenflipper“. Mehr als 200 Arbeitsstunden hat er in das Schmuckstück investiert. „Der soll irgendwann mal bei Udo im Hotelzimmer stehen“, wünscht sich der 57-Jährige. Die Chancen stehen nicht schlecht, immerhin sei der Sänger schon im Internet auf das Gerät aufmerksam geworden. „Udo hat mich daraufhin sogar angerufen, um mir zu sagen, wie geil er das Teil findet“, erzählt er stolz.

Bis zu 60 Stunden benötigen Litfin und seine Mitarbeiter für das Auseinandernehmen und Zusammenbauen der einzelnen Automaten – je nach Baujahr. „Die neueren Modelle der 90er Jahre sind nicht so aufwändig, da sie weniger Technik haben“, erklärt Litfin. Ältere Modelle aus den 70er und 80er Jahren wiederum müssen meist mühevoll und in filigraner Arbeit frisch bepinselt werden.

Ein Auto fährt vor. Mario Höfler steigt aus. Um seinen heiß geliebten Flipper, einen 76er „Lady Luck“, wieder fachmännisch auf Vordermann bringen zu lassen, hat er eigens den langen Weg aus Kärnten auf sich genommen.

„Der Hartmut versteht sein Handwerk, bei uns in Österreich sucht man so jemanden wie ihn vergeblich“, erzählt Höfler, während er den Abzug zieht. Die Spirale seines Flippers schnellt zurück, die Metallkugel schießt in die Höhe. „Lässt sich wieder prima bedienen“, freut er sich. Das Spiel kann beginnen.

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