Harmonie in Farbe und Form: Malerei von Hans Meyboden im Fischerhuder Modersohn-Museum

Gemäßigte Moderne

102.11.09|SykeFacebook
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Syke - Von Ilse-Marie VogesFISCHERHUDE (Eig. Ber.) · Masken, Blumen, Fenster, Musikinstrumente, Spiegel, Kerzen und Menschenbilder hat der Maler Hans Meyboden (1901-1965) in eigener Weise, ohne auf Gegenständlichkeit zu verzichten, in seiner Malerei verflochten. Im Otto Modersohn Museum in Fischerhude sind derzeit Arbeiten des Künstlers zu sehen – Ölbilder, Aquarelle, Radierungen, dazu in Vitrinen Briefe, die seine Vita höchst bildhaft ergänzen.

Hans Meyboden: Roter Tisch (1958)

Hans Meyboden: Roter Tisch (1958)

Die Ausstellung zeigt neben leuchtender Farbigkeit auch kühle nordische Impressionen. Vor allem aber strahlt sie Harmonie aus.

Im Mai unterzeichneten Lorenz Meyboden und Christian Modersohn die projektierte Erweiterung der Otto Modersohn Stiftung um den Nachlass von Hans Meyboden. Es handelt sich dabei um keine rechtskräftige Zustiftung, sondern um eine Vereinbarung, die den beiderseitigen Widerruf einschließt. Die Zielsetzung der Otto Modersohn Stiftung ist es jedoch, Meybodens Werk dauerhaft Präsenz zu geben.

Hans Meyboden besuchte von 1919 bis 1923 die Dresdner Kunstakademie und orientierte sich in seinen künstlerischen Anfängen am Expressionismus Oskar Kokoschkas, dessen Schüler er war. In späteren Jahren verband Lehrer und Schüler eine enge Freundschaft.

In seiner Berliner Zeit (1925-1935) wandte sich Meyboden einer gemäßigt modernen Malerei zu. Er hielt fest an äußeren Erscheinungen: an menschlichen Figuren, an Gegenständen und Landschaft. Auch als in den Nachkriegsjahren das Abstrakte als freie Weltsprache die Kunst dominierte, blieb er seinen Hauptthemen Landschaft, Porträt und Stillleben treu.

Das Leben war Hans Meyboden nicht immer wohl gesonnen. Der gebürtige Verdener verlor im frühen Kindesalter die Mutter. Der gestrenge Vater war Richter in Bremen, ein überzeugter Patriot und keineswegs begeistert vom Streben seines Sohnes nach Kunst. Meybodens Berliner Jahre waren geprägt von Entbehrungen, sein künstlerisches Schaffen beeinträchtigt durch Tuberkulose. Die Krankheit zwang ihn immer wieder in Heilstätten, wie nach Davos. Schwere Depressionen begleiteten ihn.

Nach ersten Erfolgen verboten die Nationalsozialisten Ausstellungen seiner Arbeiten. Ein Freund nahm 1935 den Maler, der inzwischen mittellos und krank war, mit nach Worpswede. Dort bezog Meyboden das Atelier des verstorbenen Malers Rohmeyer. Dort begegnete er erstmalig Otto Modersohn.

Während des II. Weltkriegs gab es trotz Verbots Ausstellungen in der Kunsthalle Mannheim, im Frankfurter Kunstverein und im Folkwang Museum in Essen. 1942 wurde ihm in Berlin eine Ausstellung untersagt. 1944 erkrankte Meyboden erneut an Tuberkulose. Er ging nach Davos und kehrte 1946 nach Deutschland zurück. Meyboden heiratete Gretlies Rohmeyer. In Fischerhude richtete sich das Paar ein. Dort setzte eine neue rege Schaffensphase des Künstlers ein. Meyboden folgte 1956 einem Lehrauftrag an die Karlsruher Akademie als Nachfolger von Erich Heckel.

Im Bild „Hochzeitstag“ (Öl auf Leinwand, 1946) rückt er die Frau in zartem Gewand, den Lilienstrauß in der Vase zu ihren Füßen, sanft in den Vordergrund. Das Werk „Roter Tisch“ lädt den Betrachter zum Verweilen ein. Immer wieder sind „Fensterbilder“ ein Thema für Meyboden. „Der Traum“, „Frau und Katze“ oder die „Schwarze Tulpe“ muten in ihrer Stille farblich warm und geborgen an, vermitteln dabei eine mystische Distanz. Bei den Stillleben ist häufig der Totenkopf Mitspieler von Blumen, Kerzen oder anderem Dekor auf Tischen oder Fensterbänken.

Wie sehr Kokoschka seinen einstigen Schüler schätzte, wird in seinem Brief zum frühen Tod Meybodens deutlich: „Dies ist eine böse Nachricht. Es tut mir weh zu wissen, dass mein lieber Freund Meyboden nicht mehr am Leben ist. Zum Trost konnte er in Freiburg noch sehen, wie seine Bilder tiefen Eindruck auf mich gemacht haben.“

Das Ambiente des Modersohn-Museums in Fischerhude bildet den passenden Rahmen zu den Arbeiten. Die Beschaulichkeit des Hauses im farbenfrohen, ruhigen Herbst in der Bredenau korrespondiert mit den harmonischen Bildern Meybodens.

Die Ausstellung ist noch bis zum 29. November zu sehen.

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