Hoya - SCHIERHOLZ · Der Name ist ein Wortspiel – die meiste Zeit. Doch in besonderen Situationen macht Bernd Rehling auch mal Ernst. Der pensionierte Lehrer aus Schierholz ist Chefredakteur und Webmaster der meistbesuchten Internetplattform für Hörgeschädigte im deutschsprachigen Raum: www.taubenschlag.de. Wenn Rehling und seine Mitstreiter das Gefühl haben, irgendwo gehe es nicht mit rechten Dingen zu, „dann können die Tauben auch mal zuschlagen“, schmunzelt Rehling nicht ohne Stolz.

Bernd Rehling in seinem bestens ausgestatteten Büro in Schierholz. ·
Etwa 6 000 Besucher klicken täglich auf die Homepage. „Wir veröffentlichen Informationen zum Sommerfest eines Ortsvereins ebenso wie wissenschaftliche Untersuchungen von Universitäten oder Termine von Museen-Führungen für Gehörlose“, erzählt Rehling.
Er hält das Internet für eine großartige Möglichkeit für Menschen, die nicht oder nur sehr schlecht hören können. Bis zum Aufkommen des Internets seien diese nahezu völlig abgeschnitten gewesen von der Kommunikation. Den Zugang zu Nachrichten etwa bietet ein Portal aus Österreich, das Videos mit Neuigkeiten aus aller Welt ins Internet stellt, in denen die Beiträge mit Gebärdensprache dargestellt werden. Zudem biete das „World Wide Web“ große Lernmöglichkeiten. „Sprachen oder Themen aus Politik und Geschichte können sie dort aufarbeiten“, sagt Rehling.
Die ständigen Querelen mit Kollegen sorgten schließlich dafür, dass Rehling sich 1995 pensionieren ließ. Als mit dem Internet die ersten Websites für Hörbehinderte aufkamen, arbeitete er zunächst an einem bereits bestehenden Projekt mit. Doch nach Meinungsverschiedenheiten mit dem Begründer stieg er aus, um eine Homepage nach seinen Vorstellungen zu gestalten. Ronald lIenborg, Gehörlosenseelsorger in Bremen, und Jacques Bruch, ein schwerhöriger Informatiker aus Luxemburg, halfen ihm 1997 dabei. Später stießen weitere Helfer dazu. Einen großen Teil der Arbeit macht Rehling jeden Morgen. Er liest E-Mails und stellt die Informationen auf die Seite. Zudem arbeitet er die Daten und Artikel durch, die ein Computerprogramm zum Thema Gehörlose und Gehörgeschädigte aus dem Internet filtert. Seine Mitarbeiter helfen zwar auch mal aus, aber in den Urlaub nimmt der Schierholzer seinen Laptop immer mit, „um nicht bei der Rückkehr überflutet zu werden“, wie er schmunzelnd sagt.
Und auch, um jederzeit „zuschlagen“ zu können. Das letzte Mal geschah das, als ein in der Gehörlosenwelt sehr bekannter Moderator und Schauspieler als Werbeträger für ein fragwürdiges Nahrungsergänzungsmittel auftrat. „Taubenschlag“ warnte vor dem dubiosen Mittel und seinen Verkäufern – mit Erfolg. Die Werbeträger haben sich mittlerweile alle von dem Produkt losgesagt. · ike
http://www.taubenschlag.de
http://www.gebaerdenwelt.at
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