Levern - Da, wo die Bundesregierung „nach Fukushima“ hin will, ist Stemwede schon längst. 2020 sollen in ganz Deutschland erneuerbare Energien mindesten 35 Prozent des erzeugten Stroms ausmachen. Darüber, dass im vergangenen Jahr in der Flächengemeinde 9,8 Prozent der Energie von Photovoltaikanlagen, 19,6 Prozent von Biomasse und 8,9 Prozent von Windkraftanlagen – insgesamt 38,3 Prozent – erzeugt wurden, berichtete RWE-Kommunalbetreuer Johannes Geers jetzt den Mitgliedern des Bauausschusses in Levern.
„Stemwede hat das Ziel der Regierung schon erreicht, aber da ist noch Potenzial in der Fläche“, sagte Geers und zeigte gleichzeitig auf, dass der Altkreis Lübbecke die 35-Prozent-Hürde mit 25,6 Prozent längst noch nicht genommen hat.
Viel Potenzial sah Geers in der Windenergie und auf Stemwede bezogen im Windpark Oppendorf/Oppenwehe. Dort könne der Erzeugungsanteil sogar über 50 Prozent steigen, wenn die zehn bestehenden Windkraftanlagen durch 2,5-Megawatt-Anlagen ersetzt würden. Dies würde aber allein wegen der Abstandregelungen schwierig. Um das Ziel der Regierung für ganz Deutschland zu erreichen, müsse in ländlichen Gebieten mehr Strom erzeugt werden, da dies in Städten nicht machbar sei.
„Ohne Netzausbau wird es keine Weiterentwicklung bei den erneuerbaren Energien geben“, sagte Geers. Man spreche mittlerweile vom „Sammelnetz“, da die Hauptaufgabe des Netzbetreibers das Einsammeln und weiterleiten von Strom geworden sei. Laut dem Kommunalbetreuer müssten 3 600 Kilometer Höchstspannungsleitung neu gebaut werden. Davon sei auch Stemwede betroffen. Wegen Problemen gebe es aber Verzögerungen bei diesem Ausbau.
„Keine richtigen
Engpässe in Stemwede“
„Bevor man über neue Windparks berät, muss man erstmal die Verteilung regeln“, sagte Jürgen Lückermann (FWG). „In Stemwede gibt es keine richtigen Engpässe. Wo es in der Region ein bisschen schwierig ist, ist im Bereich Pr. Ströhen. Da sind Biogasanlagen ans Netz gegangen, wo vorher eigentlich nichts war – nur ein paar Gehöfte“, so Johannes Geers. In das Netz im Norden Rahdens müsse der Netzbetreiber rund zwei Millionen Euro investieren, nur damit die Einspeisung gesichert sei.
„Soll das so bleiben?“, wollte Hermann Gesenhues (Grüne) von Geers wissen und sprach eine RWE-Windkraftanlage in Drohne an, die mit viel Aufsehen eingeweiht worden war, nun aber seit langer Zeit stillsteht.
Die Anlage sei defekt gewesen, deshalb habe man sie reparieren wollen. Nach langer Standzeit habe sich jedoch die Flügelausrichtungstechnik verabschiedet, so Geers. „Am liebsten wollen wir sie natürlich repowern.“ „Alle Räder drehen sich, eins steht. Und ausgerechnet das gehört dem Netzbetreiber. Das macht keinen guten Eindruck“, merkte Gesenhues an.
„Sie zahlen unsere Windkraft-Analyse und die Überplanung des Gemeindegebietes und wir erlauben Repowering“, schlug Jürgen Lückermann (FWG) einen Handel vor. „Was durchaus interessant wäre, wäre ein Windpark mit Bürgerbeteiligung“, rührte Geers die Werbetrommel. · kap
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