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Von Tod und Lebensfreude, Partys und der Pest

Musik aus der „dreckigen Zeit“: Die Band „Impius Mundi“ feilt an neuen Liedern

Von Tod und Lebensfreude, Partys und der Pest

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Eystrup - Die rote Schrift ist verlaufen, so als hätten sich ein paar Tropfen Blut ihren eigenen Weg gebahnt. Darunter prangt ein Totenkopf. Und vor dem Plakat stehen sieben Männer und machen Musik. Rockmusik, an sich nichts Außergewöhnliches – bis Lars Meyer zu seinem Instrument greift. Laut ertönen die Klänge des Dudelsacks, während der Hoyaer sich im Takt nach vorn und nach hinten beugt. Dann fängt Claas Rüscher an zu singen: „Die gleiche Tat, die alten Fehler / Es ist erst dann zu spät, wenn das Licht vergeht“.

„Die Musik profitiert von der dunkelromantischen Stimmung“: Die Band „Impius Mundi“ macht Mittelalterrock. ·

© Foto: M. Hahn

„Die Musik profitiert von der dunkelromantischen Stimmung“: Die Band „Impius Mundi“ macht Mittelalterrock. ·

Es ist Mittwochabend, und die Band „Impius Mundi“ probt ihre neuen Stücke. Im Frühjahr 2009 haben die Musiker ihre erste und bisher letzte CD herausgebracht, noch in diesem Jahr soll die nächste erscheinen. Aber bevor es – voraussichtlich im Sommer – ins Studio geht, wollen die Männer noch ein wenig an den Liedern feilen. Einmal in der Woche treffen sie sich in ihrem Proberaum in Eystrup. Dann lassen sie den Alltagsstress hinter sich, fläzen auf alten Sofas, klönen und machen vor allem Musik: Mittelalterrock ist die Leidenschaft von Lars Meyer, Claas Rüscher und ihren Freunden Hannes Riedemann, Ralf Bruns, Konrad Harbort, Jonas Goltz und Philipp Harbort.

Die Stücke handeln vom Feiern und von Lebensfreude, aber auch von Schlachten und der Pest. „Die Musik profitiert von der dunkelromantischen Stimmung“, erklärt Jonas Goltz (20). Lars Meyer findet „das Flair, das Feeling“ des Mittelalters faszinierend. Trotzdem hätten die Musiker nicht gerne in dieser „dreckigen Zeit“ gelebt: „Heute geht es uns besser“, sagt Bassist und Sänger Claas Rüscher. Für Hannes Riedemann besteht ein Reiz der Mittelalter-Musik darin, dass einige Instrumente – wie der Dudelsack – bis heute überlebt haben.

Bei ihren Auftritten tragen die Bandmitglieder mittelalterliche Gewänder, an diesem Abend haben sie alle schwarze Oberteile und Jeans an. An den Wänden des Proberaums hängen Poster von „AC/DC“, „Black Sabbath“, „Fliehende Stürme“, „Alice Cooper“ und „Ghost“. Die Musiker von „Impius Mundi“ – Übersetzung: „Gottlose Welt“ – betonen, dass sie nicht auf der schwarzen Welle des Gothic-Rock surfen. Tatsächlich ist die Stimmung alles andere als düster: Die Männer scherzen und lachen fast so viel wie sie musizieren.

„Wir verstehen uns eigentlich immer gut, Streit gibt es fast nie“, sagt der 40-jährige Lars Meyer. Und Hannes Riedemann (29) fügt hinzu: „Uns verbindet mehr als Freundschaft.“ Im vergangenen Jahr haben die Mittelalter-Fans zusammen den Umzug ihres Proberaums von Hoya nach Eystrup gemanagt – und sind „fast wahnsinnig geworden“, weil sie drei Monate keine Musik machen konnten. „Ich wollte unbedingt wieder ‘was in die Hand nehmen und Töne ‘rausbringen. Es gibt nur einen Grund, warum wir ,Mucke‘ machen: Weil‘s Spaß macht“, sagt Gitarrist und Sänger Hannes Riedemann.

Seit 2006 gibt es die Gruppe; Lars Meyer, Hannes Riedemann und Ralf Bruns sind von Anfang an dabei. Im Laufe der Zeit hat sich „Impius Mundi“ musikalisch weiterentwickelt: „Die Mittelalter-Instrumentalparts für die neuen Stücke haben wir alle selbst geschrieben, bei der ersten CD hatten wir noch alteingebrachte Melodien übernommen“, sagt der 41-jährige Claas Rüscher. Die Texte, zumeist von ihm und Hannes Riedemann geschrieben, sind „persönlicher und nachdenklicher als früher, aber auf jeden Fall partytauglich“, betont der Wietzener Hannes Riedemann.

„Los, spiel noch eins der alten Lieder / Du weißt, jene Zeit, die kommt nie wieder / Und manchmal mach‘ ich mir darüber Sorgen / Erst gestern war heute doch noch morgen“, heißt es in „Diese Nacht“. Und in „Nebel“ singt die Band: „Eine neue Welt nenn‘ ich nun mein / Ich kehr‘ zurück in sanftem Schein / Ein Kreis von Leben schließt sich hier / Ich wart‘ auf Dich und geh‘ mit Dir“.

Zu den Auftritten von „Impius Mundi“ kommen Fans von zehn bis 70 Jahren. „In der ersten Reihe stehen meistens kreischende 15-jährige Mädchen“, sagt Lars Meyer schmunzelnd. Vor allem in der Sommersaison ist die Band in der ganzen Region unterwegs. „Wir sind auf jeden Fall motiviert, noch häufiger aufzutreten“, sagt Heilerziehungspfleger Claas Rüscher. „Aber jeder muss auch seinem Job nachgehen. Von der Musik zu leben ist utopisch.“ Percussionist Jonas Goltz lacht. „Wir suchen noch einen Manager, der uns reich macht. Aber nicht Vollzeit.“ · mah

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