Rotenburg / Soltau-Fallingbostel (sf) - Wahlziel erreicht: Reinhard Grindel ist gestern mit einem ordentlichen Ergebnis direkt in den Bundestag gewählt worden. Nach Auszählung der 269 Stimmbezirke im Wahlkreis 36 konnte sich Christdemokrat Grindel über 40,21 der Erststimmen freuen.

Gegenseitiger Respekt: Reinhard Grindel (CDU, li.) und Lars Klingbeil (SPD) sind seit gestern Kollegen im Bundestag.
Sein Mitbewerber Lars Klingbeil (SPD) brachte es auf 35,25 Prozent. Bei den Zweitstimmen standen bei der CDU 35,09 Prozent zu Buche; verglichen mit den hochgerechneten Ergebnissen von 2005 ein Minus von 0,7 Prozentpunkten. Die SPD ließ mächtig Federn, büßte im Vergleich zu 2005 mehr als 13 Prozentpunkte ein. In der Schlussabrechnung standen für die Sozialdemokraten noch 27,59 Prozent zu Buche – etwa vier Punkte mehr als im Bundesschnitt.
Glückwünsche für den Einzug in den Deutschen Bundestag nahm auch Grünen-Kandidat Sven-Christian Kindler schon gegen 21 Uhr entgegen. Bei einem Landestrend von absehbar rund elf Prozent reicht der Landeslistenplatz, freute sich Grünen-Kreissprecherin Elke Twesten MdL: „Wir bauen unsere Stärke in der Fläche aus.“ Im Vergleich zur 2005er-Wahl legten die Grünen im Wahlkreis um drei auf rund zehn Punkte zu.
CDU-Kreisvorsitzender Albert Rathjen freute sich, dass auch „seine“ Kandidatin im Nordkreis, Dr. Martina Krogmann, direkt in den Bundestag gewählt worden sei. Weniger zufrieden als mit dem lokalen Auftreten seiner Partei zeigte sich der Bremervörder mit der Bundes-CDU. Die müsse stärker werden.
Wahlsieger Reinhard Grindel wies im Gespräch mit der RK/VN darauf hin, dass es zuletzt 1994 gelungen sei, den Wahlkreis direkt zu holen. Die Wähler hätten in dieser wirtschaftlich schweren Zeit dem Kandidaten mit der erkennbar größeren Erfahrung die Stimme gegeben. Die Ergebnisse belegten, so der Rotenburger, dass er auch im Landkreis Soltau-Fallingbostel gut Fuß gefasst habe. Er wolle jetzt als nächstes den Dialog mit den Milchbauern suchen und über die flächige Zerstörung von CDU-Plakaten reden. Da als mutmaßliche Täter zwei Ratsgymnasiasten in Verdacht stünden, werde er das Gespräch mit der Schulleitung suchen.
Bis gegen 23 Uhr musste Lars Klingbeil auf die Bestätigung warten: „Die Liste zieht!“ Zunächst sah es danach aus, dass allein die von der SPD geholten Direktmandate das Niedersachsenkontingent an SPD-Abgeordneten ausschöpften. Letztlich hatten die Kandidaten der SPD in 14 von 30 Wahlkreisen die Nase vorn, Lars Klingbeil rutschte über die Liste ins Parlament. Das Wahlergebnis für seine Partei sei eine Katastrophe, hatte Klingbeil im Gespräch mit der Redaktion eingeräumt. Da helfe auch schönreden nichts. Seine Partei müsse den tiefen Vertrauensverlust nach 13 Jahren Regierungsverantwortung verarbeiten. Der negative Bundestrend sei auf sein persönliches Ergebnis durchgeschlagen.
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