Melchiorshausen - Von Philipp KösterDer Widerstand gegen die im Raum stehende Schließung der Melchiorshauser Grundschule formiert sich. Inzwischen hat sich eine Bürgerinitiative gegründet, die auch von den Schützen- und Sportvereinsvorständen unterstützt wird.

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Die Melchiorshauser Grundschule ist die älteste in der heutigen Gemeinde Weyhe. Das Gebäude stammt aus dem Anfang des 20. Jahrhunderts. · Archivfoto: Schritt
In einem Schreiben an die Ratsmitglieder will der Melchiorshauser Schulelternrat (SER) „überzeugende Fakten zur Erhaltung der niedersächsischen ,Top-10‘-Grundschule Melchiorshausen“ liefern. Er fordert zudem die Beseitigung der Brandschutzmängel, die sofortige Wiederaufnahme des uneingeschränkten Schulbetriebes und die langfristige Aufrechterhaltung des Standortes.
Die Melchiorshauser versuchen die zwei Hauptargumente, die für die Schließung sprechen, mangelnde Sicherheit und Schülerzahlen, zu entkräften.
Sicherheit: Eine Begehung mit Fachhandwerkern in den Ferien habe gezeigt, dass die Elektrik überhaupt kein Problem sei. Und für zwei Rettungstreppen, eine Feuerschutztür und Brandmelder müsste die Gemeinde lediglich eine niedrige fünfstellige Summe investieren. „Die Millionenbeiträge sind an den Haaren herbeigezogen“, sagt der SER-Vorsitzende Martin Lück.
Schülerzahlen: „Die Bürgerinitivative hat „ohne Schwierigkeiten Unterschriften von Eltern gesammelt, die im kommenden Schuljahr insgesamt 18 Kinder für die erste Klasse anmelden wollen“, heißt es in einer Presserklärung. Das zeigten auch die offiziellen Statistiken aus dem Rathaus, in die die Schwebebezirke noch nicht einbezogen sind, also die Gegenden zwischen den Grundschulen Erichshof und Leeste, wo Eltern die freie Wahl haben. In der Tat ist laut einer Prognose der Gemeinde mit 14 Abc-Schützen allein aus Melchiorshausen zu rechnen. Im Jahr 2010 sind 15 Schüler eingeschult worden. „Von Schülermangel also keine Spur!“, folgern die Melchiorshauser.
Die lediglich zehn Einschulungen im Sommer 2011 seien auf „schlechte Presse über die Grundschule“ und das „aktive Abwerben“ von Kindern durch die Erichshofer Schulleiterin Angelika Feifer zurückzuführen.
Angelika Feifers Leester Kollegin Ingrid Delgehausen stoßen die geringen Schülerzahlen in Melchiorshausen schon länger sauer auf: „Dieses Privileg für eine ganz kleine Schule ist den großen Schulen gegenüber nicht fair.“ Wenn aber im Sommer 18 Schüler eingeschult würden, wäre das „okay“. Alles unter 16 ist zu wenig.
Der CDU-Fraktionsvorsitzende Dietrich Struthoff bezweifelt, dass es in Melchiorshausen genügend Schüler geben wird. Und die derzeitige gemeinsame Unterrichtung der ersten und zweiten Klasse gehe nicht an. „Wie kommen die Kinder denn später an den weiterführenden Schulen zurecht?“ Schon im Februar 2011 hätten die Fraktionsvorsitzenden in einem Gespräch mit dem SER klar Position bezogen: „,Wenn es genügend Schüler gibt, schließen wir nicht‘, haben wir damals gesagt.“ Das hätten die Melchiorshauser zugesagt. „Der Rat hat dann später aber nichts davon gewusst, dass tatsächlich nur zehn Kinder eingeschult werden“, ärgert sich Struthoff. Und die von den Eltern angeführte Beurteilung Melchiorshausens durch eine Schulinspektion mit Bestnoten in allen Bereichen datiere schon aus dem Jahr 2007. „Aktuell belegt Melchiorshausen einen der letzten Plätze im Landkreis.“
Er sehe sich als gewählter Politiker in der rational gesteuerten Verantwortung für alle Bürger Weyhes, und nicht nur für die Bewohnerschaft „einer kleinen Häuseransammlung“. „Lokalpatriotismus“ helfe nicht weiter.
Die Menschen im Ortsteil an der B 6 befürchten indes das Sterben ihres Dorfes, wenn die Schule dichtgemacht wird. „Gehen die Kinder woanders zur Schule, treffen sie sich auch nachmittags woanders“, sagt Andreas Lange, Vorsitzender des TSV Blau-Weiß Melchiorshausen. Darunter hätten Schützen- und Sportverein und auch die Feuerwehr zu leiden.
Weyhes Ratsvorsitzende Astrid Schlegel (SPD), die in Sichtweite der Grundschule wohnt, setzt auf einen konstruktiven Dialog von Parteien, Eltern und Verwaltung. „Wir müssen schauen, was ist für die Kinder das Beste.“ Aktuell gehe es um die Schülerzahlen für das kommende, aber auch für die nachfolgenden Jahre. „Es muss ja auch eine Perspektive geben.“
Und am kommenden Montag wollen sich SER-Vertreter mit den Fraktionsvorsitzenden treffen, damit sich die Ratsleute vor der Schulausschusssitzung am Montag, 16. Januar, um 18.30 Uhr ein Bild von der Situation machen können.
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