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Kul-Tür-Soirée: Gutes Essen und Kultur

Freche und frivole „Küsschen“

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Rahden - Von Anja Schubert· „Ein Abend mit Essen und ein bisschen Programm.“ So schlichtweg ließe sich auf Ostwestfälisch der Begriff „Soirée“ beschreiben, stellte Monika Büntemeier, Vorsitzende des Rahdener Kulturvereins Kul-Tür zur Begrüßung fest.

Rasant wie ein Ferrari, süß wie Schokolade: „Ferrari-Küsschen“ begeisterten nicht nur rockender Weise mit Lederjacke und Sonnenbrille, sondern versprühten ihren Charme auch bei anderen Songs aus der Musikgeschichte.

Rasant wie ein Ferrari, süß wie Schokolade: „Ferrari-Küsschen“ begeisterten nicht nur rockender Weise mit Lederjacke und Sonnenbrille, sondern versprühten ihren Charme auch bei anderen Songs aus der Musikgeschichte.

        Mit einem stilvollen Ambiente, nicht ganz Alltäglichem auf der Speisenkarte und kulturell anspruchsvollen, aber zugleich bodenständigen Künstlereinlagen, die den Nerv der Bevölkerung treffen, ist die jährliche Kul-Tür-Veranstaltung ein Garant für einen gemütlich-geselligen Abend. Die Soiree jährte sich am Freitag im „Westfalenhof“ zum zwölften Mal.

„Das Haus ist voll“, vermeldete der Rahdener Kulturverein bereits im Januar einen „ausverkauften Abend“ Angesichts des mit den „Ferrari-Küsschen“ aus Hannover zu erwartenden kulturellen Leckerbissen nicht verwunderlich. Denn das gelungene Drei-Gang-Menü mit Auberginenkaviar und Riesengarnele, Tandori-Chicken und Nougatparfait mundete genauso wie der Testarossa zum Empfang und das Kulturprogramm, das die drei Damen und zwei Herren unterschiedlichster musikalischer Herkunft häppchenweise auf der Bühne servierten.

Seit 13 Jahren als Ensemble gemeinsam unterwegs, boten „Ferrari-Küsschen“ – Margarete Paulmann-Nisters (Sopran), Haide Manns (Mezzosopran), Sylvia Reck (Alt) sowie Sänger Volker Bublitz (Tenor) und Ulli Meier-Limberg (Bass) – rasant wie das gleichnamige Automobil und süß wie Schokolade, mit ihrem neuen Programm „...und abends in die Küsschen-Show“ eine Art Revue mit Songs aus 100 Jahren Musikgeschichte. A-Capella, mit ihren Stimmen als Instrument, gewollt schräg, als Quintett ebenso wie mit beeindruckenden Soloeinlagen, begeisterten sie die Gäste. Erst nach knapp viereinhalb Stunden gemütlichen Verweilens und mehreren Zugaben hatte das Publikum ein Einsehen und etließ die „Bühnenpralinés“ von der Bühne.

Die Präsentation der Musikgeschichte führte zu gewollt haarsträubenden Zeitsprüngen: Die Stimmung war grandios und die Künstler verzauberten die Besucher mit ihren komödiantischen Arrangements bekannter Lieder. Frech, frivol und unbekümmert nahmen die Stimmenkünstler ihr Publikum mit auf eine Reise durch das pralle Leben: Herzensbrecher, echte Kerle, Pantoffelhelden und Veteranen des Balls einsamer Herzen kreuzten die Szenerie ebenso wie ein König von Deutschland im Bademantel, Klobürste und Blechbüchsenbier. Zum Song „Blue Moon“ wurde Heinrich Eickenhorst aus dem Publikum als Mondhalter auf die Bühne geholt und gleich von zwei der Damen angehimmelt. Auch Hartmut Jork musste dran glauben. Er machte als Kleiderständer eine gute Figur.

Bei „Du hast Glück bei den Frauen, Bel ami!“ traf es unerwartet auch Eberhard aus dem Publikum. Er avancierte zum Bühnenstar und spätestens jetzt war auch dem letzten Gast klar: Mitmachen ist zweifelsfrei Programm, wenn die „Ferrari Küsschen“ auf der Bühne so richtig in Fahrt kommen. „Bel Ami“ Eberhard machte eine gute Figur, eine mühsam am Stock schlurfende „Tina Turner“ eher weniger – aber das war im Sinne der Akteure. Die Rockröhre war eines der optischen und gesanglichen Highlights. Nach den ersten Takten bewies auch die gealterte Popikone noch Feuer in den müde gewordenen Gliedern.

Das Quintett nahm genüsslich alles und jeden gekonnt auf die Schippe und entfaltete mit dem breiten Spektrum seiner Stimmlagen und Klangfarben, quasi als lebende Instrumente, den satten Sound eines Salonorchesters. „Nachdem händeschüttelnden Abgang durchs Publikum gibt es eigentlich kein zurück auf die Bühne zu einer weiteren Zugabe mehr“, ließen die fünf Vollblutvokalisten verlauten.

Doch wie so oft, fiel Rahden in Sachen Zugaben bei Kulturveranstaltungen auch dieses Mal aus dem Rahmen: Der Abba-Song „SOS“ aus der noch nicht ganz so weit zurückliegenden neueren Musikgeschichte, bildete erst kurz vor Mitternacht tatsächlich den krönenden Abschluss…

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