Rahden - Auch wenn das unschöne Wetter derzeit jeden Schritt vor die Haustür schwer macht, lohnt sich der Gang, schließlich hält Bewegung gesund – besonders im Freien. Eine weitere Alternative zu einem „planlosen“ Spaziergang hat Rahdenes Ortsheimatpfleger Claus-Dieter Brüning ausgearbeitet.

© Foto: Pröpper
Rahdens Ortsheimatpfleger Claus Dieter Brüning hat eine neue Wanderroute ausgearbeitet. ·
Vergangenes Jahr stellte Brüning seine 6,9 Kilometer lange „Denkmalroute“ durch Rahden vor (wir berichteten), die er auf der Internetseite http://www.wandermap.de online gestellt hatte. Seit kurzem ist auch die 2,9 Kilometer lange Wanderstrecke „Auf den Spuren jüdischer Mitbürger“ im Internet zu finden.
„Die Grunddaten dieser Route wurden 1995 von der Geschichtswerktstatt der Hauptschule Rahden zusammengetragen und als Ausarbeitung ‚Sie lebten mitten unter uns – Spurensuche – Juden in Rahden‘ veröffentlicht“, erklärt der Ortskenner.
Start- und Zielpunkt der Strecke ist das Rahdener Amtsgericht. „Nach Abstimmung mit dem dortigen Ortsheimatpfleger ist eine Besichtigung des Judenfriedhofes in der Altgemeinde von Espelkamp ebenfalls zu empfehlen“, so Brüning, der sich für das Gedenken an die jüdischen Mitbürger stark macht.
So setzte er sich 2011 mit einem Antrag im Ausschuss für Soziales, Sport, Kultur und Tourismus der Stadt Rahden dafür ein, dass der Parkplatz am Rathaus, wo früher die Synagoge stand, einen würdigen Namen erhält. „Zahlreiche Besucher kommen zum Rathaus und stellen ihr Auto ab, ohne dass sie wissen, dass hier die Synagoge stand“, bedauerte der Ortsheimatpfleger damals. Es weise nur ein Gedenkstein am Rand des Parkplatzes darauf hin. Der Grundstein für die Synagoge sei am 17. Oktober 1851 gelegt worden. Dieser Termin jährte sich 2011 zum 160. Mal.
In der Sitzung wurde vorgeschlagen, einen Gestaltungskreis zu schaffen, in dem Vertreter aller Fraktionen, der Ortsheimatpfleger und der Rahdener Kulturverein Kul-Tür vertreten sein sollen. Dessen Vorsitzende Monika Büntemeyer hatte zuvor angeregt, „Stolpersteine“ in die Gehsteige vor den Gebäuden, in denen einst die Rahdener Juden lebten, einzulassen. Der Rahdener Rat stimmte der Gründung des Arbeitskreises zu.
Die Strecke im
Überblick
Der Rundgang beginnt am Amtsgericht in Rahden, wo bis 1960 ein einstmals von der jüdischen Familie Goldstein bewohntes Haus stand.
Wand an Wand zum heutigen Rathaus stand die Rahdener Synagoge. Diese wurde 1852 eingeweiht und am 10. November 1938 durch Brandstiftung zerstört (heute Parkplatz neben dem Rathaus). An die Synagoge erinnert heute noch ein kleiner Obelisk, der 1980 am Rande des Parkplatzes errichtet worden ist.
Man verlässt den Friedhof durch den kleinen Ausgang zur Lemförder Straße. Dort schräg gegenüber stand das Haus der Familie Frank. Heute ist von diesem
Gebäude nicht mehr viel zu erkennen, lediglich ein paar Grundmauern blieben nach mehreren Umbauten erhalten.
Bevor das Ärztehaus am Kreisverkehr errichtet wurde, befand sich hier die Wohnstätte von Richard Frank. Vor Errichtung der Synagoge befand sich in der Steinstraße im Hause des Landwirts Bremer (nicht mehr erhalten) der Betraum der jüdischen Gemeinde.
Dort wo jetzt die Eisdiele ist, befand sich das von der Kaufmannsfamilie Oppenheim errichtete Kaufhaus. Das Gebäude ist bis heute weitgehend so erhalten geblieben.
Im Haus an der Langen Straße 4 (ehemals „Jeans-Center“) wohnte die Familie Hugo Oppenheim.
Vorbei an der Kirche geht es durch die Wehme zur Ecke Gartenstraße/Weher Straße. Im ehemaligen Haus zur Heide, jetzt Standort des Kik-Marktes, wohnte früher die Familie Frankenberg.
Im heute noch gut erhaltenen Spengenmannschen Haus (jetzt Schuhmarkt) wohnte Familie Vogel zur Miete. Nicht mehr erhalten ist das Wohnhaus an der Ecke Bahnhofstraße/Weher Straße, wo früher Harriet Sauer wohnte. Die Häuser Bahnhofstraße 8, Bahnhofstraße 16 und Bahnhofstraße 26 bewohnten früher die jüdischen Familien Weidenbaum, Heine, Haas, Goldstein und Horwitz. Alle drei Häuser sind heute gut erhalten oder wurden kürzlich renoviert.
Durch die Professor Langhorststraße geht es nun zum Kriegerdenkmal am Alten Markt.
Auf der Tafel mit den Gefallenen des Ersten Weltkrieges wurden 1976 die Namen der jüdischen Gefallenen Erwin Meyer und Hermann Oppenheim (leicht verfälscht) wieder hinzugefügt, nachdem sie in der Nazizeit entfernt worden waren. Die Namen stehen alphabetisch außer der Reihe.
Die Häuser Marktstraße 20 und 22 waren seinerzeit von den Familien Ginsberg bewohnt und sind heute nicht mehr erhalten.
Im Haus Marktstraße 20 lebten 1942 die letzten Rahdener Juden, bevor sie nach Warschau deportiert wurden. Über die Katzengasse und den Kirchplatz gelangt der Wanderer zurück zum Ausgangspunkt.
· kap
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