Nienburg - Von Kurt HenschelDie vergangenen Nächte hatten es in sich, denn die Temperaturen rauschten zum Teil so sehr ins Minus, dass die Sorgen um Menschen ohne festen Wohnsitz stiegen. Fünf Personen, darunter auch eine Frau, sind in der Stadt Nienburg als Obdachlose „auf der Platte“, doch alle lehnen ein Schlafplatz-Angebot ab, das die Stadt Nienburg in der Ziegelkampstraße vorhält.

© Foto: Henschel
Derzeit gut belegt ist die „Herberge zur Heimat“ in Nienburg – die „härtesten“ Oddachlosen sind aber nicht im Haus.
„Bei mir hat sich bislang niemand gemeldet, der einen solchen Schlafplatz haben möchte“, erklärt auf Nachfrage Ralf Bergmann vom Fachbereich Bildung, Soziales und Sport der Stadt Nienburg. Bergmann berichtet, dass sich die Stadt Nienburg einer sogenannten Handreichung (siehe Info-Kasten) des Deutschen Städtetags angeschlossen und sich auferlegt habe, ein besonderes Augenmerk auf Nichtsesshafte zu werfen. „Auch die Vollzugsbeamten des Ordnungsamts schauen, ob sie Menschen im Freien finden, die bei der momentanen Kälte besonders gefährdet sind“, so Bergmann.
In der „Herberge zur Heimat“ gibt es aktuell keinen Anstieg der Bewohner, der mit der Kälte in Zusammenhang zu bringen sei, so Roland Rinaldo. „Wir haben weiterhin unsere Stammgäste, zu denen die bekannten Nienburger aber nicht gehören“, so der Herberge-Chef. Es seien weiterhin die Menschen, die in ganz Deutschland unterwegs sind und bei der Durchreise dann in der Einrichtung ein Dach über dem Kopf mit Bett und Dusche suchten.
Annähernd 80 Menschen hat die aktuelle Kältewelle bislang europaweit das Leben gekostet, in Deutschland kam bisher eine Frau wegen des Frostes zu Tode. „Hier in Nienburg ist noch nichts passiert“
„Hier in Nienburg ist noch nichts passiert“, so Mielke, die sich aber sehr große Sorgen mache. Der Grund dafür sei, dass übermäßiger Alkoholgenuss das Gefühl für Kälte betäube und „die Menschen im Freien dann gar nicht merken, welcher Erfrierungsgefahr sie sich aussetzen“. Ihre Kollegen fahren Extra-Streifen, um besonders abends und in der Nacht nach den bekannten Obdachlosen Ausschau zu halten und sich um sie zu kümmern.
In einem Fall, so Mielke, hätten zwei ihrer Kolleginnen eine Person in eine Diakonie-Einrichtung gebracht – mit Einverständnis der betroffenen Person, die den festen Willen geäußert hatte, den Ausstieg aus der Obdachlosigkeit mit übermäßigem Alkoholkonsum schaffen zu wollen. Sie habe sich in der Einrichtung auch „gut aufgenommen gefühlt“, sodass die beiden Polizistinnen zuversichtlich zur Dienststelle zurückkehrten. Dann aber sickerte wenige Tage später durch, dass sich die Person bereits wieder in Nienburg aufhalte.
Recherchen der Nienburger Polizisten hätten ergeben, dass die Person nicht etwa aus der Einrichtung abgehauen, sondern mit einem Zugticket in der Hand vor die Tür gesetzt worden sei. Grund dafür sollen „bürokratische Hürden“ gewesen sein: Es sei nicht klar gewesen, wer den Aufenthalt in der Diakonie-Einrichtung bezahlt.
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