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Gisbert Bick referiert im Life House über Lese-Rechtschreib-Schwäche

Lesen fängt beim Hören an

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Wehdem - Lesen und Schreiben ist wie Fahrradfahren. Wenn man es einmal gelernt hat, muss man nicht mehr darüber nachdenken. Man kann es einfach. Immer mehr Kindern bereiten diese grundlegenden Fähigkeiten allerdings Probleme. Sie leiden an einer Lese-Rechtschreib-Schwäche. Die Folge sind Schwierigkeiten beim Lernen und schlechte Noten in der Schule.

Bei den zahlreichen Kita-Mitarbeitern, Grundschullehrerinnen und einigen Eltern stieß der Vortrag von Gisbert Bick auf großes Interesse. ·

© Foto: Russ

Bei den zahlreichen Kita-Mitarbeitern, Grundschullehrerinnen und einigen Eltern stieß der Vortrag von Gisbert Bick auf großes Interesse. ·

Über die eigentliche Ursache der Rechtschreibprobleme haben Wissenschaftler lange gestritten. Inzwischen, so erklärte Gisbert Bick am Dienstagabend im Life House, setze sich mehr und mehr die Ansicht durch, dass es sich schlicht um ein Automatisierungsdefizit handelt, das mit Tests aufgedeckt und mit entsprechendem Training abgebaut werden kann.

Bick ist seit 1977 als Referent in der Erwachsenen- und Lehrerfortbildung tätig. 2001 gründete er das Institut für Wahrnehmungs- und Lerntraining in Stemshorn. Auf Einladung des DRK-Familienzentrums Stemwede referierte er vor Grundschullehrerinnen, Kita-Mitarbeiterinnen und Eltern aus Stemwede und den Nachbargemeinden.

Kindern mit einer Lese- Rechtschreibschwäche falle es schwer, Laute mit gedruckten Buchstaben und Wörtern in Verbindung zu bringen, „ohne darüber nachzudenken“, erläuterte Bick. Das Problem beginnt seiner Ansicht nach häufig schon im Kleinkindalter. „Wir können nur erkennen, was wir kennen. Wenn ein Kind bestimmte Laute nicht richtig hören kann, kann es später auch nicht richtig lesen“, so Bick. Darum sei es für die Entwicklung enorm wichtig, Kindern vorzulesen, damit eine dauerhafte Verknüpfung von Bildern und Lauten im Gehirn entstehe und später automatisch abgerufen werden könne.

Im mangelnden Sprachangebot sieht Bick denn auch eine der häufigsten Ursachen für eine Automatisierungsstörung. „Ein Fernseher ist kein Ersatz. Nur live funktioniert“, lässt Bick keinen Zweifel daran, dass elektronische Medien kein Ersatz für menschlichen Kontakt sind. Eine weitere Hauptursache sind häufige Mittelohrentzündungen. Sie beeinträchtigten das Hören, wodurch eine Verknüpfung von Bildern mit den richtigen Lauten erschwert werde, so Bick. Auch Hörschäden durch Lärm, beispielsweise zu laute Musik, könnten zu einer Lese-Rechtschreibschwäche führen.

Etwa 20 verschiedene Tests können dabei helfen, die Leistungsgrenze eines betroffenen Kindes auszutesten. Danach beginnt das Training. „Die Erfahrung zeigt, dass es wenig Sinn macht, mit diesen Kindern immer mehr Lese- oder Rechtschreibübungen zu vollziehen“, so Bick. Vielmehr könne mit einer bestimmten Art des Lesens die Geschwindigkeit der Verarbeitung im Gehirn – die Ursache der Lese-Rechtschreibschwäche – erhöht werden.

Bei den Mitarbeiterinnen von Kindergärten und Ganztagsschulen stießen die Ausführungen Bicks auf großes Interesse. „Wir beobachten eine deutliche Zunahme von Sprachproblemen bei unseren Kindern“, berichtete Christina Frobieter, Leiterin der DRK-Tageseinrichtung in Haldem. Damit die Kinder in der Schule mithalten könnten, sei es wichtig, frühzeitig gegenzusteuern. Darum bemühe man sich auch in der Kita, diesen Kindern zu helfen. Bicks Anregungen seien da sehr hilfreich. · mer

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