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„Viele Gymnasiasten wollen sich erstmal orientieren“

Bundesfreiwilligendienst nicht überall Erfolg / Lebenshilfe hofft auf Bewerber

„Viele Gymnasiasten wollen sich erstmal orientieren“

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Minden-Lübbecke - Nach dem Abitur gleich ein Studium beginnen oder zuerst etwas praktische Lebenserfahrung sammeln? Vor dieser Entscheidung stehen viele junge Menschen. Auch die Rahdenerin Lea Günther stellte sich diese Frage.

Lea Günther (rechts) arbeitet als „Bufdi“ im Jugendcafé in Rahden, wo sie nachmittags ein Auge auf die Jugendlichen hat, die hier wie Dominik Billard spielen. ·

© Foto: Russ

Lea Günther (rechts) arbeitet als „Bufdi“ im Jugendcafé in Rahden, wo sie nachmittags ein Auge auf die Jugendlichen hat, die hier wie Dominik Billard spielen. ·

„Ich hatte in Erwägung gezogen, nach dem Abitur gleich zu studieren, habe mich dann aber doch entschieden, vorher praktische Erfahrungen zu sammeln“, erzählt die 22-Jährige. So ist sie Anfang November als „Bufdi“ im Jugendcafé der Stadt Rahden „gelandet“.

Der Bundesfreiwilligendienst (BFD) bietet seit der Abschaffung des Zivildienstes eine Alternative zu den bisherigen Angeboten wie Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) oder Berufsvorbereitendes Soziales Jahr (BSJ). Doch auch wenn Bundesfamilienministerin Kristina Schröder zu Beginn des Jahres eine positive Zwischenbilanz zog, gerade in ländlichen Regionen sind Bewerber oft Mangelware.

Auch im Kreis Minden-Lübbecke setzen einige Organisationen ihre Hoffnungen auf den doppelten Abiturjahrgang und in der Folge viele Bewerber. Andere haben noch gar keine Erfahrungen mit dem BFD gemacht und wollen erst jetzt einsteigen.

Der Stadt Rahden bereitte die Besetzung der beiden Stellen im Jugendcafé – ein FSJler und ein BFDler – keine Probleme. Mit Bewerbungen überschüttet werde man zwar nicht, aber vier Interessenten pro Stelle gebe es im Durchschnitt schon, erklärt Stadtjugendpflegerin Vanessa Hermeling. „Viele Gymnasiasten wollen sich erstmal orientieren“, ist ihre Erfahrung. Die Bewerber seien meistens sehr vielversprechend, allerdings komme es schon vor, dass sie kurzfristig absagten, weil sie doch noch einen Studien- oder Ausbildungsplatz bekommen haben. „Dafür muss man natürlich Verständnis haben.“

Lea Günther hat sich ganz bewusst für ein ganzes Jahr entschieden und diesen Entschluss nicht bereut. „Ich hätte nicht gedacht, dass ich von den Jugendlichen so gut aufgenommen werden würde.“ Im Jugendcafé ist sie nachmittags für die Betreuung der Schüler verantwortlich, bastelt mit den Jüngeren und beaufsichtigt die Älteren beim Billardspielen. Wenn besondere Veranstaltungen anstehen, unterstützt sie Vanessa Hermeling bei Planung und Organisation.

Lebenshilfe hat es

schwerer als Stadt

Die Lebenshilfe Lübbecke hat es etwas schwerer. Früher waren hier 59 Zivildienstleistende beschäftigt. Dem steht aktuell nur ein BFDler in Bünde gegenüber. Deutlich größeres Interesse findet das Berufsvorbereitende Soziale Jahr (BSJ). 37 junge Männer und Frauen seien in diesem Rahmen derzeit für die Lebenshilfe tätig, erklärt Martina Wansner, zuständig für das Personalwesen. Alle Lücken können die BSJler allerdings nicht schließen. Zudem ist das Berufsvorbereitende Soziale Jahr kostenintensiver, da es dafür anders als für den Zivildienst keine Zuschüsse gibt. Der Bundesfreiwilligendienst wird dagegen ebenfalls gefördert.

Zu dem finanziellen Aspekt komme hinzu, dass diejenigen, die sich für ein Berufsvorbereitendes Soziales Jahr interessierten, oft jünger als Zivildienstleistende seien, erläutert Wansner. „Die Zivildienstleistenden hatten in der Regel einen Führerschein und häufig bereits eine Berufsausbildung.“ Die BSJler seien oft jünger und darum nicht für alle Tätigkeiten einsetzbar, bedauert sie. Die Lebenshilfe Lübbecke will darum künftig intensiver um „Bufdis“ werben.

Weniger betroffen vom Ende des Zivildienstes ist die Arbeiterwohlfahrt (Awo). Nach Angaben von Andrea Watermann vom Kreisverband der Awo werden hier derzeit zwei „Bufdis“ beschäftigt. Maximal sechs Zivildienstleistende hatte die Organisation in der Vergangenheit in Dienst gestellt, meistens seien es jedoch weniger gewesen, so die Awo-Mitarbeiterin.

Das Deutsche Rote Kreuz im Altkreis Lübbecke setzt seit rund fünf Jahren keine Zivildienstleistenden mehr ein – nach der Einstellung des Fahrdienstes wurden sie nicht mehr gebraucht. In Zukunft möchte man sich dennoch am BFD beteiligen. „Wir überlegen, Bundesfreiwilligendienstler im Rahmen der Kinder- und Jugendhilfe einzusetzen“, erklärte DRK-Kreisgeschäftsführer Dietmar Heßlau auf Anfrage. Das DRK wolle sich noch in diesem Jahr an der Ausschreibung beteiligen. · mer

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