Weyhe - Von Sigi Schritt WEYHE · Für Migranten sind die Chancen, einen Job zu bekommen, immer noch ein Problem. Aus diesem Grund möchte die Bundesregierung mit ihrem Integrationsgipfel in Berlin erreichen, dass der Staat mit gutem Beispiel voran geht. In Deutschland beträgt der Anteil der Migranten im öffentlichen Dienst rund zehn Prozent. Dieser Wert soll gesteigert werden.

© ksy
Joanna Zamejc
Der Bundesschnitt entspricht derzeit auch dem Wert für Weyhe, sagt Andreas Bovenschulte, Vertreter des Bürgermeisters. Allerdings sei der größte Anteil der Beschäftigten mit Migrationshintergrund in Weyhe im Raumpflegebereich beschäftigt. Doch es gibt auch Angestellte in verantwortungsvollen Jobs. Drei Beispiele: die Leiterin der Weyher Gemeindebibliothek in der KGS Leeste, Joanna Zamejc (52), die Gleichstellungsbeauftragte Ülkü Kilic-Walter (35) und der Integrationsbeauftragte Esref Kizilkara (52).
Esref Kizilkara findet den Integrationsgipfel in Berlin gut. Er wünscht sich eine schnellere Umsetzung, weil er glaubt, dass mehr Migranten in der Verwaltung „das Zusammenleben in der Gesellschaft erleichtern“. Migranten empfiehlt er, so schnell wie möglich die deutsche Sprache zu erlernen und die Traditionen der Region in Erfahrung zu bringen. Kizilkara, 1959 auf Zypern geboren, kam nach dem Zypernkrieg 1977 nach Deutschland zum Studieren. In sieben Monaten hat er Deutsch gelernt – unter anderem beim Goethe-Institut in der Nähe von Ulm. Das Studium der Soziologie und Wirtschaftswissenschaften an der Uni Bremen schloss er als Diplom-Ökonom 1983 ab. Anschließend arbeitete er in verschiedenen Verwaltungen und wurde 1990 in Weyhe Ausländerbeauftragter. Seit 1987 ist er Deutscher. Esref Kizilkara sieht seine Herkunft als Vorteil an, weil er es so schafft, eine Vertrauensbasis zu schaffen. Er betreut derzeit 120 Menschen unter anderem aus dem Libanon, Afrika, der Türkei und Spätaussiedler aus der ehemaligen Sowjetunion.
Auch Joanna Zamejc sieht ihren Migrationshintergrund als großen Gewinn an, weil sie besonders Leute aus slawischen Ländern – besonders aus Polen und Russland – helfen kann.
Die Weyher Gleichstellungsbeauftragte Ülkü Kilic-Walter ist in Bremerhaven 1976 als Kind türkischer Eltern geboren. Sie hat in Bremen Rechtswissenschaften studiert und war nach ihrem Referendariat als Anwältin tätig. Zwischendurch hatte sie die deutsche Staatsangehörigkeit beantragt und auch erhalten.
Für die 35-Jährige habe das Thema Gleichstellung schon immer eine Rolle gespielt. Durch ihre Herkunft habe sie für Defizite einen besonderen Blick. „Bei mir leuchtet alles auf, wenn ich Familien sehe, deren Kinder nicht in den Kindergarten gehen oder es in Wohnungen keine Kinderbücher gibt.“ Ihr Tipp: „Die Mehrsprachigkeit im Job einsetzen. Die kulturelle Vielfalt als Vorteil ansehen.“
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