Melchiorshausen - Ein ganz besonderes Erlebnis hatten am Sonntag einige Interessierte auf dem Pferdehof des Reitvereins Bremen-Warwe an der Ristedter Straße. Zu Gast war der Franzose Marc de Broissia, der in Fachkreisen als Koryphäe der Barockreiterei gilt.

© Foto: jeh
Marc de Broissia gibt Zwei- und Vierbeinern Tipps. ·
Der erschien im eiskalten Stall fast wie ein Pferdeflüsterer und zog die überschaubare Schar der Zweibeiner sowie den Vierbeiner „Tabero“ fest in seinen Bann. Einfach faszinierend war es mitanzusehen, wie er mit dem temperamentvollen, noch sehr jungen Spanier der Vereinsvorsitzenden Miriam Schulz Kontakt aufnahm.
„Er muss noch viel lernen“, gab es nach der intensiven Lektion das abschließende Urteil. Per Augenkontakt, mit kleinen leisen Pfiffen und kurzen Bewegungen an der Longe hielt de Broissia perfekte Kommunikation zum nicht einfachen Schimmel. Der drückte seinen Unmut per Körperhaltung aus, aber ganz sanft und dennoch konsequent und präzise setzte der Mensch seine Befehle durch. „Aufkratzen kann man den von einer Sekunde zur anderen“, warnte der Fachmann hinsichtlich des ungestümen Temperaments des Pferdes. „Geben Sie ihm Sicherheit, holen Sie ihn runter und lassen Sie ihn zur Ruhe kommen“, gab es konkrete Hinweise.
Wie man es richtig macht, zeigte der 63-jährige Experte anschaulich an der Longe und später auch Miriam Schulz auf ihrem Pferd.
„Üben Sie keinen Druck durch Beine oder Hand aus, dann fühlt sich das Pferd wie in einem Schwitzkasten“, erteilte dieser Miriam Schulz eine weitere Lerneinheit für ihren „Tabero“. Ein Pferd könne nur einen guten Schritt entwickeln, wenn es sich frei fühle.
Ein wenig klang der Kursus wie eine Elternschule. Auch darin werden heute alte Weisheiten des Grenzensetzens, der unbedingten Sicherheit und Liebe für ein Kind gepredigt.
„Ausbilder schießen heutzutage wie Champignons aus dem Boden“, beschrieb Marc de Broissia das Chaos auf dem Markt. Alles müsse schnell gehen, „aber wo bleibt das Pferd, das sitzt schließlich nicht vor dem Computer“, hatte er nachdenkliche Worte für das kleine Fachpublikum mitgebracht. Sich Zeit lassen und auf das Pferd einzugehen, sei oberste Maxime.
„Tabero“ gewann zunehmend Vertrauen zu dem für ihn fremden Menschen mit der leisen, aber unmissverständlichen Stimme und den vielen Streicheleinheiten. · ak
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