Wehdem - Pfarrer der Evangelischen Kirche von Westfalen können noch bis Ende 2015 vorzeitig in den Ruhestand gehen – und einige heimische Geistliche machen das auch, so wie Günter Kreher (Oppenwehe, wir berichteten) und Ulrich Mentemeier, seit mehr als drei Jahrzehnten Pfarrer der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Wehdem. Am 31. Juli wird der 58-Jährige seinen Platz offiziell für einen jüngeren Theologen freimachen. „Es tut der Gemeinde gut, auch mal neue Wege zu gehen“, sagte Mentemeier gestern im Gespräch mit unserer Zeitung.

© Foto: Pröpper
Pfarrer Ulrich Mentemeier verlässt die Kirchengemeinde Wehdem Ende Juli. Nach mehr als 32 Jahren Kirchenarbeit in Stemwede erwartet den 58-Jährigen der Ruhestand. ·
Wenn er die Kirchengemeinde Wehdem verlässt, war er etwas länger als 32 Jahre ihr „100-Prozent-Pfarrer“. „Ich und das Presbyterium gehen davon aus, dass meine Stelle wieder besetzt wird“, so der gebürtige Barkhausener.
Am 1. April 1980 begann Ulrich Mentemeiers Dienst am Stemweder Berg. Mit seiner Frau und seinem Sohn bewohnt er derzeit eine Dienstwohnung nahe der Kirche. Vieles wird sich mit seinem Eintritt in den Ruhestand ändern: so zum Beispiel der Wohnort der Mentemeiers, die es wieder in Richtung Lübbecke zieht, wo das Familienoberhaupt vor seiner Stemweder Zeit zwei Jahre lang Vikar war. Ein paar Pläne für seine Zeit a.D. hat Mentemeier auch schon – aber die wollte er gestern nicht verraten.
Was hat sich in 32 Jahren Kirchwesen am Stemweder Berg geändert? „Früher“, erinnert sich der Geistliche, „war manches viel traditioneller, so zum Beispiel der Gottesdienstbesuch. In Wehdem hat es viele Umbrüche gegeben. So hatten die landwirtschaftlichen Betriebe beispielsweise ein stärkeres Gewicht.“
Unter dem Leitspruch „Bewährtes bewahren, Neues wagen“ habe er Anfang der Achtziger seinen Dienst in Stemwede angetreten. „Die Devise sollte auch für meinen Nachfolger gelten“, wünscht sich Mentemeier. Vertrauensvoll sei die über Jahre gewachsene Zusammenarbeit mit dem Presbyterium, und die Arbeit mache ihm nach wie vor Freude. „Die ist kein Grund zu gehen.“ Was die Kirchengemeinde Wehdem sonst noch besonders macht? Die gute kirchenmusikalische Arbeit, die größtenteils auf den Schultern von Organistin, Chor- und Posaunenchorleiterin Dimuth van der Bent ruht, so Mentemeier.
Die westfälische Landessynode verlängerte im November vergangenen Jahres eine Regelung, nach der Pfarrer ab einem Alter von 58 Jahren vorzeitig in den Ruhestand gehen können. Erklärtes Ziel ist es, dass mehr Pfarrstellen für den theologischen Nachwuchs frei werden und auch Pfarrer mit Beschäftigungsauftrag und im Entsendungsdienst die Chance auf eine reguläre Stelle bekommen.
Das zeitnahe Nachrücken ist laut dem Landeskirchenamt notwendig, da sonst ein Pfarrermangel drohe. Zwischen 2020 und 2030 gehen Berechnungen der Kirche zufolge mehr als 1 200 der gegenwärtig 1 875 Pfarrer in den Ruhestand. Durch die Verlängerung der Ruhestandsregelung um vier Jahre erhalten laut dem Landeskirchenamt knapp 400 Pfarrer die Möglichkeit, früher in den Ruhestand zu gehen.
Wie viele Pfarrer des Kirchenkreises Lübbecke die Regelung in Anspruch nehmen werden, konnte dessen Öffentlichkeitsbeauftragte Christine Scheele gestern nicht sagen. Zu bedenken gebe es aber auch, dass die Zahl der Mitglieder in den Gemeinden sinke. In Bezug auf die Pfarrstellen werde deshalb ein Umdenken notwendig, so Scheele
Ob er die von der Landessynode verlängerte Ruhestandsregelung wahrnehmen wird, wusste Ralf Finkeldey, Verbundpfarrer für die Kirchengemeinden Levern und Dielingen, gestern noch nicht. „Die Frage ist nicht, wer bald in den Ruhestand geht, sondern wie die pastorale Arbeit in zehn Jahren in Stemwede aussehen wird“, erklärte der 55-Jährige und fügte hinzu, dass er und sein Kollege Pfarrer Thomas Horst (Levern) zu den mehr als 1200 Geistlichen gehören, die zwischen 2020 und 2030 regulär ihren Dienst niederlegen. „Wir steuern auf einen Pfarrermangel zu“, sagte Finkeldey und bezog sich damit nicht nur auf Stemwede, sondern auch auf andere ländliche Gemeinden. Es werde allgemein schwieriger, Pfarrstellen auf dem Land zu besetzen, als in Städten. Doch der Kirchenkreis Lübbecke arbeite daran. „Das Problem ist der Pfarrstellenplanung bewusst“, so Finkeldey, der den 3 300 Mitglieder der Kirchengemeinde Levern und den 3 400 Mitgliedern der Kirchengemeinde Dielingen gleichermaßen den Glaubensweg weist. · kap
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