Rotenburg - Von Wieland BonathEin Hund unter den 2 300 Mitarbeitern des Rotenburger Diakoniekrankenhauses? Seit kurzer Zeit und mit erkennbarem Erfolg unterstützt Jule Dr. Kirsten Mennicke, Oberärztin des Sozialpädiatrischen Zentrums (SPZ) der Klinik für Kinder und Jugendliche, im Behandlungsraum. Bei Jule handelt es sich um eine Golden Retrieverhündin mit Arbeitsbescheinigung, die auf Herz und Nieren geprüft wurde, ob sie für ihre anspruchsvolle Arbeit geeignet ist. In Norddeutschland ist Jule der einzige Therapiebegleithund im Krankenhaus – ein „Assistenzarzt mit vier Beinen“.

© Foto: Bonath
Gut erzogen: Auf Befehl trägt Golden Retriever Jule den geflochtenen Korb. ·
Jules Frauchen, Kinderärztin und Kinderneurologin Dr. Mennicke, ordnet die ungewöhnliche Zusammenarbeit mit dem sanften Hund nüchtern ein: „Es gibt immer wieder Situationen, bei denen Kinder Angst vor einer Untersuchung haben oder vor Anforderungen in einer ihnen fremden Umgebung. Und da übernimmt Jule unterschiedliche Aufgaben.“ Eine ganze Palette von Aufgaben: Jule als Mittlerin zwischen Kindern und Arzt und umgekehrt. Wenn sie dabei ist, können Brücken gebaut und Dämme durchbrochen werden.
Der zweieinhalbjährige Golden Retriever – eine Rasse, die sich unter anderem durch besondere Geduld und Kinderliebe auszeichnet – musste eine wahre „Erziehungsmühle“ hinter sich bringen: Beim Berufsverband Therapiebegleithunde Deutschland in Rheine wurden der selbstbewussten Jule im Rahmen von Seminaren aufgezeigt, was sie darf, was sie soll und wo es für sie absolute Grenzen gibt.
Eine Katastrophe wäre es, wenn der Therapiebegleithund plötzlich einen Patienten beißen oder, genervt vom falschen Umgang mit ihr, eine Drohgebärde einnehmen würde. Das Zähnefletschen könnte mühsam erarbeitete Therapie-Erfolge innerhalb kürzester Zeit zunichte machen. Daher muss die Beziehung zwischen Hundeführer und Tier von totalem Vertrauen geprägt sein.
Deshalb beherrscht die lernwillige Jule nach bestandener Prüfung in Rheine längst ein stattliches Bündel an Befehlen, beziehungsweise kann diese Befehle in Form von von Gebärden richtig deuten und befolgen: „Sie hat“, so Kirsten Mennicke mit ein wenig Stolz, „über 40 neue Wörter dazu gelernt.“ Befehle, die für den Therapiebegleithund beispielsweise der Auslöser sind, um beim „Mensch-ärgere-dich-nicht-Spiel“ den Würfel zu rollen oder das geflochtene Körbchen zu bringen. Diese Maxime wird – das unterstreicht die Oberärztin – bestehen bleiben: lernen, lernen, lernen.
Dreimal wöchentlich ist Jule inzwischen anerkannte und beliebte Mitarbeiterin des Sozialpädiatrischen Zentrums, in dem Zusammenarbeit groß geschrieben wird. Selbstverständlich, dass sie mittwochs bei der Teambesprechung dabei ist. Aufgabe des Sozialpädiatrischen Zentrums ist die ambulante Diagnostik und Therapie bei Entwicklungsauffälligkeiten, Behinderung oder dem Verdacht einer solchen Erkrankung unter Berücksichtigung des sozialen Umfeldes.
Egal, ob Therapiebegleithund und Vierbeiner mit ungewöhnlichen Aufgaben, Jule hat sich kleine Raffinessen erhalten: Wenn Frauchen gerade mal nicht da ist, schleicht sie ins Büro von Diplom Psychologin Anja Renziehausen, Jules besondere Freundin, weil die Leckerli hier garantiert sind.
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