Syke - Von Angelika KratzAls Nachholtermin für das im März ausgefallene Konzert mit Reinhard Schmiedel und Sebastian Kroll gab es am Freitagabend eine weitere Folge von „Novissima – Musikalische Avantgarde des 20. und 21. Jahrhunderts“. Leider nur wenige Besucher fanden den Weg in das Syker Vorwerk.

© Foto: Kratz
Ein strahlender Stephan Steinkühler mit Reinhard Schmiedel (l.) und Sebastian Kroll. ·
Deren Neugierde auf eine ungewöhnliche Klangwelt sollte in den zwei Stunden indes aufs Höchste befriedigt werden.
Die Trompete von Sebastian Kroll überraschte die gespannten Ohren zum Auftakt aus einem hinteren Türrahmen. Von der ersten Minute an war klar: Hier handelt es sich nicht um ein wohliges musikalisches Erlebnis zum Abschalten aus dem Alltag. Aufmerksamkeit war gefragt, denn die vier Miniaturen für Trompete Solo des amerikanischen Komponisten Edward Hoffman zeigten, wo es klangtechnisch beim Blech hingehen kann. Mal drehte es sich in den Miniaturen um den Zentralpunkt „D“, mal um die Technik des Dämpferspiels oder um den strikten Rhythmus. „Wir brauchen Stücke für Studenten, die die ganze Bandbreite des Instruments ausleuchten“, so Edward Hoffmans Meinung, der seine Komposition ganz klassisch mit genauen Anweisungen notiere.
Längst aus dem Studentenstatus heraus ist Sebastian Kroll, der an der Eastman School of Music in Rochester/USA und an der Hochschule der Künste in Bremen an der modernen und der historischen Trompete ausgebildet wurde. Er unterrichtet an der Kreismusikschule Diepholz und an der Universität Vechta. In Weimar traf er auf den Pianisten und Dirigenten Reinhard Schmiedel. Daraus entwickelte sich eine fruchtbare Zusammenarbeit.
Nicht nur Stephan Steinkühler, Leiter der Kreismusikschule Diepholz, fungierte als kompetenter Vermittler zwischen den Werken. Genauso wie Sebastian Kroll hatte auch Reinhard Schmiedel viel Wissenswertes um die Komponisten mitgebracht. Das erleichterte sicherlich erheblich so manches Verständnis eines neuen Hörerlebnisses. Halsey Stevens Sonate für Trompete und Klavier erwies sich vor der Pause fast wie ein wenig Balsam für die aufgescheuchte Seele.
„Man muss nicht unbedingt in einem Wassereimer spielen“, brachte Sebastian Kroll die Faszination der neuen experimentellen Musik auf den Punkt.
Die neue kleine Fangemeinde erhielt im zweiten Programmteil weitere fantasievolle Beispiele mit einem Klavierstück von Friedrich Schenker als Hommage an Arnold Schönberg. Der entwickelte bereits 1920 mit Komponisten im Wiener Kreis die Zwölftonmusik und brach mit traditionellen Hörgewohnheiten. „Noch einmal Ohren geöffnet“, galt es zum Abschluss der Sonata für Trompete und Klavier von Eric Ewazen Aufmerksamkeit zu schenken.
„Erzählen Sie es weiter, damit wir noch mehr Leute begeistern können“, denn es brauche einen langen Atem, weiß Kuratorin Nicole Giese um die langsamen, aber vielversprechenden Anfänge im Syker Vorwerk mit „novissima“.
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