Syke - Eigentlich wollte Dr. Hans-Holger Ahlsdorff seinen Vortrag „Als Arzt in Norwegen – ein anderes Gesundheitssystem“ mit den Worten „Wir hatten ein Haus am Fjord“ beginnen. Doch daraus wurde nichts. Was vornehmlich daran lag, dass aus den offiziell fünf angemeldeten Zuhörern kurzerhand deren 100 wurden – sehr zur Überraschung des inzwischen nach Heiligenfelde heimgekehrten Doktor. „Das passiert also, wenn sich fünf Leute anmelden...“, machte Ahlsdorff seiner Verwunderung dann auch prompt Luft.

© Foto: Bahlo
Elf Jahre praktizierte Dr. Hans-Holger Ahlsdorff in Norwegen. ·
Der Weg zum „Erzähl-Café“ in die Alte Posthalterei hatte sich für die 95 Kurzentschlossenen indes gelohnt. Hans-Holger Ahlsdorff beschränkte sich nicht nur darauf, die Unterschiede zwischen dem deutschen und norwegischen Gesundheitssystem zu erklären, er füllte seinen Vortrag gleichermaßen mit Leben.
Da war zum einen die Frage: Warum ausgerechnet nach Norwegen? „Ist doch so schön hier“, so der Doktor und zählte unter anderem die Vorzüge von deutschen Supermärkten mit seinen vollen Regalen auf. Die Norweger seien doch sehr konservativ und beschränkten sich nur auf das Wesentliche, wie Familie Ahlsdorf nach ihrer Ankunft in Hemne schnell merkte. Aber der Wunsch wieder ins Ausland zu gehen, war groß, nachdem der Doktor bereits in Istanbul praktiziert hatte. Und entgegen der zuvor im Sprachkurs angedrohten Deutschfeindlichkeit, „wurde ich sehr herzlich aufgenommen. Feindseligkeiten habe ich nie erlebt. Und das liegt nicht nur am Ärztemangel in Norwegen“, meinte Ahlsdorff.
Schnell lernte er die Vorzüge kennen. „Ich kann mich noch genau an meinen ersten Arbeitstag erinnern. Er war mit zwei Patienten pro Stunde doch sehr stressig“, flachste der Heiligenfelder Arzt. Und obwohl er nur ein Jahr nach seiner Ankunft die Leitung des dortigen Ärztehauses übernahm, war die Zeit für den Patienten doch ein wesentliches Merkmal. Genau wie das merklich einfachere Abrechnungssystem.
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