Weyhe - Von Philipp KösterTrotz der ohnehin schon guten Bilanzen in den vergangenen Jahren verzeichnet der Weyher Bürgerbusverein für 2011 einen abermaligen Anstieg der Fahrgastzahlen um satte 19,2 Prozent. Die beiden Linien werden so gut angenommen, dass der Verein zu Spitzenzeiten manchmal ein Luxusproblem hat: Der Bus mit den acht Plätzen ist voll.
Die „traditionelle“, seit Beginn des Fahrbetriebs im Jahr 2001 bestehende Linie 117 von Erichshof über Leeste und Kirchweyhe nach Sudweyhe haben nach Zählungen der „Bürgerbusler“ im vergangenen Jahr knapp 23 250 Fahrgäste genutzt. Das entspricht einem Plus gegenüber 2010 von 16,5 Prozent. Auf der Linie 116 (Jeebel – Lahausen – Melchiorshausen – Leeste) stiegen 6 127 Bürger zu, was einer Steigerung von 31,1 Prozent entspricht.
Für den Bürgerbusverein doch sicher ein Grund zur Euphorie, oder? Geht so. Hans Töbelmann, den zweiten Vorsitzenden, bringen die Zahlen nicht aus der Ruhe: „Das ist normal, anfangs krebsen die Linien ein bisschen rum, dann sind sie akzeptiert. Und das setzt jetzt auch bei der 116 ein“, sagt der Mann, der für die Mitgliederbetreuung und die Pressearbeit zuständig ist.
Während die Zahl der Fahrgäste steigt, sinkt deren Altersdurchschnitt: Nicht nur ältere Bürger nutzten das zusätzliche Mobilitätsangebot in der Gemeinde, sondern auch Mütter mit Kinderwagen, Schüler und immer häufiger auch Arbeitnehmer, sagt Töbelmann.
Zurzeit 38 Fahrer steuern ihren Bus zwei bis drei Mal im Monat jeweils eine Schicht, also einen halben Tag. Es gibt unter ihnen eine Fluktuation, insofern als der Personenbeförderungsschein nach fünf Jahren erneuert werden muss. „Manche hören dann auf, haben eine andere Lebensplanung oder wollen mehr Freizeit.“ Doch es gibt auch Ausnahmen: Gerade hat „Urgestein“ Hans-Werner Deutsch zum zweiten Mal seinen „Schein“ verlängern lassen, strebt somit die dritte fünfjährige Fahrzeit an.
Neueinsteiger sind willkommen: Um Interessenten kümmert sich Alfred Garlich, ehemaliger Fahrlehrer bei der Polizei. Er macht mit ihnen eine Probefahrt, dann prüft ein Arbeitsmediziner, ob Augen, Kreislauf & Co. in Ordnung sind. Schließlich sind die meisten Fahrer im Rentenalter.
In Rente ist im vergangenen Jahr auch der erste Bürgerbus gegangen – nach 535 000 Kilometern (wir berichteten). Doch die Maschine läuft noch, und – frisch aufgepeppt – ist er fahrbereit, wenn der im Juni 2011 angeschaffte neue Bus (auf der 116) oder sein Bruder (auf der 117) mal zur Reparatur müssen. Auch andere Bürgerbusvereine könnten den „Oldie“ ausleihen, berichtet Hans Töbelmann.
Der Verein kann übrigens nicht von den Ticketerlösen überleben. „Die decken die Betriebskosten nicht.“ Darum sind die „Bürgerbusler“ der Sparkasse, der Eon Avacon und den Stadtwerken Bremen für ihr Sponsoring dankbar. Wie auch der Gemeinde, die den Verein aktuell mit 1 000 Euro unterstützt hat und die Bushaltestellen in Schuss hält oder behindertenfreundlich umbaut.
Dank und Lob bekommen die Aktiven übrigens überreichlich zurück: von den vielen, meist älteren Bürgern, die dem Angebot ein hohes Maß an Mobilität verdanken – und damit einen ganzen Tank voll Würde im Alter.
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