Kirchweyhe - Willkommen im Hotel Mama – oder besser gesagt im Hotel Papa. Die erwachsenen Kinder wollen partout nicht auf eigenen Füßen stehen und genießen den Komfort, den der Herr Vater ihnen bietet. Aus diesem durchaus lebensnahen Stoff spinnt Autor, Hauptdarsteller und Regisseur Frank Pinkus die neue Komödie des Weyher Theaters. „Alles unter einem Dach“ hat er die neue Inszenierung passend genannt.

© Foto: hu
Zeit für traute Zweisamkeit wollen Steffi (Beate Plate) und Jan (Marc Gelhart) genießen – das gelingt nicht so recht bei all den Turbulenzen im Hotel Papa. ·
Soviel vorweg: Die 66. Premiere reiht sich nahtlos in die Erfolgsgeschichte des Hauses ein. Und darum dreht sich der neue Zweiakter: Der Notar Hans (Frank Pinkus), seit fünf Jahren Witwer, hat in Tine (Antje K. Klattenhoff) endlich eine neue Liebe gefunden. Hans‘ Söhne ahnen davon nichts. So richtig genießen kann das Paar sein neues Glück ohnehin nicht. Denn im Haus lebt ja noch Sohn Jan (Marc Gelhart). Der hat mit seinen 35 Jahren noch nicht viel auf die Beine gestellt, und lässt sich vom Vater bedienen. Kochen, waschen, bügeln – alles bleibt am Papa hängen. Und dann zieht auch noch Jans Freundin Steffi (Beate Plate) mit ins Hotel Papa. Sie lernt schnell den Komfort in Schwiegervaters Reich schätzen.
Damit nicht genug: Plötzlich steht der ältere Sohn Johannes (genannt Jonny, gespielt von Kay Kruppa) vor der Tür, völlig aufgelöst und verheult. Ausgerechnet während eines Mallorca-Urlaubs hat ihn seine Frau Sabine den Laufpass gegeben. Nun sucht auch noch Jonny Unterschlupf im Elternhaus.
Und dann ist da ja noch der Nachbar Jürgen (Joachim Börker). Der homosexuelle, arbeitslose Meteorologe ist Tines Bruder, verliert ständig seinen Haustürschlüssel und ist deshalb Dauergast in Hans‘ Haus. Bei ständigem Kommen und Gehen bleibt also kaum Zeit für die traute Zweisamkeit, die sich Hans und Tine erhoffen. An die schönste Nebensache der Welt ist bei so viel Trubel unter einem Dach ohnehin nicht zu denken.
In Hans‘ Haus herrscht das pure Durcheinander. Ob er und seine Tine ihre Liebe doch noch offenbaren können? Findet Jonny ein neues Glück? Gelingt es Jan und seiner Steffi, sich endlich vom Hotel Papa zu lösen und etwas aus ihrem Leben zu machen? Allzu viel soll nicht verraten werden, denn die über 30 noch folgenden Aufführungen von „Alles unter einem Dach“ sind schon fast ausverkauft. Und die Zuschauer wollen ja selbst erleben, ob die Geschichte ein Happy End nimmt. Nur soviel sei gesagt: Das Weyher Theater wäre nicht das Weyher Theater, wenn sich am Ende einer Inszenierung nicht alles fände.
Gut gelaunte Schauspieler mit Spaß an ihren Rollen, ein sicheres Gespür für Situationskomik, spritzige Dialoge und nicht zuletzt das aufwändige Bühnenbild, das noch frisch nach Farbe riecht, sorgen dafür, dass auch die 66. Premiere im Weyher Theater ein Erfolg wird. Als sich der Vorhang senkt, klatscht das begeisterte Publikum minutenlang und erhebt sich von seinen Plätzen. · pe
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