Eystrup - „Das, was wir immer gemacht haben, ist jetzt steuerrechtlich relevant. Das hat uns überrascht“, sagte Manfred Ernst in der Sitzung des Eystruper Gemeinderats am Dienstagabend. Der Bürgermeister erklärte, dass es eine Überprüfung des TSV Eystrup durch das Finanzamt Nienburg gegeben habe – mit einem schockierenden Ergebnis: Der Verein muss voraussichtlich Steuern im fünfstelligen Bereich nachzahlen. Genaue Zahlen stehen noch nicht fest.
Der Knackpunkt sind die Zuschüsse, die der TSV in den vergangenen Jahren von der Gemeinde erhalten hat. Die Gemeinde ist Eigentümerin der alten Sporthalle, des Sportplatzes und des dortigen Sportheims. Der Verein durfte die Anlagen nutzen und kümmerte sich um die Pflege, übernahm zum Beispiel die Reinigung und kleinere Arbeiten. Dafür stellte Eystrup jedes Jahr einen Posten im Haushalt bereit.
Diese Zusammenarbeit ist in einem Vertrag zwischen Gemeinde und TSV geregelt – und offensichtlich so nicht möglich, wie die Überprüfung des Finanzamts ergab. Die Begründung: Die Zuschüsse seien wie gewerbliche Einnahmen zu bewerten, weil ein „Austauschverhältnis“ bestehe und der Verein wie ein Unternehmer tätig werde. Im Klartext heißt das, dass der TSV verpflichtet ist, Umsatz-, Körperschafts- und Gewerbesteuer zu zahlen.
Ernst versprach dem Verein Unterstützung. „Wir als Gemeinde haben die Verträge mit dem TSV gemacht, wir sind Teil des Ganzen. Die Situation wirft viele Fragen auf. Aber wir werden eine Lösung finden, die dazu führt, dass sich der Verein nicht auflösen muss.“
Um handlungsfähig zu sein, wenn der Steuerbescheid kommt, stellte der Gemeinderat vorsorglich 50 000 Euro für die „Steuerschuld“ in den Haushalt 2012 ein. Dafür entfallen die besagten Zuschüsse. Zusätzlich nahm der Rat 4 000 Euro für die Reinigung der alten Sporthalle in den Haushalt auf, um die sich die Gemeinde nun wieder selber kümmern muss.
TSV-Vorsitzender Jörg Rokitta bedankte sich sichtlich bewegt und erleichtert für den „einstimmigen Beschluss, den Verein nicht fallen zu lassen“. Sein Ehrenamt habe mehr Belastungen mit sich gebracht, als er es sich vorgestellt hatte. „Wir wollen selbstverständlich weiter mit der Gemeinde zusammenarbeiten“, fügte der Vorsitzende hinzu. „Ich hoffe, dass wir die Probleme bewältigen werden.“ · mah
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