Von Anke SeidelSYKE/WINKELSETT · 75 Jahre Einsatz für den Wald feiert der Forstverband Grafschaft Hoya am 29. Februar, dem heute 1 022 Mitglieder mit einer Waldfläche von insgesamt 7 267,61 Hektar angehören. Dazu vier Fragen an den Vorsitzenden des Forstverbandes, Gert Weidenhöfer aus Winkelsett.

© ksy
Gert Weidenhöfer, Vorsitzender des Forstverbands.
Herr Weidenhöfer, welche Bedeutung hatte der Nutzfaktor Wald vor 75 Jahren – und welche hat er heute?
Gert Weidenhöfer: Vor 75 Jahren gehörte der Privatwald in der Regel zum Bauernhof. Holz entnahmen die Landwirte bei Bedarf, zum Beispiel für Bau- oder Zaunholz und natürlich für Brennholz. Gleichzeitig war der Wald eine „Sparkasse“, Holz wurde für besondere Ereignisse geschlagen und verkauft, zum Beispiel für die Aussteuer der Kinder oder für die Anschaffung von Maschinen. Heute sind nur noch 50 Prozent der Waldbesitzer landwirtschaftliche Betriebsinhaber. Sie haben sich so stark spezialisiert, dass sie ihren Wald nicht mehr selbst pflegen und der Forstverband ihr Manager und Dienstleister ist.
Ein eigenes Stück Wald: Bundesweit wächst das Interesse der Bürger an einem solchen Besitz, um sich den Brennstoff für den eigenen Kachelofen oder Kamin zu sichern. Auch im Bereich des Forstverbands?
Wir müssen wieder lernen, mit dem Rohstoff Holz professionell umzugehen. Für das Heizen muss das Holz zwei bis drei Jahre trocknen.
Ansonsten kann es zu Kamin- oder Schornsteinbränden kommen. Das haben wir alles schon gehabt.
Holz schlagen darf nur, wer einen Motorsägen-Führerschein besitzt.
Wie haben sich die Holzpreise im Laufe der Jahrzehnte entwickelt?
Weidenhöfer: Der 13. November 1972 war für uns ein entscheidendes Datum. Nach dem Orkan Quimburga haben wir enorme Sturmbrüche gehabt. Der Holzpreis sank drastisch. Damals brachte Industrieholz zum Beispiel nur umgerechnet 8,90 Euro pro Raummeter. 2006 waren es 24 Euro, nach dem Sturmtief Kyrill 2007 15 Euro und derzeit sind es 26 Euro. Turbulenzen spüren wir weltweit, denn der Holzmarkt ist ein völlig liberaler Markt.
Wirft der oft zitierte Klimawandel Schatten auf den Wald?
Weidenhöfer: Er wirkt sich aus! Die Trockenperioden nehmen immer mehr zu, aber die Bäume brauchen Feuchtigkeit – vor allem im Frühjahr und Sommer. Die Trockenheit stresst die Bäume, sie werden anfällig für Pilze und Schädlinge. Der Borkenkäfer befällt die Fichte stärker, die Buche neigt zum Absterben. Auch die Eiche wird von Schädlingen befallen. Sie wird mit der Trockenheit aber am besten fertig. Erle und Esche haben Schwierigkeiten mit Pilzbefall und werden bei Neuanpflanzungen nicht mehr empfohlen. Sie verschwinden also aus unseren Wäldern. Durch vielfältige Mischungen – auch mit Douglasien, Kiefern und Lärchen – versuchen wir, dauerhafte, standfeste und vitale Wälder zu erhalten. Dazu gehören auch Waldkalkungen, um die sauren Einträge aus der Umwelt zu neutralisieren. Seit 1988 haben wir drei mal Wälder auf einer Fläche von 6 500 Hektar gekalkt. Das ist auch weiterhin geplant.
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