Experten entschärften Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg / Rund 3000 Bewohner evakuiert

Experten entschärften Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg / Rund 3000 Bewohner evakuiert

Um 19 Uhr kam die Entwarnung

1501.10.09|Hoya/EystrupFacebook
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Hoya (kap/hen) · Hoya atmet auf. Um Punkt 19 Uhr gab die Kampfmittelbeseitigung Hannover gestern die erlösende Entwarnung. Die 250 Kilo schwere Sprengbombe aus dem Zweiten Weltkrieg, die in der vorangegangenen Nacht in der Weser von der Firma „Bitec“ entdeckt worden war, war entschärft worden. Die groß angelegte Evakuierung der Einwohner wurde daraufhin aufgehoben.

Das ist der Übeltäter. Die Kampfmittelbeseitigung der zentralen Polizeidirektion Hannover entschärfte gestern die 250 Kilo schwere englische Bombe mittels einer „Raketenkralle“ an Bord des Schiffes „Ibis III“.

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Bombenwarnung in Hoya

Rund 3000 Bewohner der Grafenstadt mussten kurzfristig ihre Häuser und Arbeitsplätze verlassen. Alle, die sich in einem Radius von einem Kilometer um den Fundort des zwischen den Weserbrücken liegenden Sprengkörpers aufhielten, wurden aufgefordert, sich in Sicherheit zu begeben.

Bombenalarm in Hoya

Um 18 Uhr begannen Gerd Ehler und seine Kollegen von der Kampfmittelbeseitigung Hannover mit der Entschärfung. In sechs Metern Tiefe hatte der englische Sprengkörper gelegen. Mit einem Bagger hievten die Spezialisten die Bombe auf das Schiff „Ibis III“ und fixierten sie dort in einem Metallrahmen. Mittels einer so genannten „Raketenkralle“ löste das Entschärfungskommando den Zünder und machte das Relikt so unschädlich.

Das Gewicht des Sprengkörpers erzwang eine schnelle Entscheidung von Samtgemeindebürgermeister Wolfgang Rustemeyer. In einem Krisengespräch am Vormittag entschloss er sich im Beisein der Sprengexperten aus Hannover, die Bombe schon vor dem Wochenende entschärfen zu lassen.

In der Grundschule Bücken hielten sich bis zur Entwarnung rund 300 Evakuierte auf.Im Zuge des Sicherungsvorgangs errichtete die Polizei Straßensperren an allen Ortseinfahrten und ließ ab 15 Uhr niemanden mehr in die Grafenstadt hinein. Bereits um 12 Uhr hatte die Wasserschutzpolizei die Weser für die Schifffahrt gesperrt. Wer durch das Radio oder Bekannte noch nicht informiert worden war, wurde von Polizisten und Feuerwehrleuten auf den Ausnahmezustand aufmerksam gemacht. Die rund 150 Ordnungshüter und eben so viele Feuerwehrleute durchkämmten das Sperrgebiet, klingelten an jeder Tür und verteilten die Flugblätter mit den Verhaltensregeln der Evakuierung.

Auf der Scheibenwiese versammelten sich indes die Einsatzkräfte des Technischen Hilfswerks, der Polizei, der Sanitäter und der Feuerwehr. Auch einige Bewohner fanden dort Asyl.

Diese war, nach Angaben des Pressesprechers der Nienburger Kreisfeuerwehr, Michael Siegel, gegen 16.45 Uhr zum größten Teil abgeschlossen. „Die Bevölkerung macht sehr gut mit“, erklärte er. „Sie wurde bereits im Vorfeld für das Thema sensibilisiert. Als es dann heute akut wurde, waren die Bewohner gut vorbereitet.“

Die Samtgemeindeverwaltung bat die Bürger in einem für solche Ernstfälle vorgefertigten Schreiben, sich zu Freunden oder Bekannten zu begeben. Für Personen, die keine andere Aufenthaltsmöglichkeit hatten, wurde eine Sammelstelle in der Grundschule Bücken sowie ein Bus-Shuttle vom Guder-Parkplatz eingerichtet.

Im Bücker Schulgebäude versammelten sich im Laufe des Nachmittags rund 300 betroffene Bewohner. Die DRK-Bereitschaften Nienburg, Rehburg, Lavelsloh, Pennigsehl und Landesbergen sowie der Arbeiter-Samariter-Bund hatten das Schulgebäude hergerichtet.

In der Aula entstand ein Aufenthaltsraum, die Klassenzimmer wurden zu Sanitäts-, Tier- und Spielräumen. In der Turnhalle bauten die Helfer Feldbetten für den Ernstfall auf und im Sekretariat kümmerte sich die Einsatzleitung um die Abholung von Rollstuhlfahrern und Bettlägerigen.

Die Nachricht der Evakuierung hatte den Tagesablauf aller durcheinander gebracht. „Ich war gerade auf dem Heimweg von der Arbeit, als ich davon im Radio hörte. Meine Frau in Hoya wusste nicht, was los war“, erklärte Mike Heinemann aus der Sielfeldstraße, der sich mit seiner Frau Nicole und den Söhnen Marcel und Pascal in Sicherheit gebracht hatte. Scherzhaft fügte er hinzu: „Um sieben Uhr wollte ich eigentlich Zuhause sein und Werder gucken.“

„Saublöd“ fand Rosemarie Forke die Organisation. „Da muss Hoya noch üben“, fand sie, da sie erst spät von der Evakuierung erfahren hatte und ihren Info-Zettel erst bei ihrer Ankunft in der Schule erhielt.

Nach erfolgreich getaner Arbeit begaben sich die Experten des Kampfmittelbeseitigungsdienstes zur Scheibenwiese, um mit den übrigen Einsatzkräften den Ablauf zu besprechen und dabei ein verspätetes Abendbrot einzunehmen. Gelöst und sichtbar erleichtert vom guten Ausgang der Aktion waren dort neben Samtgemeindebürgermeister („Ich hab mein Hoya noch nie so leer gesehen.“) auch sein Ordnungsamtsleiter Uwe Back.

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