Doetlingen - Von Tanja SchneiderALTONA · Schon die große Anzahl von rund 70 Zuhörern und die Plakate im Publikum mit den Botschaften „Deutschland muss entaignert werden“ und „Wir fordern ein Antivirenprogramm für deutsches Geflügelfleisch“ ließ es vermuten: Die Diskussion zum Thema „Antibiotika im Stall: Medizin oder Masthilfe?“ wird hitzig.

© Foto: Schneider
Ein deutliches Zeichen setzten die Tierschützer im Publikum mit ihren Plakaten. ·
Anlässlich der Funde von antibiotika-resistenten Keimen auf Hähnchenfleisch im Rahmen einer BUND-Stichprobe hatte „Nordwestradio unterwegs“ Experten zu einer Diskussionsrunde ins Hotel „Gut Altona“ eingeladen. Mit dabei waren Tilman Uhlenhaut vom BUND Niedersachsen, der Dötlinger Wilhelm Hoff rogge vom Geflügelverband Niedersachsen, Norbert Meyer, Vorsitzender des Landvolks im Kreis Vechta, sowie Fachtierarzt Dr. Erwin Sieverding und Wolfgang Apel, Ehrenpräsident des Deutschen Tierschutzbundes.
Vor vielen Tierschützern, aber auch einigen Landwirten im Publikum ging es während der Live-Sendung um Fragen wie „Warum werden in der Geflügelzucht überhaupt Medikamente eingesetzt?“.
Dass die Gesprächsteilnehmer unterschiedlicher Meinung sein würden, war von Anfang an klar. Von der aufgeladenen Stimmung und den wütenden Zwischenrufen aus dem Publikum schien aber selbst der Moderator überrascht. Mehrmals mahnte er zur Ruhe. Aber auch „seine“ Experten schenkten sich kaum ein Wort.
Die Behauptung Uhlenhauts, an Antibiotika kämen die Landwirte auch über Umwege heran, machte Hoffrogge richtig wütend. In die „Ecke der Kriminellen“ wolle er sich nicht drängen lassen. Unterstützung erhielt er von Dr. Sieverding, der betonte, dass Antibiotika zum einen ein Gesundungs- und kein Dopingmittel sei, und es zum anderen – auch wegen der Kosten – oft nicht leichtfertig vergeben werde. Allerdings räumte er ein, dass bei großen Tierbeständen Einzelbehandlungen nicht mehr möglich wären.
Also ist die XXL-Mast schuld an allem? Für Apel lautete die Antwort „Ja“. Er sprach sich gegen das Zusammenpferchen von Tieren und für ein neues System aus, dass auch den Medikamenten-Einsatz überflüssig mache. „Die Landwirte sind auf den falschen Weg gebracht worden“, sagte Uhlenhaut. Aber was soll nun mit denen geschehen, die in das System investiert haben? Kleinere Bestände – das sei eine Frage der Ökonomie, sagte Sieverding.
Ein erster Schritt sei der Tierschutzplan von Minister Gert Lindemann. „Den unterstützen wir uneingeschränkt“, versicherte Hoff rogge. Allerdings gäbe es „ein paar sensible Bereiche“, in denen noch nach Lösungen gesucht werde. Ob die Umsetzung von Lindemanns Plan reicht, um die Landwirtschaft aus den Negativ-Schlagzeilen zu holen, hielten zumindest die Vertreter aus dem Bereich Tierschutz für fragwürdig.
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